Foto: Tandemploy

Jana Tepe: „Die Hürden sind oft nur im Kopf“

Ist Jobsharing die bessere Teilzeit? Schließlich teilen wir mittlerweile alles. Ein Gespräch mit Jana Tepe, Gründerin der Jobsharing-Plattform Tandemploy.

 

Vom Vertrauen in die Angestellten

Der Ruf nach flexibleren Arbeitsmodellen wir lauter. Wir wollen weniger arbeiten, Zeit für die Familie haben und neben dem Brotjob eigene Projekte vorantreiben – aber trotzdem qualifizierte Jobs bekommen. Jobsharing soll das ermöglichen. Jana Tepe und ihre Mitgründerin Anna Kaiser haben es sich mit Tandemploy zur Aufgabe gemacht, potenzielle Jobsharer zusammenzubringen und den Kontakt zu interessierten Unternehmen herzustellen.

Jana hat uns erzählt, welche Vorteile geteilte Stellen bringen und welche Rolle die Unternehmenskultur dabei spielt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Tandemploy zu gründen?

„Wir haben damals beide in einer Personalberatung für die digitale Wirtschaft gearbeitet und ganz oft Anfragen für flexiblere Jobs oder tolle Jobs in Teilzeit bekommen. Und da lag eigentlich schon das Problem: So richtig coole Jobs in Teilzeit hatten wir fast nie anzubieten. Dann hatte ich eines Tages tatsächlich eine Tandem-Bewerbung auf dem Tisch liegen. Zwei hochqualifizierte Frauen haben sich zusammen auf eine leitende Position beworben. Ich war so angetan von dem Modell und habe dann Anna davon erzählt. Es ist uns im Kopf geblieben und wir haben uns gefragt: Warum gibt es eigentlich niemanden, der dieses Modell vorantreibt und die Umsetzung unterstützt?“

In ersten Marktrecherchen habt ihr herausgefunden, dass 85 Prozent der Unternehmen dem Thema Jobsharing erst mal positiv gegenüberstehen. Entspricht das euren bisherigen Erfahrungen?

„Ja. Die Unternehmen sind erstmal sehr interessiert und neugierig. Natürlich setzt längst nicht jedes Unternehmen das Konzept auch um. Es gibt sehr viele Fragen und natürlich Berührungsängste. Zum Thema Jobsharing gibt es einfach noch sehr wenig Information und wir haben da einen sehr großen Aufklärungsauftrag.“

Wie schätzt du die Entwicklung ein: Müssen Unternehmen in Zukunft Jobsharing anbieten, um als attraktiver Arbeitgeber zu gelten?

„Ich bin davon überzeugt dass gerade die Flexibilisierung von Arbeitsmodellen in den nächsten Jahren ein sehr wichtiges Thema werden wird und auch werden muss. Entwicklungen wie der Fachkräftemangel, eine Gesellschaft, die immer älter wird und ein starker Bedarf nach familienfreundlicher Arbeit erfordern neue Arbeitsmodelle. Und da setzt Jobsharing als eine Lösung an.“

Wie sieht es auf der anderen Seite aus: Wer landet auf eurer Plattform, um einen Tandempartner zu finden?

„Über einen Kamm scheren kann man die Leute nicht so richtig. Aber was positiv auffällt: Wir haben eine hohe Männerquote zwischen 30 und 40 Prozent. Bei klassischer Teilzeitarbeit liegt der Männeranteil in Deutschland weit unter 10 Prozent. Das Interesse verteilt sich auch über alle Altersstufen. Was sie alle vereint: Sie suchen einen hochqualifizierten Job mit einer flexiblen Zeitgestaltung.“

Warum können sich für dieses Modell mehr Männer begeistern als für normale Teilzeit?

„Klassische Teilzeit ist sehr negativ behaftet – für Männer als auch für Frauen. Da schwingen Stereotype mit, die auch teilweise zutreffen: Karrierefalle, Karriereknick. Im Jobsharing ist das glücklicherweise ein bisschen anders, weil es eben auch bedeuten kann, dass man in dem Modell Karriere macht. Wir kennen Jobsharing-Paare, die mehrmals gemeinsam befördert wurden.“

Gerade zu Jobsharing in Führungspositionen gibt es keine aktuellen Daten. Eine Fallstudie von 1999 zeigt die Sorge der Unternehmen auf, dass durch Jobsharing zwar eine dauerhafte Führungspräsenz möglich sei, Fehlentscheidungen aber nicht eindeutig zuordenbar wären. Ist das immer noch aktuell?

„Es gibt viele Vorurteile und auch das, was du gerade genannt hast, gehört zu den Zweifeln, die Unternehmen haben. Das liegt ganz entscheidend an der Unternehmenskultur. Allein schon der Gedanke, man könne Verantwortung nicht teilen, sagt viel über die dahinterliegende Kultur aus. Genauso gibt es Unternehmen, die ihren Tandems nicht zutrauen, effektiv miteinander zu kommunizieren oder sich selbst zu managen. Jobsharing funktioniert tatsächlich nur da, wo es von Seiten der Geschäftsführung unterstützt wird und wo man daran glaubt, dass Kooperation funktioniert, ja sogar sehr viele Vorteile mit sich bringt. Das sind dann tendenziell auch die Unternehmen, die lösungs- und nicht fehlerorientiert arbeiten.“

Welche zum Beispiel?

„Der größte Vorteil für Unternehmen ist, dass sie durchgängig eine 100-prozentige Besetzung haben und trotzdem ihren Mitarbeiten flexible Arbeitszeiten ermöglichen können. Es profitieren also beide Seiten davon. Und wenn man zwei Menschen auf einer Stelle hat kommen zwei Köpfe zusammen mit unterschiedlichen Potenzialen und doppelten Ideen. Zudem kann das Tandem sich im Krankheits- oder Urlaubsfall gegenseitig vertreten. Das führt zu enormen Ersparnissen.“

Schwierig wird es wohl, wenn einer der beiden Jobsharer ganz wegbricht.

„Klar, das passiert natürlich, genauso wie bei Vollzeitstellen auch. Was dann der große Vorteil ist: Beim Jobsharing ist noch einer da, der das Wissen hat und seinen Nachfolger anlernen kann.“

Grundvoraussetzung fürs Jobsharing ist, dass das Team zusammenpasst. Wie funktioniert hier euer Matching?

„Wir haben mit vielen Jobsharern gesprochen und mit Universitäten und Forschungseinrichtungen an unserem Algorithmus gearbeitet. Schlussendlich haben wir ein paar entscheidende Dimensionen fürs Jobsharing ausgemacht: Das ist zum Beispiel eine Arbeits- und Kommunikationsweise, die grundlegend zusammenpassen muss. Wichtig ist zudem, für die Phase des Jobsharing ein ähnliches Ziel zu haben: Nicht, dass der eine zum Beispiel in dieser Zeit der Zusammenarbeit Karriere machen will und der andere nicht.“

Wo liegen die größten Hürden im Unternehmen?

„Spannenderweise erleben wir gerade in den Jobs, wo wir dachten, das geht gar nicht, dass es total gut funktioniert. Stichwort Führungspositionen oder in Bereichen mit viel Kundenkontakt. Es kommt auf die Kommunikation an. Ich kenne ein Vertriebstandem und ich habe dieses gefragt: Wie habt ihr das denn euren Kunden beigebracht? Sie haben geantwortet: Wir haben sie einfach angerufen und darüber informiert, dass wir ein Tandem sind und welche Vorteile sie dadurch haben: Dass sie nämlich sogar zwei Ansprechpartner haben und einer von uns immer erreichbar ist. Das zeigt ganz schön, dass die Hürden oft nur im Kopf sind.“

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