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Vreni Frost: „Deutschland lechzt danach, sich über jemanden das Maul zerreißen zu können“

Bloggerin Vreni Frost im Interview über ihren Stil, ihre Outfits als 14-Jährige und die Rolle von Influencern.

 

Bunt und ehrlich

Wer Vreni sieht, weiß schnell: Sie mag es bunt. Und wer mit ihr spricht, merkt: Sie mag es außerdem auch ziemlich ehrlich. Vreni Frost ist eine der alten Hasen im Blogger-Business, schreibt schon etliche Jahre auf neverever.me über Mode und andere Themen, die besprochen werden wollen – und das immer mit sehr eindeutiger Haltung. Die Kritik gegen Influencer, die oft einen sehr luxuriösen Lebenstil abbilden, hält sie für unberechtigt. Viel wichtiger sei es doch, die Leserinnen und Leser zu schulen. „Der wichtigste Schritt ist, zu erkennen, dass das Internet und vor allem Instagram nicht das Maß aller Dinge sind.“ Wir haben mit ihr über ihren Stil, was sie am liebsten mit 14 getragen hat und welche Rolle Blogger und Influencer aktuell einnehmen gesprochen.

Eine Person, die dich nicht kennt, schaut in deinen Kleiderschrank. Was denkt sie über dich? 

„Eine sehr schöne Frage! Zum einen wird sie sich wünschen, dass sie einen Tag lang in all die Sachen schlüpfen kann, die sie sich sonst nicht traut zu tragen. Und sie wird neugierig sein, welcher bunte Vogel hinter all den Klunkern und ausgefallenen Stücken steckt. Die Neugierde ist geweckt.“

1. Blauer Rock mit Blumenstickerei von YMC

2. Pork Pie Strohhut von Stretson

3. Weiße, schlichte Sneaker von Selected Femme

4. Pullover „Lovers gonna love“ von Juniqe X Vreni Frost

Als Modebloggerin setzt du dich viel mit deinen Outfits auseinander. Wie definierst du richtig guten Stil? 

„Stil ist nicht gewollt, einen Stil entwickelt man durch persönliche Vorlieben und Charakterzüge. Es gibt nichts Langweiliges als eine wabernde Masse, die alle dem gleichen überteuerten Shirt hinterher geifert, weil sie denkt, das mache einen Stil aus. Weit gefehlt. Stil ist Individualität und Kreativität.“

Gibt es bei deinen vielen bunten Looks eigentlich einen, den du als deinen liebsten bezeichnen würdest? 

„Niemals. Ich bin jeden Tag neu schockverliebt. Fehlkäufe tätige ich aus Prinzip nicht, weil ich wirklich alles toll finde, was sich in meinem Schrank befindet. Trotzdem ist der Durchlauf bei mir hoch. Es gibt nicht mehr als zehn Teile, sie schon seit Jahren bei mir weilen. Das ändert sich aber gerade, weil ich anfange, bewusster und nachhaltiger zu konsumieren – endlich!“

1. Vintagepullover mit Stickereien von Christopher Kane

2. Vintage Valentino Clutch über Rebelle

3. Sonnenbrille mit gelben Gläsern von Ray Ban

4. Schwarzer A-Linien-Rock von Armedangels (Fair Fashion)

Und welches Outfit hast du mit 14 getragen, das du dem Internet eigentlich gern verschweigen würdest? 

„Mit 14 war ich ein großartiges Skatermädchen, habe Papas Jeans getragen und hatte gerade Zahnspange sowie dicke Brillengläser hinter mir gelassen. Für den Look habe ich nur Lob übrig.“

Vreni mit 14 im Skaterlook. Quelle: Vreni Frost

Stichwort Verschwiegenheit: Zur Zeit gibt es viel Diskussion um Influencer, die in der Kritik stehen, Schleichwerbung zu machen oder Kooperationen zu verschweigen, viele sprechen von einer Abmahnwelle. Was bewegt die Bloggerwelt da gerade? 

„Ich habe Medienwissenschaften studiert, kenne mich mit dem Telemediengesetz und Co. aus. Influencer findet man eher auf Instagram. Das sind oft Laien, die sich mit Kennzeichnung schlicht nicht auskennen. Ich hoffe, dass hier vermehrt Aufklärung stattfindet und sich nach und nach ein ‚Fahrplan‘ für alle entwickelt.“

Auch außerhalb davon wird das Dasein vieler Influencer gerade häufig kritisiert. Caro Daur wurde in einem viel besprochenen Interview mit dem Manager Magazin beispielsweise mehrfach danach gefragt, woraus ihre Inhalte eigentlich bestehen. Was ist dein Standpunkt dazu? 

„Das Interview war unter aller Sau! Caro sollte bewusst vorgeführt werden von jemandem, der zum einen den Job nicht versteht und zum anderen missgünstig ist. Ich bezweifle auch stark, dass Caro das Interview komplett vorliegen hatte, sondern nur ihre wörtlichen Zitate. Fragen nicht zu beantworten, ist ganz normal. Ich selbst hatte kürzlich ein Interview mit dem Manager Magazin, habe dem Redakteur meine Meinung dazu gesagt und dass ich nur bereit bin, ein Gespräch zu führen, so lange dieses sachlich und unvoreingenommen vonstatten geht. Man darf anderer Ansicht sein. Die Aufgabe eines Journalisten ist es aber – im Gegensatz zu uns Bloggern – sachlich und ohne die Einbringung der persönlichen Meinung zu berichten. Es sei denn, der Journalist schreibt einen Kommentar, was hier nicht der Fall war.“

Vreni hat eine klare Position zum viel diskutierten Interview im Manager Magazin. Quelle: Facebook

Stellt das Manager Magazin deiner Meinung nach nicht aber auch berechtigte Fragen, nämlich zum Beispiel die nach der Verantwortung, die eine Influencerin auf junge Frauen haben kann? 

Natürlich sind das berechtigte Fragen. Für mich haben alle, die in der Öffentlichkeit stehen, auch eine Verantwortung. Caro ist aber schon lange kein Influencer mehr, sondern ein über Deutschland hinaus bekannter Promi. Sie wird als Model gebucht und berichtet aus ihrem Leben. Wie jeder Einzelne mit seinem Status umgeht, bleibt immer noch ihm oder ihr selbst überlassen. Und seien wir doch mal ehrlich – Deutschland lechzt doch danach, sich über jemanden das Maul zerreißen zu können. Steilvorlagen gibt es dazu auf Instagram genug. Viel wichtiger, als das Leben eines Influencers zu beklagen, ist doch die Medienkompetenz, die der Zielgruppe 12+ mitgegeben wird. Wer in dem Glauben gelassen wird, dass eine Designertasche für mehrere 1000 Euro den Sinn des Lebens darstellt, dem sollte ganz schnell etwas mehr Bildung und Sinnstiftendes vermittelt werden. Der wichtigste Schritt ist, zu erkennen, dass das Internet und vor allem Instagram nicht das Maß aller Dinge ist.“


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