Foto: Carola Pojer

Carola Pojer: „Während des Studiums war ich auf Konfrontation aus“

Carola Pojer ist nicht nur als Schauspielerin in Film, Fernsehen und auf der Bühne zu sehen, sondern auch Gründerin des Blogs Vienna Wedekind.

Den Horizont erweitern, um nicht verrückt zu werden

Schauspiel verlangt, dass man sich reinstürzt. In die Rolle, in sich selbst. Es ist ein Beruf, in dem man seinen Körper kennen und seine Emotionen analysieren muss, um sie als Werkzeug einsetzen zu können. Ganz gleich, mit welchem Bein man aufgestanden ist, ob hinter dem Vorhang eine gelangweilte Schulgruppe wartet oder sich die Rolle fremd anfühlt. Um dabei kein Leben zu führen, in dem man sich permanent nur um sich selbst dreht, muss man sich auch mal erlauben ausbrechen und ein anderes Feld zu beackern. So wie Carola Pojer.

Die Österreicherin kam über die Fotografie schließlich zu Vienna Wedekind, einem Blog den sie 2011 gründete und mit dem sie heute täglich eine große Leserschaft anlockt. Wann sie ihre Lust an der Darstellung entdeckte, wie viele Anläufe sie brauchte, um an der Schauspielschule angenommen zu werden und welche modischen Fehltritte sie früher begangen hat, hat sie uns erzählt.

Carola, wie geht’s dir und wie bist du heute morgen in den Tag gestartet?

„Mir geht’s wunderbar, danke! Ich bin gerade umgezogen und hab mit Theaterproben begonnen – wenn viel passiert fühle ich mich richtig lebendig. Der Frühling könnte also nicht besser starten. Meine Morgenrituale bestehen aus: Snooze Button drücken, Instagram durchstöbern, Sit-Ups machen, Augencreme verwenden und dann: Kaffee.“

Du bloggst auf Vienna Wedekind. Was hat es mit dem Blognamen auf sich?

„Vienna oder auch Wien ist die Stadt in der ich wohne und (Frank) Wedekind ist einer meiner liebsten Dramatiker. Als Schauspielerin war es mir damals sehr wichtig, einen Kunstbezug im Blognamen zu haben.“

Wann hast du neben der Schauspielerei mit dem Bloggen begonnen und hättest du damit gerechnet so viele Leserinnen und Leser zu erreichen?

„Ehrlich gesagt, nein. Ich hab das anfangs ja nur für mich gemacht, weil ich nach dem Schauspielstudium unbedingt ein Hobby brauchte. Mein ganzes Leben hat sich um Schauspiel gedreht und ich wollte unbedingt noch ein anderes Feld erkunden, sonst wäre ich womöglich verrückt geworden. Vor Schauspiel habe ich Fotografie studiert und so war der Blog für mich die ideale Möglichkeit wieder mehr zu fotografieren und meine Sinne zu schärfen. Das sich so viele Menschen von Vienna Wedekind inspiriert fühlen, rührt mich sehr und gibt mir unendlich viel Energie.“

Ob eine Schauspielschule den Stil eher formt oder versaut, darüber scheiden sich ja die Geister. Wie denkst du darüber?

„Ich habe vier Jahre Schauspiel in Wien studiert, bin also den klassischen Weg gegangen. Ich denke es kommt immer darauf an, in welchem Bereich man später arbeiten möchte. Für Film sowie Fernsehen ist eine Schauspiel- und Sprechausbildung nicht unbedingt erforderlich. Da geht es viel um Natürlichkeit und Charakter. Am Theater ist eine Sprachbildung essentiell, aber auch Bühnenkampf, Theatergeschichte und Improvisation sind wichtig für den Beruf. Ich finde es ist gut ein Handwerk zu lernen. Ich sehe den Beruf des Schauspielers als Handwerksberuf, um danach selbst zu entscheiden wie ich meine Werkzeuge einsetzen möchte. Ich war während dem Studium oft auf Konfrontation und habe oft Dinge absichtlich anders gemacht. Trotzdem war es gut die klassischen Vorgehensweisen gelernt und erfahren zu haben.“

Es ist nicht ganz einfach an eine Schauspielschule zu kommen. Wie viele Anläufe hast du gebraucht und mit welchem Text hast du letztendlich überzeugt?

„Ich habe mindestens fünf Anläufe gebraucht. Man sagt, der Durchschnitt liegt bei etwa acht Mal. Das liegt daran, dass man einfach „seine“ Schule finden muss, an der man sich wohl fühlt und entfalten kann. Das kann mitunter etwas dauern. Vorgesprochen habe ich Karl Valentin, Schillers Jungfrau von Orleans und die Lulu von Frank Wedekind.“

Sowohl als Schauspielerin als auch als Bloggerin braucht man eine gewisse Darstellungsfreude. Wann hast du diese Eigenschaft an dir entdeckt?

„Bei mir ging das schon in der Grundschulzeit los. Ich war etwa sieben Jahre alt, als ich für meine Mitschüler Geschichten geschrieben und diese dann vorgespielt habe. Das kam gut an und hat mir Spaß gemacht. Also hab ich mich dem Geschichtenerzählen verschrieben, hab Schultheater gespielt, Gedichtbände verfasst, Schauspiel studiert und 2011 Vienna Wedekind gegründet.“

Du postet jede Menge Outfits. Wo findest du Inspiration für deine Garderobe?

„Ich beobachte gerne Menschen, lese viele Magazine und ziehe auch viel Inspiration aus Reisen. Außerdem spielt bei mir Weltliteratur, Musik und Film eine große Rolle, das ist eine unerschöpfliche Inspirationsquelle.“

Was bedeutet Mode für dich?

„Für mich ist Mode ist ein riesiger Spielplatz der Leute zusammenbringt, inspiriert und mich näher zu mir selbst gebracht hat.“

Gibt es eine Modesünde aus deiner Jugend, an die du dich besonders gut zurückerinnern kannst?

„Verschrien waren bei uns diese Plateau Buffalos, mega weite Schlaghosen und Fishbone Pullover. Aber auch die Adidas Jogging Hi Sneakers. Die hab ich auch gehabt. Mir war das damals aber relativ egal wie ich aussehe, ich hatte orangefarbene Haare, blaue Cordhosen und selbstgenähte Wildlederbeutel. Auf Land kann man das machen.“

Welche drei Dinge sind deine Must Haves für dieses Frühjahr?

Lace-Up Ballerinas, die Cat Boots von Saint Laurent und ein Streifenrock von Altuzarra.“

Artikelbilder: Carola Pojer

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