Foto: Phoebe Boosalis

Claire Beermann: „Ich bin eine dickköpfige Selfmade-Frau“

Sich Gedanken über das eigene Outfit zu machen, hat für Claire Beermann mit (Selbst-) Respekt zutun. Wie das aussieht, zeigt sie auf ihrem Blog.

 

Clarie Beermann, ein guter Start mit LesMads

Sie ist erst Anfang 20 und trotzdem ist Claire Beermann schon lange in der deutschen Blogosphäre Zuhause. Nach Anfängen auf eigene Faust und einer Station bei LesMads hat sie sich wieder ein eigenes, digitales Zuhause geschaffen, in dem sie sich mit Mode und ihre gesellschaftlichen Bedeutung auseinandersetzt.

Mit welchem Kleid sie selbst zum Zahnarzt gut gelaunt geht, warum Frauen nicht nur Köpfchen haben, sondern auch ihre Weiblichkeit feiern sollten und warum man sich nicht dafür entschuldigen sollte Kind und Karriere haben zu wollen, hat sie uns erzählt.

Klarer Fall, dass wir uns von ihrer Leidenschaft für Mode für unsere aktuellen Favoriten haben inspirieren lassen.

Claire, mit dem Bloggen hast du innerhalb des LesMads-Netzwerkes angefangen. War es gut, in einem etablierten Umfeld zu starten und erst danach eigene Wege zu gehen?

„Mein eigenes Blog, das damals noch „Clairette en vogue“ hieß, habe ich 2009 gegründet – also lange bevor ich bei LesMads als Gastautorin anfing. Nach einem Jahr habe ich dann meine eigene Seite nach einem Relaunch unter dem Namen C’est Clairette neu gestartet. Natürlich war es toll, mit Jessica Weiß für das damals größte Modeblog Deutschlands zu arbeiten. Aber ich bin eine dickköpfige Selfmade-Frau, deshalb war schnell klar, dass ich langfristig doch am liebsten in meinem eigenen Reich schalten und walten wollte. LesMads hat mir viel Rückenwind gegeben. Aber meinen eigenen Weg bin ich so oder so von Anfang gegangen.“

Auf deinem Blog stellst du nicht nur Mode vor, sondern setzt dich in deinen Posts auch gesellschaftlich damit auseinander.  Was bedeutet Mode für dich?

„Schau Dir meine Kleidung an und Du weißt, wer ich bin: Mode ist ein Spiegel meiner Persönlichkeit, meiner Kultur, meines gesellschaftlichen Hintergrunds, meiner Generation und Erziehung. Sich stilbewusst zu kleiden bedeutet für mich auch eine Form des Respekts gegenüber meinem Umfeld und gegenüber mir selbst. Mich gut anzuziehen gehört für mich zur morgendlichen Routine wie das Duschen und Zähneputzen. Mit Mundgeruch will doch  auch keiner auf die Straße gehen, warum denn dann in Jogginghosen? Ich kann das nicht verstehen. Gerade erst wurde ich in einem Laden von einem Verkäufer gefragt, ob ich am Abend noch ins Theater ginge, ich sähe ja so schick aus. Dabei kam ich gerade aus dem Büro. Ich kann nicht nachvollziehen, was für die Leute hier in Berlin so komisch daran ist, sich nicht nur abends zur Cocktail-Party, sondern auch tagsüber was Ordentliches anzuziehen.

Zu guter Letzt ist Mode für mich aber auch einfach eine große Leidenschaft. Wenn es mir schlecht geht, klicke ich mich auf style.com durch die Haute-Couture-Kollektionen. Wenn es mir gut geht, ziehe ich mir ein gelbes Kleid an und setze einen Hut auf und fühle mich sofort fabelhaft, selbst wenn es regnet und ich gerade auf dem Weg zum Zahnarzt bin. Raf Simons, Dries van Noten, Marc Jacobs, Phoebe Philo – das sind meine Helden. In der Modewelt fühle ich mich zuhause.“

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Credit: Sandra Semburg

Du widmest dich auch immer wieder der Bedeutung von Schönheit oder diskutierst Frauenbilder. Im letzten Jahr hast du mit einem Statement sehr viele Kommentare provoziert. Um was ging es dabei?

In dem Artikel „Ist sexy tot?“ ging es um die Frage, warum sich heute nur noch wenige Frauen betörend anziehen. Ich sehe in Berlin sehr viele Menschen in Sackkleidern und Turnschuhen. In Kreuzberg wird man schief angeguckt, wenn man mal hohe Stiefel oder ein rotes Kleid trägt. Ich finde das albern. Ich muss mich doch nicht wie ein Mann anziehen, nur damit ich mich mit einem unterhalten kann. Einige Leserinnen haben sich unter diesem Text aber vor allem über das Statement „Ist Tollaussehen nicht eigentlich unsere wichtigste Geheimwaffe?“ aufgeregt. Als hätte ich damit gemeint, Frauen hätten nichts in der Birne und sollten deshalb lieber gleich ihr Dekolleté zeigen – so ein Blödsinn. Das Tolle am Waffenarsenal der Frau ist doch, dass es so vielseitig ist. Die wichtigsten Kanonen im täglichen Gebrauch: Selbstbewusstsein, Intelligenz, Humor, Multitasking… und dann hätten wir da eben noch die kleinen „Geheimwaffen“, von denen feminine Sinnlichkeit meiner Meinung nach eine ist.“

Wie stehst du zu Feminismus?

„Feminismus bedeutet für mich, offen zu seiner Weiblichkeit und Sexualität zu stehen und für deren Anerkennung zu kämpfen. Feminismus heißt, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben. Frauen müssen Firmen gründen und gleichzeitig Kinder bekommen dürfen, ohne als über-ehrgeizige und karrieregeile Rabenmütter gebrandmarkt zu werden. In diesem Sinne hat Feminismus eine sehr große Bedeutung für mich: denn ich selbst will Karriere machen und irgendwann heiraten und Kinder in die Welt setzen. Das geht nur in einer Gesellschaft, die Frauen ebenso viel Rückendeckung bietet wie Männern. Ich habe keine Lust darauf, in einer Gesellschaft zu leben, in der ich mich dafür entschuldigen muss, alles haben zu wollen.“

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Credit: Sandra Semburg

 

Du warst kürzlich in New York und hast dich in dieser Zeit mit Stilikone Tziporah Salamon getroffen. Wie war diese Begegnung?

„Sehr inspirierend! Tziporah ist eine der aufregendsten Frauen, die ich je kennen gelernt habe. Wir waren Teetrinken im Restaurant von Bergdorf Goodman, allein das war schon legendär. Sie war angezogen wie ein eleganter Pierot, war sehr lustig und freundlich und quirlig wie eine 12-Jährige. Alle fünf Minuten ist sie aufgesprungen, um mir irgendwas vorzuführen, einen Vintage-Handschuh von 1950 aus ihrer Handtasche zu kramen oder mir ihre Socken von Comme des Garçons zu zeigen. Tziporah liebt Kleider. Ich habe selten jemanden getroffen, der so euphorisch von einem bestimmten Mantel oder Kleid oder Hut erzählt. Ein Outfit ist für sie ein Kunstwerk – und genauso sah sie auch aus.“

Wie würdest du den New Yorker Stil beschreiben?

„Ich finde es schwierig, zu sagen, dies ist der New Yorker Stil, dies ist der Pariser Stil, und Berlin zieht sich so und so an… die modischen Frauen, die mir in New York begegnet sind, waren aber auf jeden Fall sehr elegant und dabei immer einen Schritt voraus. Während Berlin noch Boyfriend-Jeans trägt, läuft New York schon wieder in Schlaghosen herum – mit Vintage-Pelzjacke und High Heels.“ 

Und zu guter Letzt: Mit welchem Look verlässt du gerade besonders gerne das Haus?

„In meinem asymmetrischen Fransen-Jeans-Top von Marques’ Almeida und mit dunkelblauem Filzhut auf dem Kopf! Tziporah, die Hut-Königin, hat mich dazu inspiriert.“

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1. Acrylglasbild „Wolf in the City“ von Juniqe, 2. Weicher Übergangsmantel von Vila, 3. Filzhut von Topshop, 4. Smartphone-Hülle aus Leder von Mabba, 5. Parfüm von Stella McCartney, 6. Ankle Boots von Steve Madden, 7. Seidenkleid von D.Efect.

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