Foto: Unsplash | Catherine McMahon

Warum Tampons kostenlos sein sollten

Immer mehr Frauen fordern, dass Tampons und Binden endlich als das gesehen werden, was sie sind. Nämlich: keine Luxusgüter, sondern essentielle Hygieneartikel, genauso wichtig für das tägliche Leben wie Toilettenpapier.

 

16.800 Tampons im Leben 

In Deutschland zahlen wir sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Toilettenpapier, aber 19 Prozent auf Tampons und Binden. Aus einem absurden Grund: weil sie als Luxusgüter gelten.

Sechs Tage, jeden Monat, mehr als 30 Jahre lang. Eine Frau verbraucht im Durchschnitt 16.800 Tampons in ihrem Leben. Geht man von einem Preis von vier Euro für die Packung mit 56 Tampons aus, dann kann man sich ausrechnen: Für die rund 1.200 Euro, die wir in unserem Leben für Tampons ausgeben, könnten wir uns locker einen neuen Laptop kaufen.

Unfair, finden viele. Nicht nur hier in Deutschland, sondern auch die amerikanische Bloggerin Jessica Valenti. Vergangenen Sommer sorgte sie mit ihrer Kolumne im „Guardian“ für Diskussionen. In dem Text beschreibt sie, wie sie als Elfjährige zum ersten Mal ihre Periode bekam: Ihre Hilflosigkeit; nicht zu wissen, was sie tun sollte, und die Panik, es ihrer eigenen Mutter zu erzählen. Sie fordert:

„Damen-Hygieneartikel sollten kostenlos sein für alle, die ganze Zeit.“

Es ist ja so… peinlich

Dass die Menstruation kein Grund sein sollte, sich zu verstecken und Schule, Job oder Events zu verpassen, fand auch Kiran Gandhi: Beim Londoner Marathon in diesem Sommer verzichtete sie trotz Periode auf ihr Tampon und lief sozusagen ‚free-bleeding‘ durch das Ziel. Als Zeichen ihrer Unterstützung für alle Frauen, die keine Möglichkeit haben, auf Hygieneartikel zurückzugreifen. Dass einige ihre Aktion als ekelerregend bezeichneten, zeige laut Gandhi, das sich viele bei einem Thema, das nicht zu ihrem Vergnügen sei, ganz schnell unwohl fühlen. 

Als Tabu-Thema kann man die Periode der Frau eigentlich nicht bezeichnen, schließlich schlägt sich nahezu jeder zweite Mensch auf diesem Planeten einmal im Monat damit herum. Und trotzdem scheint das Thema in der Öffentlichkeit zumindest nicht sonderlich erwünscht: 

Bereits im März postete die Künstlerin Rupi Kaur auf Instagram ein Foto von einer Frau, die mit einer blutbefleckten Hose auf dem Bett liegt. Mit dem Ziel, den Mythos um die Periode aufzulösen und etwas, das angeboren ist, „normal“ zu machen. Instagram löschte das Foto mit der Begründung, es widerspräche den „Community-Guidelines“.

,Mr Hockey, besteuere nicht meine Periode’

Dass Damen-Hygieneartikel weiterhin besteuert werden, wollen auch Aktivistinnen in Australien und Kanada nicht länger hinnehmen. In Australien wurde aktiv gegen die Steuern protestiert. Während Kondome und Sonnencreme dort nicht der ,Goods-and-Services-Tax unterliegen, weil sie als essentiell angesehen werden, werden Tampons mit zehn Prozent besteuert. Dort weder der Slogan ,Mr Hockey, don’t tax my period’, noch die Rap-Parodie ,Drop It Coz it’s Rot konnten den australischen Finanzvorstand Joe Hockey überzeugen. Die zusätzlichen zehn Prozent müssen auch weiterhin für Tampons gezahlt werden. 

In Kanada dagegen hatte die „no tax on tampons“-Kampagne mit rund 74.644 Unterschriften Erfolg. Am 8. Mai dieses Jahres twitterte Kellie Leitch, Ministerin für Frauen: 

„Stolz zu verkünden, dass unsere Regierung die Bewegung, die Steuer auf Damen-Hygieneprodukte abzuschaffen, unterstützen wird.“

Insbesondere für Mädchen und Frauen mit geringem oder keinem Einkommen ist die Steuer ein Problem. Wenn das Budget den Kauf von Hygieneprodukten nicht zulässt, lassen viele die Arbeit für einige Tage jeden Monat ausfallen, oder gehen nicht zur Schule. 

New York: Projekt für freie Tampons

Nachdem sich viele dieser Frauen die Produkte aber auch unbesteuert kaum leisten könnten, müsste grundsätzlich darüber nachgedacht werden, ihnen die benötigten Produkte kostenlos zur Verfügung zu stellen. Projekte in diese Richtung gibt es vereinzelt, beispielsweise in New York. Im Juni rief Stadtrat-Mitglied Julissa Ferreras den ersten Stammtisch zu Menstruation und Gesundheit ins Leben. Verteidiger von Obdachlosen, Familien und Studenten mit geringem Einkommen berieten sich über Verbesserungsmöglichkeiten. Das nächste Vorhaben: kostenlose Tampons und Binden an öffentlichen Schulen, Herbergen sowie Justizvollzugsanstalten in New York.

Ein wichtiger Schritt nach vorne, finden wir. Auf Kaviar und Blumensträuße sind in Deutschland anstatt 19 übrigens nur sieben Prozent Mehrwertsteuer zu zahlen.

Hier einige Eindrücke der Aktivistinnen:

Leider ohne Erfolg: Rap-Parodie ‘Drop It Coz It’s Rot‘ aus Australien.                       Quelle: youtube

#NoTaxOnTampons-Kampagne in Kanada.                                           Quelle: youtube 

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