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Warum meine Tochter die Welt verändert

Ein Vater schreibt über den Zauber, seine Tochter auf ihrem Weg zu begleiten.

 

Frauen ringen um Freiheit, Gleichheit, Wertschätzung

Die Erziehung meiner Tochter ist für mich eines der schönsten Dinge in meinem Leben. Sie ein Leben lang zu begleiten und auf ihrem Weg beizustehen ist ein unheimlich kostbares Geschenk. Überall auf der Welt ringen Frauen um ihr Recht auf Freiheit, Gleichheit und Wertschätzung. Wir leben auch im Jahr 2015 in einer vom männlichen Chauvinismus geprägten Welt: Gesellschaften unterschiedlichster Kulturen sind nicht bereit, eine vollständige Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu ermöglichen. In manchen Ländern geht es um Grundrechte wie Bildung und politische Partizipation, anderswo sind es Themen wie die ungerechte Entlohnung von Männern und Frauen und Karrierechancen, die Frauen bewegen.

Ich glaube, die Geburt einer Tochter verändert einen Mann schlagartig. Ich sehe mich selbst als Feministen, wenn es um die leidige Geschlechterdebatte geht. Ich hab es satt, mich mit Gedankenwelten zu beschäftigen, die von fadenscheinigen und grotesken Argumenten getrieben sind. Im Jahr 2015 sollte die Gleichberechtigung keine Herausforderung sein, sondern unumstößliche Realität. Erst in dem Moment, in dem ein Vater zum ersten Mal seine Tochter in den Händen hält und sie ihn anblickt, versteht ein Mann, welche Verantwortung und Bürde er in den folgenden Jahren zu tragen hat. Und nein, ich meine damit nicht das absurde Stereotyp, dass Mädchen schutzbedürftiger seien als Jungs. Das sind sie definitiv nicht.

Mädchen müssen nicht beschützt werden

Väter stehen in der Schuld ihrer Töchter von dem Tag an, an dem sie geboren werden. Es ist ihre Verantwortung, die jungen Frauen in einer von Männern dominierten Welt zu unterstützen.

Um die Welt zu verändern, muss ein Vater seiner Tochter beibringen, dass nicht ihr Körper, sondern ihr Geist ihr stärkstes Kapital ist. Sie braucht ein Selbstbewusstsein, das stark sein muss, um die Herausforderungen einer Machismo-Gesellschaft zu meistern. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass politisch erfolgreiche Frauen wie Margaret Thatcher oder die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir oft männliche Verhaltensmuster kopierten, um zu zeigen, dass sie führen können.

Fünf Tage nach der Geburt wieder arbeiten?

Bis heute müssen Frauen sich ständig beweisen. Kein Mann muss das in gleichem Maße. Ein für mich schockierendes Beispiel ist die französische Politikerin Rachida Dati. Die ehemalige Justizministerin erklärte bereits vor der Geburt ihrer Tochter, dass sie nicht plane, nach der Geburt kürzer treten zu wollen (fünf Tage nach der Geburt erschien sie tatsächlich wieder zur Arbeit, als sei nichts gewesen). Warum in alles in der Welt glaubt eine Frau, sich so verhalten zu müssen? Kein Mann auf der Welt ist in der Lage, ein Kind auf die Welt zu bringen – und wenn doch, dann würde er nicht im Traum daran denken, so etwas zu sagen. Der Grund liegt für mich auf der Hand: Eine Frau sieht sich gezwungen, klar Härte zu zeigen, um ihrem Arbeitsumfeld Genüge zu tun. Ein schwerwiegender Komplex, der meiner Meinung nach in einer modernen Weltanschauung nichts zu suchen hat.

Wir Väter sollten unsere Verantwortung erkennen und unseren Beschützerinstinkt zurückhalten. Wir sollten unsere Töchter motivieren, nach den Sternen zu greifen und jede Hürde im Leben zu meistern. Väter sollten ihren Töchtern nicht bloß sagen, dass sie die Welt verändern können. Sondern sie ermutigen, auf dass sie die Welt wirklich verändern.

Karim Saad ist Vater einer einjährigen Tochter und bloggt zu kulturpolitischen Themen.

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