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Konfliktsituationen zu lösen kann einfach sein – wenn man sich die richtigen Fragen stellt

Kennen Sie das? Die Kollegin nervt zum vierten Mal mit einer Mail zum gleichen Thema oder der Chef erklärt in jedem Meeting wie wunderbar alles gelaufen ist, obwohl das gar nicht stimmt. Wie spricht man diese Dinge sinnvoll an?

 

Konfliktsituation? Ich bin dann mal weg … 

Warum tun wir uns so schwer, unseren eigenen Standpunkt zu vertreten, eine Entscheidung zu treffen, Konflikte auszuhalten und erfolgreich zu bewältigen? Egal ob in Chefetagen großer Unternehmen oder zuhause im familiären Umfeld, die Kompetenz Konflikte erfolgreich zu lösen ist enorm wichtig. Aber wie können wir zu einem zufriedenstellenden Umgang mit Konflikten kommen?

Statistisch gesehen haben nur vierzig Prozent der heute Dreißig- bis Fünfzig-Jährigen in ihrer Kindheit Beziehungen oder Familie als sichere Orte, die Kontinuität und Stabilität versprechen, erlebt. Viele kommen aus Scheidungsfamilien, die Eltern waren aufgrund ihrer Jobs oder durch eine Krankheit „abwesend” u.v.m..

Kein Wunder also, dass ein Großteil der heute Erwerbstätigen den konstruktiven Umgang mit Gefühlen und Konflikten nicht gelernt hat und die Kompetenzen für gelingende Beziehungen und Empathie häufig fehlen. Der früh erworbene Mangel beeinflusst das spätere Beziehungsleben und damit auch die Konfliktlösungskompetenz fundamental. Oft ist uns dieser Zusammenhang zwischen kindlichem Erleben und erwachsenem Fühlen und Handeln nicht bewusst. So kommt es, dass wir uns unsere eigenen Reaktionen oft selbst nicht erklären können, uns darüber wundern oder sogar ärgern. Oder den jeweils Anderen dafür verantwortlich machen: „Würde die Person bloß … ”, „Hätten wir nicht, dann …” . Wäre dann alles anders? Nein.

Erlernte Muster zur Konfliktlösung

Wenn du dich in diesem Konfliktverhalten wieder erkennst, bist du wahrscheinlich nicht besonders gut darin, Konflikte sinnvoll zu lösen. Möglicherweise fühlst du dich dabei nicht wirklich „gut verhandelt“. Das heißt, du verlässt die Situation mit einem unzufriedenen Gefühl, so als hättest du deine Position nicht gut vertreten können. Oder du quälst dich im Nachgang mit der sogenannten kognitiven Nachbereitung, überdenkst alles, spielst die Situation noch einmal und noch einmal durch und wirst vielleicht sogar von Schuldgefühlen geplagt. 

Natürlich hat sich jeder von uns im Rahmen seiner Lebensgeschichte eigene Strategien zugelegt, um mit Konflikten zurechtzukommen. Denn diese erlebt jeder von klein auf. Doch innerhalb der ‒ oft nicht hilfreichen ‒ Muster bleiben wir stecken, wenn wir sie nicht erkennen können. Um sie zu erkennen, müssen wir uns einige Fragen stellen:

Was ist eure Strategie, „wenn es eng wird”? Was hast du zuhause gelernt? Wie verhältst du dich, wenn es an wirklich ernste Themen geht, wenn dich etwas emotional beschäftigt, verstimmt, verletzt oder einfach nur wütend oder hilflos fühlen lässt? Wirst du einfach nur still und denkst, es wird schon vorbeigehen?Gehst du zum Angriff über, weil du glauben, im Recht zu sein? Drehst du dich auf dem Absatz um und verlässt den Raum? Oder kombinierst du das eine mit dem anderen, je nachdem, um wen oder was es geht?

Konfliktkompetenz kann man lernen 

Konfliktkompetenz lässt sich erlernen. Die Voraussetzung dafür ist, die darunter liegenden Verhaltensmuster zu verstehen. Denn nur, wenn wir wirklich bewusst verstehen, warum wir genau so und nicht anders reagieren, macht ein Erlernen von neuen, zielführenden Kommunikationstechniken Sinn. 

Warum? Weil wir unsere eigenen Stellschrauben kennen müssen, um an ihnen drehen zu können. Und das kann so befreiend sein: klar zu sehen, den eigenen Anteil wahrnehmen. Damit haben wir es dann selbst in der Hand. So können wir die Dinge ändern. Und mit diesem Wissen kommt die Veränderungsmotivation fast von selbst. 

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