Foto: Tom Pumford | Unsplash

Meinen oder deinen? Ist es unfeministisch, den eigenen Nachnamen aufzugeben?

Sara ist seit Kurzem verheiratet und erzählt, wie sie entschieden hat, ob sie den Namen ihres Partners annimmt – und ob eine feministische Perspektive dort zählte.

 

Den Namen ändern oder nicht

Ich habe vor Kurzem geheiratet. Die Frage, die mir oft vor der Hochzeit gestellt wurde: Behälst du deinen Namen? Vor zehn, zwanzig Jahren hätte das vermutlich gar nicht zur Diskussion gestanden. Da war klar: In heterosexuellen Beziehungen nimmt die Frau den Namen des Mannes an. Egal, ob frau danach statt „Sonnenschein“, „Kryzinzikomski“ heißt oder einen Nachnamen bekommt, der sich mit ihrem Vornamen schlimm beißt. Insofern freute ich mich über die freie Entscheidung.

Am 1. April 1994 trat das neue Familiennamensrechtgesetz in Kraft. Seitdem müssen sich Verlobte nicht mehr für einen gemeinsamen Ehenamen entscheiden und können  gleichberechtigt darüber diskutieren, wie sie nach der Trauung heißen möchten. Über 90 Prozent entscheiden sich dabei für den Namen des Mannes. 

In meinem Umfeld gibt es viele Frauen, die ihren Namen behalten haben. Das liegt daran, dass die meisten die 50er Jahre weit hinter sich gelassen haben, sich im Beruf im wahrsten Sinne des Wortes einen Namen gemacht haben und diesen nicht eintauschen wollen und/oder den Namen als Teil ihrer Identität empfinden. Das kann ich nachvollziehen. Mein Blog heißt nunmal sarawesterhaus.com und kann auch nicht einfach umbenannt werden. Wenn man „Sara Westerhaus“ googelt, findet man alle Artikel, die ich in den letzten Jahren – fast Jahrzehnten – geschrieben habe. Warum sollte ich das aufgeben? Und ist das nicht unfeministisch?

Setzt der Mann sich öfter durch?

Einige Freundinnen und Bekannte nahmen nach der Hochzeit den Namen des Mannes an, obwohl sie als Familiennamen eigentlich ihren Namen lieber gehabt hätten. In diesen Fällen war es dann aber fast immer der Mann, der dagegen war („Weil man das eben so macht“). Manche nahmen den Namen auch selbst einfach so an, ohne groß darüber nachzudenken. Beides finde ich sehr schade.

Neben der Statistik und den Erfahrungen im Freundeskreis zeigt auch die Recherche in Foren: Wirklich angekommen ist die Gleichberechtigung in den Köpfen noch nicht. Und das gilt auch für Frauen, die es als „unmännlich“ ansehen, wenn der Mann den Namen der Frau annimmt:Bildschirmfoto 2017-08-17 um 08.11.01 

Warum dann #FrauFlieder?

Persönlich kann ich nur sagen, dass ein „neuer“ gemeinsamer Familienname für mich den Schritt in eine eigene Familie deutlich macht, deswegen bin ich für den gleichen Nachnamen. In meinem Fall gewann der Name des Mannes, weil er a) einfach schöner ist und b) weil außer mir und meinem Vater niemand in der Familie meinen alten Namen trägt (wegen neuer Ehen und weil ich Einzelkind bin). Ich fand es aber auch etwas mühsam, dass ich das vor meinen feministischen Freund*innen rechtfertigen musste, denn die Entscheidung war lange überlegt und hatte ja gute Gründe.

Wie ist es nun, ein paar Wochen mit dem neuen Namen? Es ist schön, aber auch neu und ungewohnt. Am Telefon melde ich mich regelmäßig mit: „Sara Westerhaus, äh, Flieder.“ Beim Schreiben läuft es nur wenig besser:

Dazu kommt, und das ist wirklich noch viel nerviger, als ich dachte: Man muss alle Ämter, Versicherungen, Ärzte, Banken, Vermieter usw. anschreiben. Die brauchen teilweise noch Bescheinigungen unterschiedlichster Art. Insgesamt hat es mich viele Anrufe, Briefe, Recherche, Mails und Nerven gekostet, bis alles umgestellt war. (Ironischerweise war das vermutlich früher weniger anstrengend, weil da nicht die Frau den ganzen Papierkram mit Banken und Wohnung gemacht hat …)

Nun bin ich damit aber fast durch und freue mich über den neuen Familiennamen.  Flieder scheint mein Umfeld jedoch fast noch mehr zu begeistern als mich. Während ich damit eher die Hochzeit verbinde, werden vor allem meine Kolleg*innen sehr kreativ.

Vorgeschlagene Babynamen, obwohl gar kein Baby im Anmarsch ist: Jasmin, Rosa, Flora, Lila.

Wortwitze: Flieder, Freude, Eierkuchen. Fliederwochen. Die Fliedders.

Mögliche alternative Berufe: Groschenroman-Figur, Kinderbuchautorin, und, na klar: Floristin.

Dieser Text ist zuerst auf Saras Blog erschienen. Wir freuen uns, dass sie ihn auch  hier veröffentlicht, um mit euch darüber zu diskutieren.

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