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Introvertiert und Netzwerken – wie ich meine Angst überwinden will

Als Gründerin und Kommunikationsprofi fällt es mir im Alltag nicht schwer, auf andere Menschen zuzugehen. Doch Netzwerkveranstaltungen meide ich, denn dort habe ich plötzlich große Angst davor Menschen anzusprechen. Aber diese Scheu will ich in Zukunft überwinden.

 

Und plötzlich bringe ich kein Wort raus 

Hin und wieder kommt es vor, dass ich aus beruflichen Gründen auf Events gehe, um neue Menschen kennenzulernen, interessante Gespräche zu führen und mich inspirieren zu lassen. Neulich war ich für zwei Tage in Hamburg und besuchte am Abend eine Veranstaltung. In einer schönen Location und in lockerer Atmosphäre wurden spannende Vorträge gehalten. 

Während des offiziellen Parts fühlte ich mich sehr wohl, doch als die Zeit fürs Netzwerken begann, wurde ich zunehmend nervös und unsicher. Alle Anwesenden begannen sich zu unterhalten und kleine Grüppchen bildeten sich, viele stellten Fragen an die SpeakerInnen. Nur ich stand allein herum. Ich traute mich nicht auf andere Menschen zuzugehen und ein Gespräch zu beginnen. „Was ist los mit mir?“, fragte ich mich. „So bin ich doch sonst nicht.”

Eigentlich habe ich keine Berührungsängste und quatsche immer sofort drauf los. In meinem persönlichen Umfeld bin ich sehr offen und kommunikativ. Im Freundes- und Bekanntenkreis erzähle ich viel und gerne. Ich höre aber auch gerne zu und lerne auf diese Art und Weise andere Menschen kennen. Ein wirklich introvertierter Mensch bin ich also nicht. Sobald ich aber in fremden Gruppen bin, komme ich nicht aus mir heraus und habe dann das Gefühl, nicht ich selbst zu sein.

„Hallo, ich bin Sarah und wer bist du?“

Auf der Veranstaltung in Hamburg versuchte ich tief durchzuatmen und mich zu sammeln. Ich ging auf die Toilette, lächelte mein Spiegelbild an und versuchte mir Mut zuzusprechen. In der Vergangenheit hat das z.B. bei Vorträgen immer geholfen, wenn ich aufgeregt war. Von der Toilette zurück, bestellte ich mir ein Bier und ließ meinen Blick schweifen. Ich beobachtete die TeilnehmerInnen um mich herum, die tief in ihre Gespräche versunken waren. 

Sie anzusprechen und den ersten Schritt zu machen, fiel mir unglaublich schwer. Ein einfaches „Hallo, ich bin Sarah und wer bist du?“ kam mir so plump und unnatürlich vor. Ich wurde immer unzufriedener und begann dagegen anzukämpfen. Doch anstatt mich zu beruhigen und zu versuchen meinen inneren Schweinehund zu überwinden, geschah das Gegenteil: Ich wurde immer unsicherer, sodass ich mir mehr und mehr selbst im Weg stand, auf die anderen zuzugehen.

Warum fällt es mir so schwer, neue Kontakte zu knüpfen? 

Einerseits bin ich sehr offen, spontan und impulsiv. In anderen Situationen aber bin ich sehr nachdenklich, grüble viel und komme nicht zum Handeln. Eine verzwickte Sache! Meine Eltern sagen von mir, dass ich schon immer sehr selbstständig und tough war. Doch mir fehlte immer eine Prise Selbstbewusstsein, was mir heutzutage bei Netzwerkveranstaltungen oftmals auf die Füße fällt. Dabei habe ich in den letzten 15 Jahren so einiges erlebt: Ich habe in Hannover, Lüneburg und Berlin gelebt, hatte immer viele Freunde um mich herum, bin viel gereist und war sogar ein Jahr lang allein in Australien. Warum also fällt es mir heute so schwer, mich mit anderen Personen zu unterhalten und neue Kontakte zu knüpfen?

Oft denke ich, dass ich es verlernt habe oder allzu hohe Erwartungen an ein Gespräch im beruflichen Kontext habe, die mich lähmen. An jenem Abend in Hamburg ging ich zurück in mein Hotel. Zwar kam ich in den letzten fünf Minuten zufällig noch mit einer sehr netten Frau ins Gespräch, doch dann wollte die Organisatorin die Veranstaltung beenden und abschließen. Es war zu spät. Zurück in Berlin angekommen, schrieb ich eine Liste, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Denn ich möchte andere Menschen kennenlernen und weiter auf Veranstaltungen gehen – auch zum Netzwerken! Deshalb habe ich mir hilfreiche Tipps überlegt, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Meine 5 Tipps, wie jeder erfolgreich Netzwerken kann

1. Eine/n FreundIn mitnehmen

Es ist immer von Vorteil jemanden dabeizuhaben, den man kennt. Zu zweit ins Gespräch mit anderen zu kommen, ist oftmals viel einfacher. Vielleicht kann man auf diese Weise lernen, wie z.B. die Begleitung ein Gespräch beginnt und erfolgreich netzwerkt. Das kann einen selbst anspornen, mit anderen Kontakt aufzunehmen.

2. Kleine Schritte machen

Mit dem Tisch- oder Sitznachbarn ein Gespräch zu beginnen, kann bereits ein schöner Anfang sein. Denn ist der erste Schritt getan, fällt es auch viel leichter, sich mit anderen Menschen zu unterhalten und vielleicht auch danach auf andere Menschen zuzugehen. Ist das erste Eis gebrochen, wird es viel einfacher und das gute Gefühl dabei, nimmt man mit für das nächste Mal.  

3. Lieblingsoutfit anziehen und Schminken – wenn man möchte

Nichts ist schlimmer, als sich auf einer Veranstaltung nicht wohl in seiner Haut und in seinen Klamotten zu fühlen. Daher sollte man sich etwas Gutes tun, z.B. das Lieblingsoutfit anziehen und ein dezentes Makeup auflegen, das nicht aufgesetzt wirkt. Ein kleines Beauty-Programm davor ist gut für die Seele und ein Blick in den Spiegel, der sagt „Ich schaffe das“, kann Wunder bewirken. Jedenfalls geht das mir so. 

4. Gut recherchieren, wer da ist

Gute Vorbereitung ist alles! Vor jeder Veranstaltung lohnt sich ein Blick auf die TeilnehmerInnen- bzw. SpeakerInnen-Liste. Eventuell ist ja auch bekannt, welche Besucher dort sein werden und man kann sich vorher schon überlegen, mit wem man gerne ins Gespräch kommen möchte. Ist jemand vor Ort, der sich mit einem bestimmten Thema gut auskennt oder mal einen interessanten Beitrag geschrieben hat? Ein paar Infos können auf kleine Spickzettel geschrieben werden und wenn der- oder diejenige vor einem steht, hat man schon ein erstes Gesprächsthema parat.

5. …und für den Notfall

Ein oder zwei Gläser Sekt vor der Veranstaltung trinken, damit man etwas lockerer wird. 


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