Foto: Funk

ARD und ZDF für junge Leute: Was kann der neue Jugendsender Funk?

ARD und ZDF haben beim Angebot für junge Menschen bisher wohl eher versagt. Das soll sich jetzt ändern und zwar mit Funk. Marcia aus der EDITION F Redaktion ist altersmäßig genau in der Zielgruppe und hat sich die neue Plattform deshalb genauer angesehen.

 

17,50 Euro für nichts

Seit 2013 gibt es den „neuen” Rundfunkbeitrag. Das heißt, es wird nicht mehr danach abgerechnet, welche Endgeräte der Mediennutzung wir besitzen und nutzen, sondern jeder Haushalt hat einen Pauschalbetrag von 17,50 Euro zu zahlen, egal, ob er das öffentlich-rechtliche Angebot wahrnimmt, das dadurch komplett finanziert wird, oder nicht. Ich für meinen Teil, habe weder ein Radio noch einen Fernseher, ich nutze ausschließlich das Internet um mich zu informieren oder zu unterhalten und seitdem ich weiß, dass zum Beispiel das ZDF seine Praktikanten mit „dem guten Namen” bezahlt anstatt mit Geld, tun mir die 17,50 Euro sogar richtig weh. 

Ich zahle monatlich fünf Euro für Netflix und fünf Euro für Spotify und das tue ich gern. Das habe ich mir ausgesucht und dieses Angebot nutze ich auch fast täglich. Das öffentlich-rechtliche Angebot, für das ich mehr zahle als für meine ausgesuchten Angebote zusammen, nutze ich gar nicht. Aber warum? 

Es liegt wohl daran, dass ich kein Radio besitze und auch kein Auto, in dem sich ein Radio befinden könnte und wohl auch daran, dass ich keinen Fernsehanschluss zu Hause habe. Außerdem denke ich, wenn ich an ARD oder ZDF denke, erst einmal an „Sturm der Liebe” und „Rosamunde Pilcher” – beides heißgeliebte Formate meiner Oma. Auf Anhieb fällt mir kein Angebot, ein, das mich persönlich interessieren würde, außer ab und an die Tagesschau oder den Tatort. Ich habe auch noch nie gehört, dass jemand in meinem Alter gesagt hat: „Also, was die ARD da mal wieder am Samstagabend gebracht hat, war wirklich klasse!” Es war also eigentlich schon gesetzt, dass ARD und ZDF vielleicht in 30 Jahren meine Lieblingssender werden. Zahlen muss ich bis dahin trotzdem. 

Bye, bye staubiges Image

Das soll sich jetzt ändern, denn jetzt gibt es „Funk”, das junge Angebot von ARD und ZDF, mit dem 14- bis 29-jährige erreicht werden sollen und das nicht etwa ganz konventionell im TV, sondern da, wo sich die Zielgruppe aufhält: auf Facebook, Instagram, Snapchat, Youtube und generell im Netz. Das Motto ist: unterhalten, informieren, orientieren. 

Da ich genau in die Definition der Zielgruppe falle, habe ich mir das neue, junge Angebot, über das gerade alle reden, mal genauer angeschaut. 

„Hey! Wir sind funk, wir sind ARD und ZDF und wir sind kein Fernsehkanal. Wir sind ein Netzwerk mit Inhalten für 14- bis 29-Jährige – mit Inhalten für 15 Millionen Deutsche also. Wir produzieren Formate für unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Interessen. Zusammen mit allen Rundfunkanstalten, mit Partnern aus der Webvideobranche und jungen, talentierten MedienmacherInnen arbeiten wir an wissenswerten, kritischen, lustigen, unterhaltenden und hoffentlich fesselnden Inhalten.”

So steht es auf der Website von Funk und fasst gut zusammen, was hier gerade passiert: ARD und ZDF hatten bisher ein Problem dabei, junge Zuschauer zu erreichen, dem sie jetzt entgegenwirken wollen. Die interessierte nämlich nicht, was die Sender bisher zu bieten hatten. Funk soll das nun retten: mit ganz neuen Ansätzen, neuen Sendungen und neuen-alten Gesichtern. Klingt erst mal sehr vielversprechend und so gar nicht nach ARD und ZDF. Mit 39 eigenen Formaten geht Funk an den Start und da soll für jeden was dabei sein. Zumindest für jeden, zwischen 14 und 29. Außerdem hat die App neben den eigenen Inhalten, auch kostenlose US-Serien wie „Fargo” oder „Aliens” im Angebot. 

Doch Funk hat nicht nur amerikanische Serien an Land gezogen sondern auch bereits bekannte und beliebte Internetstars wie LeFloid oder Coldmirror, die Formate übernommen haben und regelmäßig neue Inhalte für die Plattform generieren. Kluger Schachzug Funk. Als ich mich stichprobenartig durch die verschiedenen Formate geklickt habe, musste ich, trotz der Vorurteile, die ich wohl immer noch aufgrund meines Rosamunde Pilcher-Traumas habe, zugeben, dass es einige Inhalte und Konzepte gibt, die ich wirklich gelungen finde. 

Was ich schon weiß: Die Snapchat-Soap „iam.Serafina” ist eher nichts für mich. Aber zu der Zielgruppe von Funk, gehören ja auch 14-jährige, an die ich das gerne weitergebe. 

Ständige Veränderung

Funk sagt über sich selbst, das es noch lange nicht fertig ist und wahrscheinlich auch nie sein wird. Das klingt wie eine Absicherung für in Zukunft floppende Formate, aber als Internet-Plattform ist das grundsätzlich ein richtiger und wichtiger Ansatz. Die Macher sprechen von stetiger Veränderung und Weiterentwicklung. Da es keinen monetären Erfolgsdruck gibt, bestehe die Möglichkeit sich auszuprobieren und zu verändern. Dafür steht Funk ab 2017 45 Millionen Euro zur Verfügung. Klingt nach richtig viel Geld, ist aber tatsächlich nur ein Prozent von dem, was in Deutschland jährlich über den Rundfunkbeitrag eingenommen wird. Man könnte also sagen, dass die öffentlich-rechtlichen ziemlich knausrig sind, wenn es um die jungen Leute der Gesellschaft geht. Denn ein bisschen mehr als ein Prozent der Gesellschaft machen die Jungen trotz des demographischen Wandels immer noch aus.

Bisher gibt es von vielen Formaten nur Trailer oder höchstens ein paar wenige Folgen, deshalb kann man noch nicht sagen, ob die versprochenen Konzepte auch in der Umsetzung punkten können. Ich persönlich bin besonders gespannt auf: „Auf Klo”, ein Format für Frauen und Mädchen, bei dem die Moderatorin Mai jede Woche eine Frau zu Gast auf der Frauentoilette hat, und auf  das Format „Jäger und Sammler”, das kritische Themen investigativ auf den Grund gehen, und dabei keine Angst vor Konfrontationen haben will – dafür zuständig sind Ronja von Rönne, Nemi El-Hassan und Friedemann Karig. Die erste Folge war zwar gut konzipiert, aber etwas schwammig umgesetzt. Eigentlich wollte die Muslimin El-Hassan ein Interview mit einem rechtsradikalen Rapper Makss Damage führen. Der hatte allerdings 300 Euro verlangt und wollte nicht über den Holocaust sprechen. Als Alternative wurde leider eine, wie Nemi selbst im Video sagt „light-Version” aufgetrieben, nämlich der Rapper Komplott, der über Ethik, Heimat und Werte rappt. Zwar beinhalten auch seine Texte Aussagen, die sehr stark nach rechts tendieren, aber das Gespräch war wohl nur halb so interessant, wie es mit Makss Damage hätte werden können, dessen Rap-Texte von Hass und Radikalismus geprägt sind. Gerade eine Muslimin im Gespräch mit ihm zu sehen, hätte eine Diskussion mit ernsthafter Konfrontation hervorrufen können. Die Antworten des Rappers Komplott waren hingegen kaum kontrovers und bot der Interviewerin kaum Möglichkeiten, nachzuhaken. Ich bin gespannt, ob das Team des Format es schafft, in die nächsten Folgen mehr Kontroverse zu bringen.

Von Funk allgemein erhoffe ich mir, dass aktuelle und wichtige Themen, qualitativ hochwertig für die junge Zielgruppe aufbereitet werden und nicht mit erzwungen lustigen oder provozierenden Formaten um die Gunst der jungen Leute gerungen wird. Ob es die 17,50 Euro wert sind, die ich jeden Monat zahle, wird sich herausstellen. Die Erwartungen sind jedoch hoch.

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