Foto: Julia Schoierer

Julia: „Ich fühle mich in männerdominierten Szenen wohl“

Julia Schoierer ist die bekannteste Sneaker-Sammlerin Deutschlands. Wir haben mit ihr über ihre Leidenschaft gesprochen.

 

Leidenschaft verbindet

Julia Schoierer gilt als bekannteste Sneaker-Sammlerin Deutschlands: Als Sneakerqueen eben. Auf ihrem gleichnamigen Blog teilt sie ihre Leidenschaft für die Szene virtuell mit ihren Lesern,  während sich bei ihr Zuhause und in Lagern die Schuh-Schätze ganz real stapeln. Uns hat sie erzählt, wie es ist, sich in einer eher männerdominierten Szene zu bewegen, was bei einem „holy grail“ passiert und wie viele Paar Schuhe sie ihr eigen nennt. Wir haben uns von ihrer Passion anstecken lassen und ein paar aktuelle Sneaker-Favoriten zusammengestellt.

Julia, du bist die wohl bekannteste Sneaker-Sammlerin Deutschlands, wie kam es zu der Leidenschaft?

„Das war keine bewusste Entscheidung, sondern hat sich eher eingeschlichen. Ich war als Kind eine richtige Berliner Göre und habe mich schon immer eher in männerdominierten Szenen wohl gefühlt. Das prägte natürlich auch mein Stilempfinden und so interessierte ich mich eben mehr für Sneaker als für High-Heels. Der Bequemlichkeitsfaktor ist bis heute natürlich auch ein erheblicher Aspekt.“

Wie viele Modelle umfasst deine Sammlung?

„Das ist eine Frage, die ich nur ungefähr beantworten kann, da ich meine Sammlung auf verschiedene Lager verteilt habe. Ich schätze etwa 700 Paar, vielleicht aber auch 100 mehr.“

Welches Paar Schuhe liegt dir am meisten am Herzen?

„Das ist, wie einen DJ nach seiner Lieblingsplatte zu fragen; An einem Tag hat man Lust auf Oldschool-Funk, am nächsten muss es rocken. In Sneakerkreisen nennt man das den „holy-grail“, aber nach fast 20 Jahren hat sich bei mir so einiges angesammelt. Ich habe ein paar Modelle die durch Alter, Seltenheit oder ihren Kultstatus hervorstechen. Wie etwa den Nike Air Pressure, Adidas Cancha oder mein heißgeliebtes paar Jordan IV Cement von 1999, dass mir langsam aber sicher unter den Füßen wegbröselt.“

Wie ist es in dieser – immer noch – Männerdomaine mitzumischen? Fällst du auf?

„Leidenschaft verbindet und bildet eine Plattform der Begegnung ohne Geschlechts- oder Alterbegrenzungen. Klar wurde ich auf Sneakermessen oder -events mindestens tausendmal gefragt, ob ich wegen meines sammelnden Freundes hier bin, aber das kümmert mich nicht. Denn die Leute, die sich wirklich für das Thema interessieren, kennen mich inzwischen.“ 

Wie sind die Reaktionen auf dich in der Szene?

„Da ich keine typischen Frauensneaker sammle, sondern Modelle die auch Sammlern des anderen Geschlechts den Mund wässrig werden lassen, ist die Resonanz positiv. Die Sneakerszene ist mir immer mit viel Respekt und Anerkennung entgegengetreten und hat mich auf so vielen Ebenen bereichert. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich irgendwann mit und durch meine Sammlung die Welt bereise und so viele interessante Leute treffe. Besonders schätze ich aber meine Berliner Sneakerjungs, auch bekannt als die „Turnschuhzuhälter“. Sie sind mir über viele gemeinsame Projekte und Jahre ans Herz gewachsen und behandeln mich immer wie eine Königin.“

Wie reagieren Männer, wenn sie das erste Mal in deine Wohnung kommen?

„In meine Wohnung kommen keine Männer. Nur gute Freunde, die mich schon so gut kennen, dass sie wissen was sie erwartet. Jemanden zu mir einzuladen ist eine recht intime Sache für mich. Nur wenige sind bei mir zu Hause willkommen.“

Gerade erst hattest du wieder einmal eine Kollaboration mit Adidas. Um was genau ging es dabei und wer hat bei der Sache noch mitgemischt?

„Letztes Jahr hat mich Adidas angesprochen, ob ich Teil des ‚Collectors Projects‘ werden möchte. Neben mir hatte Adidas  vier weitere Sammler (Operator Emz aus New York, Mr. Magara aus Tokyo, Robert Brooksy aka Brooksy Brooks aus London und Ralf Titanen in Sneakerkreisen bekannt als Ten Ari aus Turku) angesprochen. Wir alle reisten gemeinsam in das Archiv nach Herzogenaurach und durften uns an unser Lieblingsmodell wagen, um ihm einen neuen, eigenen Look zu verpassen. Von all den Basketball-Klassikern meiner Kinder- und Teenagerzeit wurden die meisten bereits wieder aufgelegt. Der Rivalry war einer der wenigen Modelle, die bis heute kein Revival erleben durften. Somit stand meine Wahl fest. Das Designen begann mit unserem Trip nach Herzogenaurach und wurde per Mail und Telefon in den darauf folgenden Monaten weiter verfeinert. Im Oktober 2013 war dann der Release, limitiert auf 50 Paar Schuhe weltweit. Seinen eigenen Schuh in den Händen zu halten ist natürlich ein außergewöhnliches Gefühl. Eine Form der Anerkennung, die Adidas mir gegenüber kaum schöner hätte ausdrücken können!“

Auf deinem Blog Sneakerqueen dreht sich alles um Sneaker. Seit wann hast du den Blog und welchen Stellenwert hat er in deinem Leben?

„Meinen Blog Sneakerqueen.de habe ich 2007 ins Leben gerufen. Sneaker-Trends stelle ich dort eher nicht vor, denn darum geht es in so gut wie jedem Sneaker-Blog. Klar poste ich auch mal Modelle, die demnächst auf den Markt kommen, aber hauptsächlich zeige ich alle Facetten meiner Leidenschaft für eine Jugendkultur, die zwar zum großen Teil aus Sneakerkultur besteht, aber eben nicht nur. Ich bin ein Kind der Achtziger und alles, was mich interessiert, kommt auf das Blog. Sozusagen ein Kompendium über die Hintergründe, Historie und Auswüchse einer gewissen Stilepoche. Denn neben Sneakern lassen auch andere Ikonen der 80s, wie Cazal Brillen, Double Goose Jacken oder Boomboxes mein Sammlerherz höher schlagen.“

Welche Sneaker-Trends kommen in der Herbst/Winter-Saison 2014?

„Keine Ahnung, ich interessiere mich mehr für Altes. Wenn es um Neues geht, haben für mich Modelle die originalgetreu wieder aufgelegt werden einen weitaus größeren Reiz, als die neusten Trends in dem Bereich. Neue Materialien, wie 3M, gewachste und gewebte synthetische Stoffe (Tech Fleece, Flyknit und Primeknit) werden auf jeden Fall im Winter wieder eine größere Rolle spielen und den fortschreitenden Trend von funktioneller Mode weitertreiben.“

Was sagst du zu Sneakern zum Anzug? Geht gar nicht oder geht gut?

„Klar geht das, muss aber nicht sein. Egal was, man stylt immer am besten mit einer Sensibilität für die Formsprache und den Stil der Epoche.“

Wo holst du dir deine Inspirationen?

„Inspiration hole ich mir aus der Kunst, meiner Stadt, den Leuten, die mich umgeben und Kultur um mich herum kreieren; Musiker, Maler, Tänzer, Poeten oder wie man in meiner Generation wohl eher sagt: DJs, Writer, B-Boys und Rapper.“

 

Sneaker-Liebe Part II

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1. Air Max Thea in Schwarz von Nike, 2. Hellgraue ZX 850 von Adidas Originals, 3. Air Force 1 in Metallic-Blau von Nike, 4. Air Max Thea von Nike 5. Sneaker mit Leomuster von Superga, 6. Nudefarbene Ledersneaker von Lanvin, 7. Mesh-Sneaker von Stella McCartney, 8. Reptil-Sneaker von Lacoste, 9. Stan Smith von Adidas Originals.

 

Alle Artikelbilder: Julia Schoierer

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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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