Foto: Idea Saras I Flickr

Die große Angst vor dem Versagen

Jeden Gründer treibt eines wohl immer mal wieder um: Die Angst zu Versagen. In unserer Gründerkolumne schreibt Nora, wieso wir EDITION F gewagt haben.

 

Der Abschied von der Sicherheit

Es mag abgedroschen klingen, aber es ist wahr. Immer wieder ließ ich mir vor der Entscheidung zu Gründung die von Sheryl Sandberg gestellte Frage in ‚Lean in’ durch den Kopf gehen: „Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?“ Die Antwort: Gründen. Doch etwas hielt mich davon ab. Die Angst zu Versagen. Zu Scheitern. Aufgeben zu müssen. Und damit etwas zu verlieren, dass mir wichtig war: Anerkennung und Sicherheit.

Noch nie habe ich einen Job so gerne gemacht wie den bei Gründerszene, den Job den ich aufgab um EDITION F zu machen. Ich hatte viele Freiheiten, konnte mich einbringen, hatte das Gefühl etwas zu erreichen, Teil von etwas zu sein, etwas aufzubauen. In den 2,5 Jahren als ich Redaktionsleiterin bei Gründerszene war, wurden mir selbst kaum Fragen gestellt. Nur eine Frage tauchte immer wieder auf in Interviews mit Gründern: „Willst du irgendwann einmal selbst gründen?“

Immer wieder gab es die gleiche Antwort. „Ich fühle mich wie ein Entrepreneur, ich bin glücklich, kann selbst vieles aufbauen.“

Das war einerseits richtig, aber genau genommen nur eine halbe Wahrheit. Am Ende lag die Entscheidung nicht bei mir, am Ende konnte ich die Strategie nur bedingt mitgestalten, am Ende war die Vision nur bedingt meine. Und wenn ich richtig ehrlich zu mir war, hatte ich einfach nur große Angst vor dem Versagen.

Doch wieso die Angst vorm Scheitern?

Das Scheitern Teil der Digitalwirtschaft ist, wird spätestens mit dem Blick auf die üblichen Venture-Capital-Rechnungen deutlich. Üblicherweise gehen Investoren davon aus, dass nur drei von zehn Startups wirklich erfolgreich werden. Wirklich viel Geld durch einen Exit gibt es vielleicht sogar nur bei einem von zehn Startups.

2013 tauchte in der deutschen Startup-Szene plötzlich ein neuer Trend auf. Es war ok zu Scheitern, fast schon wurde es Teil des guten Tons. Immer hatten Gründer ein oder zwei Anekdoten vom kleinen Scheitern im Petto. Es wurden Artikel darüber geschrieben, wie gut Scheitern ist. Sogar eigene Konferenzen wie die FailCon widmeten sich dem Thema. Kein Wunder. War es doch in den USA, da wo die großen Startups gemacht werden, Gang und Gäbe, dass Gründer bis zu acht Anläufe wagen, bis sie zum ersten Mal richtig erfolgreich sind. Große Investoren würden sogar lieber in Gründer investieren, die schon einmal negative Erfahrungen gemacht hätten, so erzählen es sich Gründer. Erfolgreich werden Gründer, die schon einmal erkannt hatten, dass niemand ihr Produkt wollte, das Team nicht passte oder sie auf schlechten Rat nicht hören sollten.

Gründen in Sicherheit?

Meine Angst vor dem Scheitern blieb. Meine Idee: Bereits vor der Kündigung das Geschäftsmodell entwickeln, erste Investoren überzeugen, vielleicht sogar online gehen. Geschlagene zwei Wochen planten meine Mitgründerin Susann und ich, neben dem Job zu gründen. Drei Gespräche überzeugten mich dann, dass das eine Unmöglichkeit ist.

  1. Das Gespräch mit Susann: Susann und ich hatten ständig das Gefühl uns zu zerreißen. Wir machen beide unsere Jobs lieber zu 150 Prozent. Und hatten ständig das Gefühl dieser Überzeugung nicht mehr gerecht zu werden.
  2. Das Gespräch mit meinem Chef Mark: Mark unterstützte mich in der Idee zu gründen und gab wahrscheinlich den Ausschlag für mich, dass ich EDITION F gewagt habe. Er machte mir klar, dass das Risiko immer das gleiche bleiben würde und sich eher noch vergrößern würde, wenn ich mich nicht auf mein Unternehmen konzentrieren würde.
  3. Das Gespräch mit meinem guten Freund Caspar: Freunde sind Gold wert beim Gründen. Sie machen dir immer mehr Komplimente, als du eigentlich verdient hättest. Das ist aber nur eine Seite. Caspar fragte mich etwas, dass ich nie vergessen werde: „Was ist das Schlimmste, was dir passieren könnte?“ Als ich mir diese Frage stellte, schien plötzlich alles gar nicht mehr so dramatisch.

Die Kunst des Scheiterns

So begann die Reise von EDITION F und Susann und mir. Wer gründet vertraut in seine Qualifikation. Die Idee, die Susann und ich hatten, deckt sich zu 100 Prozent mit unserer Leidenschaft. Und plötzlich war die Angst vor dem Scheitern unbedeutend.

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