Foto: Kashi Grobe/Kashino Cinema and Sound

Taniesha Burke: „Eltern sollten Feedback liebevoll geben, statt ihr Kind zu beschämen“

Zu viel Loben ist schlecht, Schimpfen sowieso – wie gibt man Kindern eigentlich Feedback, das beflügelt statt runtermacht? Ein Interview mit der Elterntrainerin und Entwicklungspsychologin Taniesha Burke.

Dr. Taniesha Burke wurde in Kingston (Jamaika) geboren und ist mittlerweile in Berlin zuhause. Sie hilft Eltern auf ihrem Weg zu gesunden, resilienten und miteinander verbundenen Familien, und zeigt ihnen, wie sie ihr Elternsein mit Freude leben können. Sie arbeitet als Beziehungscoach für Eltern, ist zertifizierte Elternausbilderin und Entwicklungspsychologin. Sie arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit Kindern und Familien in der Karibik, den USA, Kanada und Deutschland. Taniesha hat an der University of Guelph in Kanada im Bereich Familienbezieungen und menschliche Entwicklung promoviert, und hat davor Psychologie an der University oft the West Indies studiert. Auf Instagram teilt sie ihr Know-How und spricht über Themen, die alle Eltern bewegen.

Im Interview mit uns spricht sie darüber, warum Strafen niemals eine gute Idee sind, warum Kinder heute nicht schwieriger sind als früher, und warum sich jede Familie unbedingt regelmäßig verabreden sollte.

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Kurz vor unserem Interview hat mein achtjähriger Sohn das Familien-iPad zerstört, weil er draufgetreten ist, nachdem ich ihn gebeten hatte, zum Pizzaessen in die Küche zu kommen. Nachdem ich mich zu Ihrer Arbeit belesen habe, klingt es so, als sei eine klassische „Zwei Wochen Bildschirmverbot und ein halbes Jahr kein Taschengeld“-Sanktion nicht so wirklich das, was Sie empfehlen würden, oder?

„Diese Geschichte ist tatsächlich ein perfektes Beispiel dafür, warum Strafe keine gute Strategie ist, um Kinder zu erziehen oder zu disziplinieren. Eltern müssen sich immer bewusst machen: Ein Kind, das schwieriges Verhalten zeigt, ist ein entmutigtes Kind. Als Menschen haben wir alle das Bedürfnis nach Verbindung und nach dem Gefühl, dazuzugehören. Wenn unsere Kinder nicht kooperieren und ein für uns schwieriges Verhalten zeigen, dann tun sie das, weil sie sich nicht mit uns verbunden fühlen, und als Eltern müssen wir herausfinden, woran das liegt.

Viele Eltern reagieren auf Fehlverhalten ihrer Kinder mit Bestrafung, aber Strafen sind nur ein kurzfristiges Mittel, um das Fehlverhalten zu unterbinden. Strafen bringen unseren Kindern nicht bei, wie ein akzeptables alternatives Verhalten aussehen könnte, und Strafen bringen unseren Kindern keine Kompetenzen bei, die sie im späteren Leben brauchen werden. Stattdessen erhöhen Strafen das Risiko dafür, dass die Kinder rebellisch werden, verbittert, Rachegefühle entwickeln oder sich zurückziehen. Disziplin wiederum lehrt unsere Kinder etwas und führt sie, und das sollte unser Ziel sein. Zurück zu unserem Beispiel: Ihrem Sohn das iPad zu entziehen und das Taschengeld auszusetzen, ist tatsächlich überhaupt kein sinnvoller Weg, um ihm Selbstregulation beizubringen und ihm einen gesunden Weg zu zeigen, um seine starken Gefühle auszudrücken. Das führt höchstens dazu, dass er womöglich noch destruktiver oder hinterhältiger wird, wenn er sich entmutigt fühlt.“

Ich war total sauer und habe gebrüllt, obwohl ich natürlich weiß, dass das überhaupt nichts bringt. Aber wie geht es besser?

„Mein Vorschlag wäre in einer solchen Situation: Wenn Ihr Kind das nächste Mal emotional so stark aufgeladen ist, versuchen Sie nicht, es zu disziplinieren, wenn die Gefühle gerade überkochen. Wenn sich das Gehirn im „fight/flight/freeze“-Modus befindet, ist jeder Versuch zwecklos, weil der Teil des Gehirns, der für logisches Denken verantwortlich ist, dann gerade Pause macht. Schlagen Sie Ihrem Kind lieber vor, sich an einen Ort in Ihrem Zuhause zurückzuziehen, an dem es sich wohlfühlt und sicher, um sich beruhigen zu können. Wenn es sich beruhigt hat, fragen Sie nach den Gefühlen, die es gespürt hat in der Situation, die eskaliert ist. Eine Art ,Gefühlskarte‘ kann Ihrem Kind helfen, die Emotionen, die es gefühlt hat, zu identifizieren. Aus der Forschung wissen wir, dass es wichtig für Kinder ist, sprachliche Beschreibungen für ihre Emotionen zu lernen, um sie regulieren zu können, das gilt für Jungen noch stärker als für Mädchen.

Fragen Sie Ihr Kind, warum es das iPad kaputtgemacht hat, ohne dabei wütend oder wertend zu sein, sondern seien Sie neugierig und machen ihm klar, dass Sie das wirklich wissen wollen, um es unterstützen zu können. Wenn Kinder etwas falsch gemacht haben, fühlen sie sich danach ohnehin elend, und wenn Eltern dann schimpfen, drohen oder Strafen anwenden, macht es das nur noch schlimmer. Sich schlecht fühlen verbessert nicht das Benehmen. Wenn Sie mit Ihrem Sohn über die Gründe für sein Tun sprechen, werden Sie vielleicht realisieren, dass er sich so verhalten hat, weil er sich ungehört fühlte, verletzt, vernachlässigt, unfair behandelt, nicht verbunden. Dann können Sie die Gelegenheit nutzen, um die Verbindung wiederherzustellen und ihm gesunde Wege zu zeigen, wie er seine Gefühle regulieren kann, zum Beispiel tiefes Einatmen oder rückwärts von hundert runterzählen. Vielleicht wird er beim nächsten Mal versuchen, seine Emotionen auszudrücken, anstatt etwas kaputtzumachen. Und wenn er etwas von seinen Gefühlen offenbaren sollte, kann das Ihnen als Elternteil helfen, das zu ändern, was sein Fehlverhalten bewirkt hat.

Wenn Sie über den Vorfall mit dem iPad sprechen, könnten Sie ihn auch fragen, was seiner Ansicht nach die sinnvollste Konsequenz für ihn sein könnte. Zusammen können Sie Ideen entwickeln. Wenn Kinder dabei mitbestimmen können, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie eine Vereinbarung auch einhalten werden.

Durch diesen ganzen Prozess werden Sie dann womöglich merken, dass es Ihrem Sohn besser gelingt, seine Emotionen verbal auszudrücken, seine starken Gefühle zu regulieren und über Lösungen und Konsequenzen nachzudenken. All diese Fähigkeiten werden auf seiner Reise durchs Leben wichtig sein. Außerdem wird er sich gestärkt fühlen, weil er seine Gefühle besser verstehen und kontrollieren kann, und das wiederum hat einen positiven Einfluss auf sein Selbstwertgefühl. Und Ihnen wiederum hilft dieser Prozess, eine enge, gesunde emotionale Bindung zu Ihrem Kind aufzubauen und zu stärken.“

Mit welchen Herausforderungen in der Erziehung oder allgemein im Leben mit ihren Kindern kämpfen die Eltern, mit denen Sie arbeiten, am häufigsten?

„Zwei Aspekte tauchen wirklich immer wieder auf: Zum einen unterschätzen wir, wie stark unsere eigenen Kindheitserfahrungen den Umgang mit unseren Kindern prägen. Viele Eltern haben Schwierigkeiten damit, sich davon zu lösen, wie sie selbst erzogen wurden. Sie wissen, dass Brüllen, übermäßige Kritik oder ein Perfektionsanspruch nicht gesund für ihre Kinder sind, genau so wenig wie alles durchgehen zu lassen. Aber trotzdem verhalten sie sich so, wie ihre eigenen Eltern es getan haben, besonders in Stresssituationen. Ich helfe den Eltern dabei, diese ungesunden Praktiken zu ,verlernen‘, damit sie ihre Beziehung zu ihren Kindern verbessern können. Es ist schön zu beobachten, wie sich das Verhalten der Kinder zum Positiven wandelt, wenn ihre Eltern ihren Umgang mit ihnen ändern.

Das zweite Thema, das viele Eltern beschäftigt: Egal welches Alter ihre Kinder haben, die Kinder kooperieren nicht, widersetzen sich dauernd, oder Eltern und Kinder sind in ständigen Machtkämpfen gefangen. Diese Eltern haben Verbote, Bestechungen und andere Formen von Strafen versucht, um ihre Kinder zur Kooperation zu bewegen, ohne positive, lang anhaltende Wirkung. In meinen Kursen zeige ich den Eltern, wie sie mit ihren Kindern umgehen können, damit diese Lust haben zu kooperieren.“

Während der vergangenen Monate und des ständigen Beisammenseins wegen der Corona-Krise habe ich mich öfters gefragt: „Warum können meine Kinder nicht einfach mal nett zu mir sein und das machen, was ich von ihnen will? Ich opfere mich schließlich ständig für sie auf!“ Ich frage mich, ob frühere Elterngenerationen dieses Gefühl womöglich nicht so oft hatten, sondern dass Eltern heute öfter Kämpfe mit ihren Kindern austragen müssen?

„Ich glaube nicht, dass das so ist. Ich sage Eltern immer: Es war und ist für alle Kinder normal, sich zu widersetzen und Grenzen auszuloten. Das gehört zur menschlichen Erfahrung dazu. Alle Menschen, auch Babys, haben das angeborene Bedürfnis, ihre Autonomie zu schützen und sich zu wehren, wenn sie sich bedroht fühlen. Ich bringe Eltern bei, wie sie dieses Bedürfnis nach Autonomie wahren können, denn es ist maßgeblich dafür verantwortlich, wie Kinder Beziehungen in ihrem Leben generell steuern. Dass Kinder ihre Grenzen austesten, ist ein ganz normaler Entwicklungsschritt. Für uns mag es heute so aussehen, als seien frühere Generationen konformer oder folgsamer gewesen, aber das muss nicht stimmen. Vor einigen Jahrzehnten nutzten Eltern harte Strafen, um sofort Kooperation zu erreichen. Manche Kinder gaben auf und gehorchten, aber viele widersetzten sich innerlich, um ihre Autonomie zu bewahren.

Die Corona-Situation der letzten Monate hat eine neue Art von Stress in unser Leben gebracht, die ich Unsicherheitsstress nenne. Während der vergangenen Monate wurden unsere Kinder plötzlich aus ihren Peergroups und ihrer Kita- oder Schulumgebung herausgerissen, sie konnten kaum Kontakt zu Leuten haben, die nicht zu Kernfamilie gehören. Die Unsicherheit und die Isolation haben uns und unsere Kinder für eine längere Periode in einen überstressten und nervösen Modus gebracht, das hat viele Kinder ängstlich und besorgt gemacht. Oft zeigt sich diese Angst in schlechtem Benehmen. Jetzt, wo die Lage sich wieder einigermaßen entspannt, werden viele dieser Verhaltensweisen wieder verschwinden. Wenn Eltern gerade merken, dass ihre Kinder schwieriger sind, empfehle ich, das nicht persönlich zu nehmen. Unsere Kinder reagieren ganz einfach auf den Stress der aktuellen Situation mit ihrer begrenzen Erfahrung. Eltern sollten dann mehr Liebe, Zuneigung und Empathie zeigen und ihren Kindern damit helfen, mit der Unsicherheit und der Isolation besser klarzukommen.“

Mit Blick auf das Thema Feedback und Kinder: Was ist wichtig in der Kommunikation mit Kindern, wenn ich als Elternteil kritisieren oder loben möchte, was mein Kind getan – oder nicht getan – hat?

„Unsere Kinder brauchen Feedback, um aus ihren Fehlern lernen zu können. Wie wir Feedback geben, ist essentiell – es kann sie weiterbringen oder kleinmachen. Wenn wir Kindern Feedback geben, müssen wir immer klarmachen, dass Fehler eine Möglichkeit sind zu lernen. Vieles in unserer Welt, auch unser Schulsystem, suggeriert Kindern, dass Fehler schlecht sind und unter allen Umständen vermieden werden sollten. Dabei hat jede*r, der*die Erfolg hat, dabei auch Fehler gemacht.

Als Eltern müssen wir Feedback verständnisvoll und liebevoll geben, anstatt das Kind zu beschämen, zu beschuldigen oder zu belehren. Je nach Situation kann es gut sein, neugierige Fragen zu stellen, um Kindern zu helfen, nach den Gründen für ihr Tun zu fahnden. Das können Fragen sein wie ,Was wolltest du erreichen, als du das getan hast? Was hast du aus der Erfahrung gelernt? Wie, glaubst du, würdest du das in Zukunft anders machen?‘ – Eltern werden merken, dass diese Fragen ihre Kinder dazu bringen, genauer über das nachzudenken, was sie tun, und wofür sie sich entscheiden.“

Immer wieder lese ich, dass es schlecht ist, wenn Eltern ihre Kinder zu viel loben, weil Kinder Dinge dann nur noch tun, weil sie dafür Anerkennung erwarten. Aber ich habe das Gefühl, dass ich meinen Kindern wirklich gern sagen will, wie wundervoll ich es finde, wenn sie zum Beispiel eine tolle Mathearbeit geschrieben haben, ein schönes Bild gemalt haben … wie sieht denn der „richtige“ Weg aus, Anerkennung für das zu zeigen, was mein Kind geleistet hat?

„Loben ist für Eltern ein heikles Thema. Manche werden vehement darauf bestehen, dass Loben effektiv ist; ich würde trotzdem gern widersprechen, basierend auf den Ergebnissen der Forschung zu dem Thema. Mit Lob drücken wir eine positive Beurteilung oder unsere Zustimmung oder unsere Anerkennung aus. Es handelt sich um eine äußerliche Form der Bewertung, die vom Urteil anderer abhängt und auf Perfektion und das Endprodukt abzielt. Wenn wir beispielsweise auf die Phrase ,Ich bin so stolz auf dich‘ blicken: Das Kind bekommt eine Bewertung von jemandem, ohne Blick auf die innere Motivation und seine Fähigkeiten und Kompetenzen. Ein Kind, das so etwas zu hören bekommt, wird immer jemanden von außen brauchen, der es bewertet. Diese Kinder werden zu einer Art ,Bewertungsjunkies‘. Sind die Kinder noch klein, mag das unproblematisch sein, aber schwierig wird es in den Teenagerjahren, wenn Freund*innen immer wichtiger werden als die Eltern.

Oder nehmen wir den Ausdruck ,Du bist so schlau‘. Viele Eltern sehen da kein Problem, aber der Satz konzentriert sich auf das Endprodukt und nicht darauf, welchen Weg, welchen Prozess ein Kind hinter sich gebracht hat, um ein Ziel zu erreichen. Die Forschung zu dem Thema zeigt das immer wieder: Wenn Eltern und Lehrer*innen sich nur auf das Endprodukt konzentrieren, werden Kinder kein Risiko mehr eingehen, um sich möglicherweise noch stärker zu verbessern, aus Angst, den aktuellen Status zu verlieren, für den sie so gelobt werden.“

Wie geht es aus Ihrer Sicht besser?

„Statt zu loben empfehle ich Eltern, ihre Kinder zu ermutigen und zu bestärken, indem sie eher auf den Weg schauen, den ein Kind zurückgelegt hat. Wenn wir unsere Kinder bestärken, regen wir sie dazu an, mutig zu sein und sich selbst als kompetent wahrzunehmen. Sie lernen dadurch, sich anzustrengen, sie lernen, wie sie sich verbessern können, und wie sie ihr Tun selbst bewerten können, anstatt sich auf Perfektion zu konzentrieren, um anderen zu gefallen.

Ein Beispiel: Statt zu sagen ,Ich bin so stolz auf dich‘ – was sehr äußerlich ist, könnte man stattdessen sagen: ,Du bist bestimmt total stolz auf dich. Das viele Lernen hat sich ausgezahlt mit so einem tollen Zeugnis.‘ Im zweiten Beispiel konzentrieren sich die Eltern auf den Prozess und ermutigen ihr Kind, sich selbst zu bewerten.“

Ich fühle mich oft gefangen zwischen Leuten, die denken „Die ist nicht streng genug/lässt viel zu viel durchgehen“ und dem Gefühl, meine Kinder ständig anzuschreien und gemein zu ihnen zu sein und Dinge zu verbieten (Süßigkeiten und Bildschirmzeit, um genau zu sein). Ich weiß natürlich, dass Rumbrüllen nicht das Gleiche ist wie „streng sein“, grundsätzlich glaube ich, dass es für viele Eltern unheimlich schwer ist, einen Weg zwischen all dem zu finden … warum, glauben Sie, ist das in unseren Zeiten so verdammt schwierig?

„Für Eltern überall ist es schwer, die richtige Balance zu finden. Wir alle wollen liebevoll zu unseren Kindern sein, aber wenn wir das ohne klare Erwartungen, Grenzen und Konsequenzen sind, tolerieren wir zu viel. Das wiederum führt zu Fehlverhalten, und dann greifen wir hart durch und nutzen harte Maßnahmen, um die Kontrolle zurückzuerlangen. Für Eltern ist es schwer, demokratisch zu sein, das heißt in diesem Fall: gleichzeitig liebevoll und standfest zu sein. Die Hauptgründe sind meiner Meinung nach: Unser Stresslevel und zu wenig Zeit. Wenn wir gestresst sind, ist es schwierig, geduldig und logisch zu bleiben. Gleichzeitig haben viele von uns durch ihre eigenen Eltern gelernt, entweder zu freigiebig oder zu hart zu sein, deshalb fehlen uns die Fähigkeit und die Erfahrung, um liebevoll und standfest zu sein. Um diese Balance hinzukriegen, kann es für viele Eltern hilfreich sein, in einem Elternkurs oder einem Coaching zu lernen, von welchen Erziehungspraktiken sie sich lösen sollten.“

Die bedürfnisorientierte Erziehung ist auch in Teilen der Elternschaft in Deutschland ein großes Thema, ich persönlich finde das Konzept gut, Kritiker*innen halten es für einen absurde Methode, um Verantwortung von den Eltern an die Kinder abzugeben. Was denken Sie?

„Ich unterstütze das Konzept der bedürfnisorientierten Erziehung total. Durch bedürfnisorientierte Erziehung stärken wir die emotionale Nähe zu unseren Kindern durch Berührung und unsere Ansprache, besonders wenn es unserem Kind schlecht geht. Kinder von Eltern, die immer auf ihre Bedürfnisse reagieren, entwickeln eine sichere Bindung, und das hat einen positiven Einfluss darauf, wie sie später in Freund*innenschaften und intimen Beziehungen agieren. Kinder, deren Eltern sie nicht getröstet, sie nicht gesehen, sie nicht gehört haben und ihnen nicht das Gefühl von Sicherheit gegeben haben, erfahren eine unsichere, vermeidende oder ambivalente Bindung. In späteren Beziehungen werden diese Kinder Schwierigkeiten haben.

Bei einem emotional sicher gebundenen Kind haben die wichtigsten Funktionen des Gehirns – Regulation, kritisches Denken, Entscheidungsfindung, Beziehungsmanagement – mehr Gelegenheit, sich zu entwickeln, weil sie nicht in einem Überlebensmodus feststecken aufgrund einer fehlenden Verbindung des Kindes zu seinen Eltern.

Manche Eltern glauben, dass zu viel Liebe und Zuneigung nicht gut für ihre Kinder sei. Sie machen aus meiner Sicht den Fehler, Liebe und Zuneigung mit ihrer Art zu maßregeln zu verwechseln. Man kann für seine Kinder immer emotional ansprechbar sein, klare Grenzen und Erwartungen an ihr Verhalten haben, und sie gleichzeitig nicht verhätscheln. Wie eine Pflanze braucht ein Kind Liebe, um zu gedeihen.“

Ich habe gelesen, dass Sie ein großer Fan von Familientreffen sind – ich erinnere mich daran, dass meiner Mutter früher ein Buch hatte, in dem es um den „Familientisch“ ging, eine ähnliche Idee: Die Familie kommt wie in einem Ritual regelmäßig zusammen, um miteinander zu sprechen, in Verbindung zu treten – können Sie noch mehr dazu erzählen, und warum würden Sie das jeder Familie empfehlen?

„Ja, ich bin eine große Anhängerin von Familientreffen. Sie sind essentiell für das Funktionieren einer Familie. Ich finde es unglaublich, dass wir in unseren Jobs mindestens wöchentliche Meetings haben, um sicherzustellen, dass der Laden läuft, und gleichzeitig vernachlässigen wir, genau das mit der wichtigsten Abteilung von allen zu tun – unserer Familie.

Familientreffen sind die ideale Gelegenheit, unseren Kindern Führungsqualitäten, Werte und Problemlösungsstrategien beizubringen. Sie bieten außerdem die Möglichkeit, sich miteinander zu verbinden und Familientraditionen und Erinnerungen zu schaffen.

Außerdem: Viele Eltern klagen immer wieder über dasselbe Fehlverhalten ihrer Kinder, das wöchentlich oder sogar täglich vorkommt. Bei den Familientreffen kann die Familie zusammensitzen und gemeinsam über Lösungen für jedes Problem nachdenken. Wie schon erwähnt: Wenn Kinder in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden, ist es viel wahrscheinlicher, dass sie später kooperieren. Durch die Brainstormings während dieser Treffen lernen Kinder, sich für etwas einzusetzen und über ihre Ideen zu sprechen, kritisch zu denken, und noch so viele andere Fähigkeiten, die sie durch Diskussionen lernen. Wenn du ein immer wiederkehrendes Problem beseitigen willst, dann solltest du es als Familie lösen.“

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