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Weißt du, wie du wirkst? Unsere Körpersprache beeinflusst uns mehr als viele denken

Wir alle wissen, dass Körpersprache einen gehörigen Teil dazu beiträgt, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Aber wie viel trägt sie dazu bei, wer wir sind? Wir haben erstaunliche Antworten.

 

Selbstbewusst? Dein Körper sagt etwas anderes!

In meinem Studium fiel immer wieder der Satz: „Es ist
unmöglich, nicht zu kommunizieren.“ Und ja, genau so ist es. Nonverbale
Kommunikation
macht den Bärenanteil unserer Kommunikation mit unserer Umwelt
aus. Ein Blick, die Haltung des Kinns, die Schultern, übereinandergeschlagene
Beine, verschränkte Arme, all das spricht Bände – und findet meist sogar mehr
Gehör als das, was aus unserem Munde kommt. Denn wenn dir jemand mit hängen
Schultern und traurigen Augen einen Vortrag darüber halten würde, wie man
energetischer oder selbstbewusster durchs Leben geht – nun ja, wir würden wohl
alle unser Geld zurückverlangen oder einfach nur denken: Joa… genau.

Warum nutzen wir nicht besser, was solche Macht besitzt?

Wir alle sind uns der Wirkung unserer Körperhaltung bewusst,
und doch ist es erstaunlich, wie wenig Gedanken wir uns im (Job-)Alltag über etwas machen, das so viel Kraft und Macht besitzt. Denn mal ehrlich:
Meist hat man sich im Laufe seines Lebens eine Haltung und Verhaltensweisen für
bestimmte Situationen zugelegt, die man – weil bequem –  ganz unbewusst
einnimmt. Sei es das stets überschlagene Bein oder die Hand in die Hosentasche.
Und wenn wir mal jemanden mit dauerhängenden Schultern vor dem Computer sehen
(schuldig!), dann fragt man höchstens einmal: „Weißt du eigentlich wie schlecht
das für den Rücken ist?“ – aber wohl nie: „Weißt du eigentlich, wie das wirkt?“

Es ist nicht ganz 
einfach sich selbst unter die Lupe zu nehmen und wirklich einmal genau
zu analysieren: Wie gehe ich, wie stehe ich, wie sitze ich anderen gegenüber?
Aber, das lohnt sich. Denn, Harvard Psychologin Amy Cuddy hat einen
beeindruckenden TED Talk darüber gehalten, in dem es nicht nur darum geht, wie
man die Körpersprache für eine andere Wirkung einsetzen kann, sondern vor
allem, wie viel sie auch damit zu tun hat, wie wir uns selbst wahrnehmen. Hier
einige Erkenntnisse:

1. Wir achten viel mehr auf andere, als auf uns selbst

Um zu wissen, wie viel Einfluss die Körpersprache hat, muss
man sich nur folgendes einmal kurz verdeutlichen: Ein komisches Lächeln, eine
Berührung zum falschen Zeitpunkt, ein schiefer Blick, eine abgewendete Haltung.
Die Körpersprache eines anderen sehen und verstehen wir (vermeintlich) ganz
genau. „Hast du gesehen wie er/sie geschaut hat?“ Wenn wir also andere derart
unter die Lupe nehmen, warum schaffen wir es dann nicht, auch uns besser im
Blick zu haben? Und genau das macht es auch so wichtig, statt sich immer nur zu
fragen: Was will mir mein Gegenüber damit sagen? – uns auch einmal zu fragen: Was
will ich eigentlich mit meinem nonverbalen Verhalten ausdrücken?

2. Die Körpersprache beeinflusst unser Urteil

Aus dem, was wir von anderen nonverbal mitbekommen, ziehen
wir nicht nur unsere Schlüsse, sondern pauschalisieren auch gerne. Und sagen
uns: Weil er/sie sich so und so verhält, ist er oder sie auch so und so. Das
hat nicht nur Einfluss auf unser Privatleben, in dem es in Sachen Körperhaltung
vor allem um Sympathie oder Antipathie geht, sondern auch maßgeblich auf unser
Berufsleben – und kann beispielsweise entscheidend dafür sein, ob wir jemanden
einstellen und im Team haben wollen.

3. Körpersprache ist manchmal wichtiger als das Können

Es gibt Studien, die Ergebnisse zur Wirkung von
Körpersprache brachten, die einer Zukunftsdeutung gleich kommt. So erzählt
Cuddy von den Studien von Nalini Ambady , Wissenschaftlerin an der Tufts
Universität, die eine Studie zur Interaktion von Patient und Arzt gemacht hat.
Sie zeigte  Probanden Videoausschnitte
von realen Situationen ohne Ton für jeweils 30 Sekunden. Nach dieser Zeit
konnten alle Versuchspersonen vorhersagen, welcher Arzt hinterher verklagt
wurde und welcher nicht. Ihre Entscheidung basierte jedes Mal auf den
freundlichen oder nicht-freundlichen Umgang des Arztes mit dem Patienten. Ein
anderes Beispiel ist eine Studie von Alex Todorov von der Universität Princeton
 die zeigte, dass die Urteile, die
Menschen in einer Sekunde über das Gesicht eines Politikers fällen, zu 70
Prozent damit übereinstimmen, wer von ihnen in den US-Senat gewählt wird oder
auch, wer sich bei der Wahl um ein Gouverneursamt durchsetzen kann.

4. Wir vergessen oft, unsere eigene Körpersprache für uns
selbst einzusetzen

Auch wer sich bewusst mit Körpersprache in Bezug auf sein
Umfeld auseinandersetzt, vergisst oftmals, was sie für einen selbst leisten
kann. Hier bezieht sich Cuddy besonders auf nonverbales Verhalten, das Macht
und Dominanz ausdrückt. Und die drückt sich im Tierreich ebenso aus wie bei uns
Menschen: Indem man sich groß macht, Raum einnimmt und sich öffnet – also etwa eine
gerade Haltung einnimmt, die Arme ausbreitet oder mit nach außenzeigenden
Ellenbogen lässig hinter dem Kopf verschränkt. Und all das drückt auch Macht
und Dominanz aus, selbst wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Denn
Körpersprache ist universal verständlich.

Ebenso wie die Siegerpose, wenn man
einen sportlichen Wettkampf gewonnen hat. Die Wissenschaftlerin Jessica Tracy
hat herausgefunden, dass dieser Reflex , des in die Luft Springens und die Arme
gen Himmel strecken, sowohl von Menschen gemacht wird, die seit ihrer Geburt
sehend sind, als auch von jenen, die blind geboren wurden. Es gibt also
nonverbales Verhalten, das wir quasi von Beginn an in uns tragen, anwenden und
verstehen.

5. Wir können uns selbst stärker machen!

Interessant ist, dass wenn wir Menschen mit einer nonverbal
kommunizierten Macht begegnen, wir sie oftmals nicht spiegeln, sondern die
Situation quasi damit komplettieren, dass wir uns kleiner machen, als das Gegenüber.
Dieses Verhalten, so die Sozialpsychologin, legen übrigens mehr Frauen als
Männer an den Tag. Aber was ist, wenn man einfach nicht zu diesen Alphatypen
gehört? Kann man Macht und Dominanz mit bestimmten Gesten einfach vortäuschen?
Amy Cuddy und ihre Mitarbeiterin nahmen sich dem Projekt „Fake it ‚til you make
it an“, also der Auswirkung von unserem Körper auf unser Bewusstsein, testeten
es an der Business School an ihren Studenten und kamen zu folgendem Ergebnis:

Ja, nicht nur das Bewusstsein beeinflusst unseren Körper,
sondern auch unser Körper das Bewusstsein. Bewiesen wurde das etwa schon damit,
dass wir nicht nur lächeln, wenn wir glücklich sind, sondern auch tatsächlich
glücklicher werden, wenn wir künstlich lächeln. Es geht hier also nicht um ein
vages Gefühl, sondern tatsächlich um: Hormone. Und dabei vor allem um zwei:
Testosteron, das wichtig für das Dominanzgefühl ist und Cortisol, das für das
Stresslevel verantwortlich ist. Menschen mit Macht, also etwa in
Führungspositionen, haben im besten Fall beides: Sie sind selbstbewusst,
risikofreudig und zeitgleich stressresistent.

Amy Cuddy sagte den Probanden
also, dass sie zwei Minuten lang eine High-Power-Position (groß, offen)
einnehmen sollen oder eine Low-Power-Position (klein, zusammengesunken). Nach
diesen zwei Minuten und zwei Speichelproben (zuvor und danach) kam heraus, dass
das Testosteron bei den Testpersonen mit der High-Power-Position tatsächlich gestiegen und das Cortisol gesunken ist. Und damit,
dass unsere Körpersprache tatsächlich auch beeinflusst wer wir sind, wie wir
uns fühlen und wie handlungsfähig wir sind.

Hier ist das ganze, wirklich sehr sehenswerte Video von Amy
Cuddys Ted Talk.

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