Foto: WDR/Annika Fußwinkel

Mädelsabende: Dieser Instagram-Account will ein geschützter Raum ohne Tabu-Themen sein

Sie machen Stories über Beziehungen, Zukunft und Pizza, sprechen über gesellschaftspolitische Themen und mischen sich in aktuelle Debatten ein. Mit dem Format „Mädelsabende“ wollen Farah, Clare und Naina aufklären, informieren und diskutieren – wie funktioniert das auf Instagram?

 

Ein „Mädelsabend“ sieht anders aus

Denkt man an einen klassischen „Mädelsabend“, wie er in zig Filmen gezeigt wird, kommt man nicht an Beauty-Sessions, Nagellack und dem gemeinsamen Gucken einer romantischen Komödie bei einem Gläschen Prosecco vorbei. Mit diesen Klischees spielen Farah, Clare und Naina auf ihrem Instagram-Account „Mädelsabende“. Das junge Format des WDR behandelt diverse Themen für eine junge Zielgruppe. In den Stories und Postings geht es jede Woche um einen anderen Themenschwerpunkt, wie etwa Schwangerschaft, Rassismus oder Ernährung. Wir haben die „Mädels“ gefragt, wie sie ihre Abonnent*innen mit journalistischen Inhalten auf Instagram erreichen. Farah, Clare und Naina erzählen, was sie über ihre Generation denken, wo sie ihre Inspiration finden und warum es so wichtig ist, Instagram als journalistisches Medium zu nutzen.

„Mädelsabende“ klingt zunächst einmal sehr nach Klischee, inhaltlich bewegt ihr euch in eine ganz andere Richtung. Warum habt ihr euch ausgerechnet für diesen Namen entschieden?

Clare: „Für uns ist ein Mädelsabend etwas sehr intimes, ein geschützter Raum,
in dem wir mit Freundinnen und Freunden über Themen sprechen, die uns bewegen, die uns wichtig und vielleicht sogar manchmal ein bisschen peinlich sind. Und genau so einen Raum wollen wir auch bei Instagram mit unserer
Community schaffen. Wir wollen zeigen, dass ein Mädelsabend mehr als rosa, Glitzer und ,wir lackieren uns zusammen die Fingernägel‛ ist – wobei das natürlich auch völlig okay wäre.“  

„Als ich jünger war, hätte ich mir jemanden gewünscht, der offen über Themen wie sexuelle Orientierung oder Depressionen redet.“

In den Stories zeigt ihr auch sehr persönliche und intime Einblicke aus eurem Leben. Wo zieht ihr eine Grenze zu eurer Privatsphäre?

Naina: „Für mich gibt es da keine Tabuthemen. Ich hätte mir, als ich jünger war, jemanden gewünscht, der*die offen über Themen wie sexuelle Orientierung oder Depressionen redet. Wir sind damit auch viel authentischer, weil wir unser eigenes Ding da mit reinbringen und wie eine Freundin für die User*innen sind. Sie erzählen uns die privatesten Geschichten und das geben wir zurück. Mich freut das auch total, wenn ich mit meiner persönlichen Erfahrung jemandem helfen kann.“ 

„Wir möchten zeigen, dass es mehr Themen gibt, über die es sich zu reden lohnt.“ 

Mit eurem Angebot setzt ihr einen Gegenpol zu vielem, was sonst auf Instagram passiert. Was wollt ihr mit eurem
Format erreichen – und was nicht?

Clare: „Wir wollen zeigen, dass Instagram nur ein kleiner Ausschnitt der Realität ist. Oft gucke ich durch meinen privaten Feed und denke mir: Wow, sind die jungen Frauen alle perfekt. Sportlich, immer die neuesten stylischen Outfits, glückliche Beziehungen, tolle Urlaube… Aber ist das wirklich die Realität? Nein! Das heißt nicht, dass das alles furchtbar und schlecht ist. Es sind ja auch oft wirklich tolle Bilder. Aber wir möchten zeigen, dass es mehr Themen gibt, über die es sich zu reden lohnt. Wir wollen zuhören, aufklären, informieren und diskutieren. Und auf keinen Fall Instagram verteufeln.“ 

Welche Kritik, die an euch herangetragen wird, trifft euch? Und mit welcher könnt ihr ganz gut leben?

Clare: „Hin und wieder bekommen wir Nachrichten, dass wir in Stories nicht richtig gendern oder nicht inklusiv sind. Das nehmen wir uns wirklich zu Herzen und versuchen an uns zu arbeiten. Wir entwickeln uns da mit jeder Themenwoche weiter und sind sehr dankbar für Kritik und Tipps aus der Community. Wenn Kritik aber unkonstruktiv und beleidigend ist, dann trifft das im ersten Moment schon. Zum Glück kommt das aber nicht oft vor.“ 

Welche Themen interessieren eure Zielgruppe in erster Linie? Bei welchem Thema gab es bisher die meisten Reaktionen?

Farah: „Unsere Zielgruppe interessiert insbesondere Themen rund um Liebe, Beziehung und Sex, aber die meisten Reaktionen gab es unter anderem auf unsere Themenwochen über Abnehmen und Endometriose. Bei letzterem ist es einfach ein Thema, worüber noch viel zu wenig geredet wird und wo mittlerweile eine Online-Community entstanden ist, die sich für Aufklärung einsetzt.“


Die jungen Frauen haben das Potential von Instagram erkannt. Quelle: WDR/Annika Fußwinkel

Wenn man sich euren Feed ansieht, springt einem eine große Vielfalt an Formaten entgegen. Da gibt es Interviews, Listicles und How-tos. Welches Format kommt am besten an?

Clare: „Oft sind es unsere meinungsstarken Kommentare – wenn es zum Beispiel um die ,Tamponsteuer‛ oder um Homosexualität geht. Da merke ich, dass das in vielen etwas auslöst, sei es ,ach krass, das wusste ich gar nicht oder ein ,sehe ich nicht so, weil…‛. Aber auch die Stories, in denen wir etwas erleben, kommen
super an. Zum Beispiel als ich die Menstruationstasse getestet habe.“ 

Wo findet ihr die Inspiration für eure Themenwochen? Sind das vor allem Themen, die euch persönlich betreffen oder gibt es auch Input von außen, bestimmte Themen zu besprechen?

Farah: „Die Inspiration kommt aus verschiedensten Ecken: Natürlich sind es oft Sachen, zu denen wir selbst einen Zugang haben, manchmal sind es aktuelle Themen, die uns beschäftigen. Wir bekommen aber auch super viel Input von unseren Abonnent*innen, die uns Themenvorschläge schicken. Endometriose und Verhütung kamen zum Beispiel aus der Community.“

Was sind für euch persönlich die negativen Seiten an der Arbeit mit Social Media?

Farah: „So ein Projekt nicht im Fernsehen, sondern auf Instagram umzusetzen, hat viele Vorteile, wie das direkte Feedback der Zuschauer*innen. Wir hatten bisher auch kaum Probleme mit Hasskommentaren, nur unter einem alten Post in unserer Themenwoche ,Religion‛ über das Judentum gab es die. Das waren dann aber auch keine Leute aus unserer Community, sondern Menschen, die über die Hashtags solche Beiträge finden, um dann dort ihren Hass zu verbreiten. Das frustriert dann schon, auch wenn wir das natürlich nicht hinnehmen und dort dann, je nach Inhalt, antworten oder im Extremfall auch den Kommentar löschen.“

Gibt es ein Thema, das ihr für total dringend haltet, von eurer Community aber eher ignoriert wird?

Farah: „Es gab durchaus Themen, die wir für wichtig halten, uns aber nicht sicher sind, wie gut diese ankommen. Bisher haben wir dabei aber immer gute Erfahrungen gemacht und Feedback bekommen wie: ,Eigentlich hat mich das Thema eher abgeschreckt, aber jetzt fand ich es doch total spannend!‛. Das kam zum Beispiel beim Thema ,Rassismus im Alltag‛ öfter vor.

Wie bleibt ihr selbst auf dem Laufenden, informiert euch, findet die Themen, die im Moment die Gesellschaft und eure Abonnent*innen bewegen?

Naina: „Viele Ideen kommen aus der Community und sonst setzen wir einfach auf viele Themen, die uns selbst bewegen. Wir sind ja auch im Alter unserer User*innen und können so auf Augenhöhe und direkt kommunizieren. Wir beantworten auch wirklich jede Nachricht persönlich und es gibt fast in jeder Themenwoche Aspekte, die wir nicht bedacht haben und wo wir selbst auch noch etwas lernen. Das greifen wir dann gerne auf.“

„Seid selbstbewusst und habt keine Angst, eure Meinung zu sagen.“

Es ist ja immer schwierig, pauschale Aussagen über die „Mädels“ einer Generation zu treffen. Ihr habt euch aber viel mit diesem Thema beschäftigt: Welchen Rat würdet ihr jungen Frauen geben?

Clare: „Ich glaube, viele junge Frauen aus meiner Generation sind viel stärker, viel offener als in den Generationen zuvor. Weil wir offen über Themen wie Homosexualität, Pornos, Diskriminierung, Schwangerschaften und Karriere sprechen. Damit das so bleibt, ist mein Rat: Seid selbstbewusst und habt keine Angst, eure Meinung zu sagen. Es ist euer Leben, euer Körper, ihr müsst nichts und habt immer die Wahl! Und ganz wichtig: Ihr müsst nicht immer gefallen. Es ist okay, wenn euch mal jemand ätzend findet.“ 


Farah, Clare und Naina stellen sich und ihre Arbeit bei „Mädelsabende“ vor. 

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