Foto: Carlos Magariños – Flickr – CC BY 2.0

So setzt ihr eure Körpersprache im Job ein

Der Daumen in der Faust, die Hüfte schwingt und der Kollege von nebenan steht in der Konferenz da wie ein Fußballer beim Freistoß. Unser Körper schweigt nie. Violeta Mikic, Expertin für Körpersprache, hat Carina Kontio im Interview erklärt, was im Berufsleben wichtig ist.

Körpersprache im Beruf

Violeta Mikic ist Expertin für Körpersprache und Business-Coach von Vorstandskräften bei Coca-Cola, Telekom, Lufthansa & Co. Sie kann einiges aus ihrer langjährigen Erfahrung berichten. Beispielsweise von Frauen, die sich als Führungskräfte den Hüftschwung abtrainieren wollen oder Männern, die wie dressierte Hunde agieren und ihre eigene Persönlichkeit unterdrücken. Im Interview mit Carina Kontio vom Handelsblatt hat sie erklärt, wie Frauen bewusst ihre Körpersprache einsetzen können – und mit welchen Gesten man im schlimmsten Fall seine Karriere behindern kann.

Liebe Frau Mikic, ich kann es kaum glauben, aber gibt es wirklich Frauen, die sich ihren Hüftschwung abtrainieren wollen?

„Nein, nicht wirklich. Sie wollen ihn sich nicht abtrainieren. Aber generell versteifen wir alle uns in Stresssituationen. Und bei Frauen ist das sichtbarer als bei Männern, weil der Hüftumfang bei Frauen ausgeprägter ist. Und deshalb wirken sie dann schnell unfraulich. Das passiert jedem von uns, mir auch. Es ist eine natürliche Reaktion in unangenehmen Situationen.“

Ein Beispiel aus meinem Berufsalltag. Die bevorzugte Haltung einiger männlicher Kollegen ist oft die sogenannte Feigenblattstellung: Sie stehen einfach da, wie Fußballer beim Freistoß. Müssen wir Frauen bewusst männliche Körpersprache übernehmen, wenn wir Erfolg haben wollen?

„Dieser Gestus gehört zum Sport. Keine Frau will sehen, wie ein Mann sein Gemächt zur Schau stellt oder vergrößert. Stellen Sie sich bitte einmal das frauliche Pendant dazu vor: Eine Frau steht auf der Bühne, die Arme überkreuzt und hält oder präsentiert mit den Händen ihre Brüste. Was würde man dazu sagen?“

Ich versuche gerade mir das Bild vorzustellen…

„Generell gilt: Wir sollten, unabhängig vom Geschlecht, in öffentlichen Situationen eine möglichst neutrale Körperhaltung einnehmen.“

Aber nehmen wir mal eine typische Frauenhaltung: Das linke Bein ist Standbein, die Hände sind vor dem Körper brav zusammengelegt. Kann ich meinen Chef so von meinen Führungsqualitäten überzeugen?

„Es kommt auf den Rest der Ausstrahlung an. Wenn die Stimme zu diesem Gestus piepsig ist, wird es schwierig. Wenn es eine zierliche Frau ist, wirkt sie zu zart. Bei einer großen, mächtigen Frau mit Tendenz zur „Überpräsenz“ kann dieser Gestus dagegen positiv wirken.“

Es gibt noch etwas, das Frauen besonders gerne machen: Sie verstecken den Daumen in der Faust. Was sagt diese Geste über unseren inneren Zustand aus?

„Eigentlich ist das ja erst mal eine positive Geste. Man drückt jemandem (oder sich) die Daumen. Im konkreten Fall muss jeder sich selbst fragen, wann und warum er diese Geste einnimmt. Sie kann für Menschen ja durchaus wohltuend sein. Zum Beispiel um eine Unsicherheit „wegzudrücken“. Oder man hält etwas in der Hand, das man jetzt noch nicht preisgeben oder kommunizieren möchte.“

Warum drückt unser Körper eigentlich oft etwas ganz anderes aus, als wir es eigentlich möchten?

„Wir möchten gerade in beruflichen Situationen oft Sachinformationen kommunizieren und achten nicht darauf, in welcher emotionalen Verfassung wir uns befinden. Statt sie bewusst wahrzunehmen und einzubeziehen, drücken wir sie weg. Und unser Körper zeigt diese Emotion an der ein oder anderen Stelle dann umso deutlicher, durch unsere Mimik, den Gestus, die Körperhaltung, die Tonlage der Stimme oder die Atmung.“

Es heißt, Körpersprache fängt bei den Füßen an – können Sie das kurz erklären?

„Mit den Füßen beginnt unsere Aufrichtung. Und deshalb bestimmen sie darüber, wie wir „im Leben stehen“. Ein Beispiel: Stehen wir auf den Fersen, was viele Menschen tun, sind die Knie durchgedrückt, die Hüfte eingeklemmt und der Oberkörper nach hinten gebogen. Dadurch hebt sich der Kopf und ich wirke evtl. arrogant, distanziert und zurückweisend.“

Violeta Mikic ist Expertin für Körpersprache und Business-Coach von Vorstandskräften bei Coca-Cola, Telekom, Lufthansa & Co.

Gibt es eigentlich spezielle Gesten, die besonders im Business nützlich sind, um den Weg auf der Karriereleiter zu beschleunigen?

„So generell kann man das nicht sagen. Wichtig ist immer, dass man Gesten zeigt, die zum Inhalt der verbalen Kommunikation passen – und nicht nebenbei eine andere Geschichte erzählen. Wenn ich mich unsicher fühle, sollte ich möglichst neutral in den Gesten bleiben. Und man sollte sich immer die Zeit nehmen, das Gegenüber zu beobachten, einzuschätzen und dann zu entscheiden, wie man seine Rede durch Gesten unterstreicht.“

Frauen mit Mitarbeiterverantwortung haben oft das Gefühl, die Männer ihre Anweisungen nicht ganz ernst nehmen. Warum ist das so und kann ich durch Körpersprache meinen Führungsanspruch gezielt untermauern?

„Die Frage ist doch zunächst mal: Warum fühlt sich die eine Frau ernstgenommen und die andere nicht? Das hängt natürlich immer auch mit der eigenen Sichtweise auf sich selbst zusammen. Erst wenn diese Frage beantwortet ist, kann man anfangen, an der eigenen Ausstrahlung zu arbeiten. Zwei Dinge sind aber generell wichtig: Erstens sollte man sicherstellen, dass ein Mitarbeiter auch wirklich zuhört, wenn ich mit ihm spreche, und nicht abgelenkt ist. Das tun wir viel zu selten. Und zweitens müssen wir körperliche Präsenz zeigen, wenn wir anderen Anweisungen geben. Also aufrecht sein, gradlinig, offen, dem Gegenüber im wörtlichen Sinne auch die Stirn bieten.“

Verändert eine berufliche Karriere eigentlich unsere Körpersprache?

„Ja, in den allermeisten Fällen verändert der berufliche Aufstieg auch unsere Körpersprache. Je höher man steigt, desto mehr wird man zu einer öffentlichen Person – und reagiert (unbewusst) darauf. Unabhängig von der öffentlichen Meinung man selbst zu bleiben und auch in Krisen ein gesundes Selbstwertgefühl zu behalten, ist eine große Herausforderung, vor der gerade Führungskräfte häufig stehen.“

Letzte Frage: Mit welcher Geste unterstreiche ich am besten meine Argumente für eine Gehaltserhöhung?

„Das können viele Gesten sein. Entscheidend ist, was sie mit dieser Geste kommunizieren. Stellen Sie sich vor, sie schlagen während des Gesprächs bei der entscheidenden Frage die Beine übereinander. Einmal sehr schnell, einmal normales Tempo und einmal lasziv langsam. Was denken Sie, welche Geste ist in dieser Situation am stärksten?“

Und was, wenn ich ein Mann bin und mein Chef eine Frau ist?

(lacht) „Dann bitte ich Sie, auf keinen Fall breitbeinig zu sitzen.“

Frau Mikic, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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„Die Zeiten ändern mich“, denn mein berufliches Glück habe ich erst spät gefunden. Meine Reise begann als Industriekauffrau bei einer mittelständischen Kerzenmanufaktur in Hessen. Eine kostbare und lehrreiche Zeit, die ich (35) nicht missen möchte. Dennoch: Schreiben, das bedeutet für mich Glück. Deswegen hängte ich 2002 den Job an den Nagel, um Volkswirtschaft zu studieren und parallel dazu die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft zu besuchen. Seit Januar 2012 bin ich Redakteurin im Unternehmens-Ressort bei Handelsblatt Online. Ich wäre aber auch eine reiche Frau, wenn ich mich pro Sporteinheit bezahlen lassen würde, denn ich bin fast schon besessen von Triathlon. Motto: „Bringe deine Feinde dazu, dich zu unterschätzen und du hast schon halb gewonnen“ (Napoleon). Nach einem Ausflug in die Hafenstadt Hamburg, wo ich für die Financial Times Deutschland arbeitete, sammelte ich zwei Jahre lang als Selbstständige und freie Texterin wertvolle Erfahrungen u.a. für das Wirtschaftsmagazin Capital und die Wirtschaftswoche.

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