Foto: Carolin Weinkopf (www.carolinweinkopf.de)

Close Up: Lisa

Im Netz ist Lisa Rank eine ziemliche Größe. EDITION F hat die Autorin besucht und mit ihr über Bauchgefühl und das Streben nach Gleichgewicht gesprochen.

 

Auf der Suche nach der realen Welt

Lisa Ranks Bekanntheit basiert vor allem auf einer Tatsache: Sie kann das wirklich, mit dem Schreiben. Ihre Texte sind sperrig, feinfühlig und sie berühren, ohne kitschig zu sein. Über die Jahre hat sich der Onlineerfolg auch beruflich ausgezahlt. Wer Lisa Rank googelt, findet ihr Profil in jedem sozialen Netzwerk. Lisa ist überall, und ihr digitales Image ist professionell, authentisch und unaufgeregt.

Sie ist 29, hat Publizistik und europäische Ethnologie studiert und über die Jahre in verschiedenen Agenturen mit Schwerpunkt Soziale Medien gearbeitet. Inzwischen berät sie freiberuflich Menschen und Unternehmen in Sachen digitale Kommunikation. Aber damit nicht genug: Lisa hat als Autorin zwei Romane veröffentlicht (der dritte ist in Planung) und schreibt immer mal wieder Texte für Magazine und Anthologien, sie bloggt auf lisarank.de und macht Fotos, die sie auf ihrem Blog und bei Instagram veröffentlicht.


Sieht man Lisa vor sich, wirkt sie bodenständig. In Berlin ist sie geboren und aufgewachsen und bis auf einen kurzen beruflichen Abstecher nach Hamburg auch immer geblieben, aber noch nicht wirklich sesshaft geworden. Vor ein paar Wochen erst hat sie ihre neue Wohnung in Kreuzberg bezogen. Es riecht noch nach frischer Farbe, aber das Bücherregal in einer Nische in der Wand platzt bereits aus allen Nähten, in jedem Zimmer blühen Blumen und die Sonne wirft helle Streifen auf dem Dielenboden. Hier schreibt sie fast täglich über die kleinen und großen Dinge, die ihr Leben bewegen.

Ihr Blog ist eine Sammlung literarischer Anekdoten, ausladend und detailverliebt, sehr persönlich, aber nie privat. Sie weiß mittlerweile besser als früher, was sie aufschreibt und auch, was es wert ist, nicht geschrieben zu werden. Der Grat ist schmal zwischen einer omnipräsenten Onlinepersönlichkeit und der eigenen Privatsphäre, aber Lisa möchte sich mehr denn je eine „reale Welt“ erhalten, die nur ihr gehört. Während das Internet ihr geholfen hat, dort hin zu kommen, wo sie ist, hat sie sich doch nie darin verloren.

Karriere-Bloggerin

Ihre Karriere schiebt Lisa auf ihr Bauchgefühl. Statt ein Turbostudium in Rekordzeit hinzulegen und ein Praktikum nach dem anderen zu absolvieren, hat Lisa schon früh Schwerpunkte außerhalb des Hörsaals gesetzt: frei publiziert, gearbeitet, nur ein Praktikum gemacht, aber dafür Leute kennengelernt und fast nebenbei immer gebloggt.

Sie hat sich vorgenommen, nichts zu bereuen sondern aus allem, was passiert, etwas mitzunehmen und sich von den Erfahrungen anschieben zu lassen. Heute weiß sie auch, dass vieles, was ihr mit Anfang 20 so erstrebenswert erschien, in der Realität gar nicht so wünschenswert ist. Sie ist gelassener geworden, und weil sie viel gerannt ist, möchte sie nun lieber flanieren.

Für das, was Lisa macht, hat sie keine Gebrauchsanweisung in der Tasche: „Die Dinge sind irgendwie passiert“, sagt sie. Wenn das Gefühl nicht stimmt, dann justiert Lisa neu. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, aber manchmal braucht es eben einfach einen plötzlichen Umzug oder einen radikalen Jobwechsel. Einen wirklichen Alltag gibt es seit der Selbstständigkeit in Lisas Leben noch nicht. Wenn sie nicht fest für ein Projekt gebucht ist, versucht sie, den klassischen 9-to-5 Tag zu ihren Gunsten aufzubrechen, arbeitet lieber mittags und am späten Abend, und nutzt ihr Nachmittagstief für kreativen Input oder einfach zum Entspannen. Zum Schreiben braucht sie im Tag nach vorne heraus Platz, da darf kein Termin dazwischen funken und auch nicht zu viel auf ihren Schultern lasten, dann erst fluppt es. Beim Konzepten hingegen helfen ihr Deadlines, ein Team und eine gewisse Portion Druck. Am Wochenende schläft sie gern aus, isst gut und verbringt Zeit mit ihren Lieblingsmenschen.

Das Arbeitsgleichgewicht

Denn neben allem Arbeitskram, der bei Lisa häufig auch fließend in die Freizeit übergeht, sind ihr Freunde und Familie das Allerliebste. Sie glaubt, dass sie nur zufrieden sein kann, wenn sie die Arbeit nicht so wichtig nimmt, bei sich bleibt und das Leben dabei nicht vergisst – „Das war mal anders“, sagt sie. Ihre Nischen hat sie offenbar gefunden, sie kann gerade gut davon leben und hofft, dass das noch eine Weile so weitergeht. Mehr Kontinuität wünscht sich Lisa ohnehin. „Nur, dass das eben nicht Festanstellung bedeuten muss, sondern vor allem eines: Gleichgewicht.“

Lisa im Internet

Blog: lisarank.de

Facebook: facebook.com/elisabethrank

Instagram: @lisagoldfish

Twitter: @kumullus

Lisas Bücher

Elisabeth Rank, „Und im Zweifel für dich selbst“, Suhrkamp Nova, 2010

Elisabeth Rank, „Bist du noch wach?“, Berlin Verlag, 2013

Bilder: Carolin Weinkopf (carolinweinkopf.de)

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