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Frauen bekommen selten ein ehrliches Feedback von Vorgesetzten – und das wird zum Problem!

Wie zufrieden ist mein Chef mit meiner Leistung? Frauen können sich dabei offensichtlich nicht sicher sein – denn wie sich zeigt, bekommen sie seltener ein ehrliches Feedback für ihre Arbeit. Das beginnt schon in der Schule und ist ein Zustand, der über kurz oder lang negativ auf die Karriere ausstrahlt. Wie es dazu kommt, dürfte keinen überraschen.

 

Kleine Lüge, große Wirkung

Es ist nicht leicht, negatives Feedback zu erhalten. Noch schwieriger ist für viele Menschen, ehrliches und damit eben auch mal negatives Feedback zu geben. Untersuchungen haben ergeben, dass Vorgesetzte deshalb dazu neigen, ihr Feedback ganz zurückzuhalten oder abzuschwächen. In der englischen Sprache nennt man diese Form der nett gemeinten Notlüge White Lie”.

Dr. Lily Jampol, Dozentin an Londons Queen Mary University hat in ihrer Forschungsarbeit „Gendered White Lies” belegt, dass Frauen deutlich seltener ehrliches Feedback erhalten, als Männer. Für ihre Untersuchung wurden Probanden zuerst gebeten, anonyme Arbeiten zu bewerten. In einer zweiten Versuchsrunde wurden den Arbeiten Namen – und damit ein Geschlecht – zugeteilt. Die Probanden wurden nun geben, ihre Bewertungen persönlich weiterzugeben, wobei die Frauen bis zu 15 Prozent besser abschnitten als in der vorherigen, anonymen Bewertung. Mehr noch, Jampol konnte belegen, dass diese Differenzierung unbewusst geschieht. Ein klassischer Fall von Unconscious Bias.

Bevormundung führt zu Benachteiligung

Man könnte argumentieren: Hey, in diesem Fall fällt es wenigstens mal zugunsten der Frauen aus. Aber eben nur scheinbar. Denn Frauen werden vor allem deshalb besser bewertet, weil man ihnen nicht zutraut, Kritik einstecken zu können. Sie haben den Ruf empfindlicher zu reagieren als Männer. Das bestätigt auch Feedback-Expertin Claudine Petit in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Männer beziehen Kritik gerne auf ihr Umfeld, sagt sie. Also doofer Chef, schlechtes Briefing, zu wenig Zeit. Frauen dagegen, suchen die Fehler meist bei sich selbst, was oft zur Folge, dass Frauen sich beruflich zu wenig zutrauen.

Vorgesetzte, insbesondere männliche, haben zusätzlich das Gefühl, Frauen vor unangenehmen Situationen schützen zu müssen. Diese – wenn auch vielleicht wohlwollende – Bevormundung hilft nur leider nicht. Im Gegenteil: Sie führt dazu, dass Frauen die Chance verweigert wird, sich weiterzuentwickeln. Darüber hinaus laufen sie Gefahr, eine verfälschte Selbstwahrnehmung zu entwickeln. Damit ist niemandem geholfen. 

Unsere Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Agiles, kollaboratives Arbeiten und flache Hierarchien erfordern einen professionelleren und konsequenteren Umgang mit Feedback. Immer öfter verlangen auch Vorgesetzte ehrliche Einschätzungen und Rückmeldungen von ihren Mitarbeitern. Und diese Chance sollten wirklich alle nutzen. 

Das bedeutet: Frauen wie Männer müssen ihr Feedbackverhalten anpassen, um sich in der Unternehmenswelt zu behaupten. Sowohl beim Geben, als auch beim Nehmen. 

Drei gute Tipps für eine bessere Feedbackkultur

Dr. Lily Jampol hat drei wichtige Tipps für eine erfolgreichere Feedbackkultur:

1. Bitten Sie als Mitarbeiter explizit um aufrichtiges Feedback: Vorgesetzte fühlen sich so weniger unter Druck, nett statt ehrlich zu sein. Außerdem können Vorgesetzte die Thematik in Feedbackgesprächen selbst aufgreifen.

2. Verbinden Sie Feedback mit übergeordneten Zielen: Vorgesetzte sollten sich an den Unternehmenszielen orientieren und den Feedbackprozess als elementares Werkzeug sehen, diese Ziele gemeinsam zu erreichen.

3. Schulen Sie Manager im Geben von Feedback: Es scheint, dass Vorgesetzte, die bereits routinierter im Geben von Rückmeldungen sind, tendenziell weniger Bias zeigen. Es lohnt sich also, Feedbackgespräche zu üben, zu simulieren, Schulungen zu ermöglichen. Je häufiger sie sich in Feedback Situationen befinden, desto leichter fallen unvoreingenommene Rückmeldungen an Mitarbeiter.

Hier spricht Dr. Lily Jampol beim Google Event „re:Work“ zum Thema  „The dark side of white lies“ 

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