Foto: Andi Weiland | Theater RambaZamba

Hieu Pham: „Wir sollten mehr Geld bekommen”

Beim Theater Rambazamba zeigt Hieu Pham ihr schauspielerisches und musisches Können auf der Bühne. Davon leben kann sie nur, weil sie noch bei ihren Eltern wohnt. Ein Interview über Ungerechtigkeit und Zukunftswünsche.

Hieu Pham ist Schauspielerin, Tänzerin und Musikerin mit Lernschwierigkeiten. Seit 2012 ist sie Ensemblemitglied des Rambazamba Theaters in Berlin – über die VIA Blumenfisch Werkstatt – und tritt regelmäßig in Produktionen auf.

Wann hast du gemerkt, dass du Interesse an der Schauspielerei hast?

Hieu Pham: „Während meiner Schulzeit war das. In der Schule war ich in der Schwarzlichttheater-AG, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, bei zwei Schülerpraktika in Schauspiel-Werkstätten Erfahrung zu sammeln. Die Praktika dauerten zwei bis vier Wochen.“

Gab es Menschen, die dich auf deinem Weg in die Schauspielerei unterstützt haben?

„Meine Eltern haben mich unterstützt und mir den Rücken freigehalten. Und hier im RAMBAZAMBA-Theater gibt es sehr viele Menschen, die mir helfen und mich betreuen. Wir sind hier ein starkes Team.“

Gibt es oder gab es denn für dich Vorbilder, zum Beispiel irgendwelche Hollywood-Schauspieler*innen, zu denen du aufgeschaut hast?

„Nein. Ich finde auch nicht, dass man diese Hollywood-Stars mit dem vergleichen kann, was wir hier machen. Hollywood ist Film und ich stehe hier als Schauspielerin im Theater auf der Bühne. Wir sind Schauspieler*innen mit Behinderung. Wir im RAMBAZAMBA sind keine Stars – wir sind normal.“

Spielt die Behinderung in den Stücken von euch eine Rolle?

„Die Behinderung sollte egal sein. Wir bekommen Gutes, Positives für unsere Aufführungen zu hören. Und dabei spielt es auch keine Rolle, dass wir Schauspieler mit Behinderung sind. Übrigens auch für mich und meine Rollen und auch untereinander mit den anderen Schauspielern nicht.“

Kannst du von der Schauspielerei leben?

„Wir bekommen in der VIA Blumenfisch Werkstatt nicht so viel Geld. Weniger als andere Schauspieler. Ich kann aber davon leben, da ich noch bei meinen Eltern wohne. Dort helfe ich dann im Haushalt mit.“

Findest du das ungerecht?

„Ich finde schon, dass wir mehr bekommen sollten. Aber man kann das RAMBAZAMBA Theater jetzt auch nicht mit anderen Theatern vergleichen. Bei uns gibt es auch Fahrdienste, die uns hin und wieder zurück bringen. Oder dass Assistenten vor Ort sind. Die Organisation hier ist ganz anders.“

Was muss passieren, damit mehr Menschen mit Behinderung zu Theaterveranstaltungen gehen können?

„Die Theater in Berlin müssen barrierefreier werden. Dann können auch Menschen im Rollstuhl sich die Stücke anschauen. Beim Popkultur Festival gab es viele verschiedene Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung. Das hat gut geklappt.“

Gibt es – neben dem Schauspiel – noch andere künstlerische Tätigkeiten, die du machst?

„Ich tanze sehr gerne und mache Musik. Ich singe in der Band 21Downbeat und spiele dort auch Schlagzeug. Nicht beides gleichzeitig, aber abwechselnd. Wir sind sechs Schauspieler hier aus dem Theater. Zwei davon haben das Down Syndrom. Unterstützt werden wir von Leo Solter, der die Stücke komponiert und mit uns probt.“

Welche Wünsche für die Zukunft hast du?

„Ich würde gerne Regie machen. Das interessiert mich und da würde ich mich persönlich auch weiterentwickeln. Letztes Jahr habe ich einem Schauspielkollegen schon zugucken können, wie er mit anderen ein Stück aus der Nibelungen-Geschichte geprobt hat. Das hat er sehr gut gemacht.“

Kannst du dir auch vorstellen, Auftritte abseits des Rambazamba-Theaters zu haben?

„Regie würde ich erstmal gerne hier ausprobieren. Als Schauspielerin kann ich mir das sehr gut vorstellen. Ich bin durch das Schauspiel viel selbstbewusster und mutiger geworden. Ich probiere gerne neue Sachen aus. So habe ich zum Beispiel auch schon zwei kleine Auftritte in den Filmen „Ghost Dance“ und „24 Wochen“ gehabt. Mit unserer Band 21Downbeat haben wir auch schon einige Auftritte auf Festivals gehabt, zum Beispiel auf dem Popkultur Festival, bei der Fusion oder in der Berghain Kantine.“

Das Interview ist gemeinsam mit Diversity Arts Culture für die Reihe „Behinderung im Spielplan – Zugänge in den Kulturbetrieb“  bei unserer Kooperationspartnerin Die Neue Norm entstanden.

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