Foto: Leitwolf TV- und Filmproduktion GmbH

Judith: „Man kann nicht jedermanns Liebling sein — im Job schon gar nicht”

Das neue Web-Talk-Format Business Salon will sich Frauen und ihrer Arbeitsrealität widmen. Wir haben mit Mitentwicklerin Judith Sylla gesprochen.

 

Lasst uns reden

Die Arbeitsrealität von Frauen ist immer wieder ein Thema. Und sie ist längst noch nicht durchartikuliert. Wie kommt man am besten weiter, wie gegen die Boys Clubs an und braucht es wirklich eine Frauenquote? Aber auch: Warum gibt es immer noch verhältnismäßig wenig weibliche Gründer?

Judith Sylla hat gemeinsam mit der Produktionsfimra Leitwolf das Web-TV-Format Business Salon entwickelt, eine Talkshow, die eben genau diese Themen behandeln will – und das ohne den moralischen Zeigefinger auszupacken. Was genau dort passieren wird, was sie anders machen will, als andere Talk-Formate und warum man sie unbedingt per Crowdfunding unterstützen sollte, darüber haben wir mit Judith gesprochen.

Judith, der Business Salon ist ein neues Web-TV Format. Worum geht es dabei?

„Im Business Salon tauschen sich Frauen untereinander über Karrierethemen und Jobsituationen aus. Für die Zuschauerin lässt sich das Prinzip am ehesten so zusammenfassen: Zuhören, verarbeiten, Vorteil daraus ziehen. Im Detail bedeutet das, dass es ein Hauptthema pro Sendung geben wird, zu dem jeder der eingeladenen Gäste eine andere Perspektive, Erfahrung oder Kompetenz mitbringt und dann tauscht sich die Runde darüber aus, indem sehr viele persönliche Erfahrungen oder Erfahrungen mit Klienten mit einfließen. Moderiert wird das Gespräch von Johanna Maria Knothe, bekannt aus „Bambule“ (ZDFNeo) und „Mario Barth deckt auf“ (RTL).“

Eine Frauen-Talkshow – das klingt ziemlich stereotyp. Du hast das Konzept mitentwickelt – was war dir dabei wichtig?

„Wenn man den Business Salon in ein Genre pressen möchte, würde ich ihn auch als Talk bezeichnen – glücklich bin ich mit diesem Begriff allerdings nicht. Denn weder ist es ein reiner Personality-Talk noch eine aggressionsgeladene Diskussionsrunde, sondern eher ein Rat- und Anstoßgeber. Das allerdings auf Augenhöhe und ohne moralischen Zeigefinger. Heftige Wortwechsel können mal vorkommen, gehören aber nicht zum Standardprogramm. Es werden unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen dargestellt, aber es geht nicht darum, die eine zu verteidigen und die andere niederzumachen. Wer jetzt aber sperrige, steife Mitleidstalks erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Der Business Salon kommt durch die Moderatorin Johanna Maria Knothe, die geladenen Gäste und das Setting sympathisch und klug daher, und bietet genug Platz für Humor, Lockerheit und Selbstironie. Ganz nach dem Motto: Wir sind emanzipiert, wir nehmen uns ernst, wir können aber auch über uns lachen. Erst recht, wenn es um den Job geht. Deshalb wird das Spiel mit dem Klischee – ob inhaltlich oder optisch – im Business Salon niemals fehlen!“

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Johanna Maria Knothe | Leitwolf TV- und Filmproduktion

Was macht ihr anders, als andere Formate?

„Das Besondere liegt in den Inhalten und darin, wie wir sie transportieren. Es ist das falsche Thema, um verrückte Bewegtbild-Experimente auszuprobieren, der Fokus liegt klar auf dem Gespräch. Trotzdem oder gerade deshalb haben wir natürlich einen hohen Anspruch, was eine schöne Location, einen wertigen Look und außergewöhnliche Stilmittel angeht. Nicht nur die Gäste, sondern auch die Zuschauerinnen sollen sich im Business Salon rundum wohlfühlen. Wir wollen alle Frauen ansprechen, die ihren Job lieben, die sowohl privat als auch beruflich viel erreichen wollen oder schon viel erreicht haben. Egal, ob sie mitten im Berufsleben stehen, gerade erst anfangen, etwas eigenes gründen oder dabei sind, die letzte Sprosse der Karriereleiter zu besteigen. Erfolgreiche Frauen gibt es schon lange und mit dem Business Salon treten sie in den Vordergrund, plaudern aus dem Nähkästchen und stärken sich gegenseitig!“

Warum ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für den Business Salon?

„Der Zeitpunkt ist ideal. Es tut sich gerade einiges, was das Thema „Frauen im Berufsleben“ angeht. Wir haben einerseits die große politische Diskussion um die Quote und den jährlichen Bericht des Equal Pay Days, andererseits entstehen so tolle Online-Portale wie ihr, die mit ihren Themenwelten genau die Bedürfnisse und das Selbstverständnis der selbstbewussten, zielorientierten, berufstätigen Frau bedienen.“

Was muss denn in Sachen Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Job noch passieren?

„Die Gleichberechtigung der Geschlechter funktioniert im Großen und Ganzen schon ganz gut, aber in der Arbeitswelt hapert es noch am einen oder anderen Detail. Frauen wissen in der Regel, was sich gehört, nehmen sie sich dabei gerne vornehm zurück, warten geduldig darauf, dass man ihnen eine Beförderung oder Gehaltserhöhung anbietet und sind ansonsten pflichtbewusst sowie fleißig – irgendwer muss ja den Laden am Laufen halten. Eine große Schnauze – Entschuldigung, ein energisches Auftreten – ist man von Frauen einfach noch nicht gewohnt, von männlichen Kollegen allerdings schon. Wir wollen einfach drüber reden, mit dem langfristigen Ziel, dass sich das Thema Frauenquote von selbst regelt.“

Stehen die Themen für die Sendereihe bereits fest?

„Mit den Themen jonglieren wir momentan noch. Da wir mit dem Budget zwei Folgen drehen möchten, wird es auf jeden Fall ein Thema sein, das eine gewisse „typisch weibliche“ Problematik im Job beleuchtet, wie Gehaltsverhandlungen oder den Job mit der Familienplanung unter einen Hut zu kriegen. Das andere Thema geht in Richtung „sein eigenes Ding machen“, sich nach jahrelanger Festanstellung für die Selbstständigkeit zu entscheiden oder sogar eine Firma zu gründen. Auch hier sind Frauen noch in der Minderheit. Wir wollen klären, woran das liegt und gleichzeitig Mut machen, den großen Schritt zu wagen.“

Ist es nicht etwas zu kurz gedacht, bei einer stockenden Karriere immer von den „Schwächen der Frauen“ auszugehen?

„Klar, lassen sich nicht alle Frauen über einen Kamm scheren. Es gibt bestimmt einige, die überhaupt keine Schwierigkeiten mit den „Spielregeln“ in der immer noch sehr männlich besetzten Führungsetage haben, aber ein Großteil der Frauen tickt in vielen Dingen einfach noch nicht so. Frauen steigen meist bis zu einer bestimmten Stufe auf, für die Teamfähigkeit und Leistungsbereitschaft ausschlaggebend ist. Danach geht es dann aber um Durchsetzungsvermögen, da punkten eindeutig noch die Männer und ziehen an ihren Kolleginnen vorbei. Ich mag es auch nicht, hier pauschal von Schwächen zu sprechen, denn eine gesunde Selbstreflexion, ein Gewissen und Einfühlungsvermögen seinen Mitmenschen gegenüber zu haben sind ja keine Nachteile, die ausgemerzt werden sollen. Die Frauen sollen nur kapieren, dass es manchmal von Vorteil ist, sich nicht permanent von diesen Dingen steuern zu lassen, sondern zu lernen, sie im richtigen Moment auszublenden und mal in eine Rolle zu schlüpfen – ganz ohne den belastenden Folgegedanken: „Oh je, was denken die anderen jetzt nur von mir?“ oder noch schlimmer: unbeholfenen Rechtfertigungsversuchen im Anschluss. Ein bisschen Arroganz im Leben hat noch nie geschadet. Man kann nicht jedermanns Liebling sein. Im Job schon gar nicht.“

Wird so ein Rollenverhalten im Job vielleicht gar gefördert?

„Ich habe schon männliche Kollegen erlebt, die ein Projekt gegen die Wand gefahren haben und sich darüber keinen Kopf machen. Dann läuft mal bei einer Kollegin etwas schief und sie überlegt sofort, zu kündigen, weil sie sich für absolut ungeeignet für den Job hält. An dieser Denke möchte der Business Salon etwas ändern. Nicht alles so verdammt persönlich nehmen. Sich nicht alles gefallen lassen. Ich glaube, das, was wir an guten weiblichen Eigenschaften mitbringen kombiniert mit ein paar praktischen Tipps, wie man die Sprache der Männerwelt im Berufsleben besser versteht und spricht, bringt Frauen von alleine genau dorthin, wo sie die Quote per Gesetz platzieren möchte. Mit dem wichtigen Unterschied, dass sie ein dickeres Fell haben, wenn sie das aus eigener Kraft geschafft haben anstatt per „Wildcard“. Denn wenn Frauen einmal etwas kapiert haben, macht ihnen in Sachen Konsequenz und taktisches Kalkül niemand mehr was vor! Der Business Salon soll auch keinen „Beef“ zwischen Männern und Frauen heraufbeschwören. Fakt ist aber, dass wir Männerdomänen erobern wollen, je höher es auf der Karriereleiter nach oben geht, und da sollten die Frauen zwangläufig die Sprache der Mehrheit sprechen. Für die Männer gibt es ja keinen Grund ihre Kommunikation und Rituale zu ändern, sie können da oben wunderbar überleben.“

Ihr wollt mit eurer Talkrunde die Lebens- und Arbeitsrealität der Frauen darstellen. Wie sehen diese Realitäten denn konkret aus?

„Jede Arbeitsrealität sieht etwas anders aus und wir werden auch nicht Vertreterinnen sämtlicher Branchen und Berufe versammeln können, aber es gibt eben typische Situationen, in denen sich Frauen im Laufe ihres Berufslebens zwangsläufig wiederfinden und in denen sie momentan im Vergleich zu Männern de facto schlechter abschneiden: angefangen beim Vorstellungsgespräch über die ungeliebten Gehaltsverhandlungen und dem sehnlichen Wunsch nach Beförderung bis hin zum Konkurrenzkampf um die Spitzenposition. Und darum geht es: um ein subtiles, passives Coaching. Mal sitzt ein Coach in der Runde, der von seinen Erfahrungen mit verschiedenen Klienten spricht – sowohl männlichen, als auch weiblichen – mal jemand aus der Personalabteilung eines großen Unternehmens oder eine Frau, die im Laufe ihrer Karriere schon durch viele große Unternehmen gezogen ist und dann wiederum eine Berufsanfängerin, die durch ein konkretes Problem den Anstoß für das Gespräch gibt.“

Um euch zu finanzieren, habt ihr aktuell auch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Warum sollte man euch unterstützen?

„Ich möchte zusammen mit der Produktionsfirma Leitwolf mittels Crowdfunding die ersten beiden Folgen des Business Salons realisieren, um möglichst frei in der inhaltlichen und optischen Gestaltung zu sein und gleichzeitig schon mal vorzufühlen, wie diese Bewegtbild-Idee bei den Zuschauerinnen überhaupt ankommt. Deshalb haben wir uns für den Online-Kanal entschieden. Aber ohne die Unterstützung der zukünftigen Zuschauer bleibt der Business Salon nur ein Traum. Wer sich also durch die Themenwelt angesprochen fühlt und den Business Salon mit zum Leben erwecken möchte, kann das gerne auf Startnext tun.“

Hinweis: Sollte der Business Salon wahr werden, werdet ihr bei EDITION F online jede Folge zu sehen bekommen. Also, spenden.

 

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