Foto: Maximilian Salzer

Madeleine: „Bewusster Konsum ist auf Instagram kein Thema“

Madeleine Alizadeh bloggt über Mode. Vor einem Jahr entschied sie sich, ihrem unreflektierten Einkaufsverhalten eine Absage zu erteilen. Funktioniert das?

 

Nachhaltiger Lifestyle?

Perfekte Outfits, bunte Smoothies und rosige Wangen: Auf Lifestyle-Blogs und Instagram findet das schöne Leben statt. Ein Forum für faire Mode, die Auseinandersetzung mit untragbare Produktionsbedingungen oder Chemikalien in billigen Textilien, bietet die Plattform dagegen kaum.

Genau das schlug der Wienerin Madeleine Alizadeh aka Dariadaria irgendwann auf den Magen. Doch statt nur im Stillen mit der Situation zu hardern, begann sie ihr eigenes Einkaufsverhalten zu ändern und ihre Stimme nicht mehr nur für schöne Outfits, sondern auch für das Thema Nachhaltigkeit einzusetzen. Warum der Verzicht auf große Modeketten als unabhängige Vollzeitbloggerin nicht ganz einfach ist, auf welche Zertifikate sie beim Einkauf achtet und welche Klischees ihr auf die Nerven gehen, hat sie uns erzählt.

Madeleine, du hast Fotografie studiert. Kam die Leidenschaft dafür mit deinem Blog oder war das eher eine zusätzliche Plattform?

„Ich habe schon lange vor meinem Blog mit Fotografie zu tun gehabt, an der Graphischen in Wien den Zweig Fotografie belegt und später dann die Liebe zur Modefotografie entdeckt.“

Wer ist die typische Dariadaria-Leserin?

„Nicht so jung wie das übliche Blog-Publikum. Meine LeserInnen sind fast alle im Studium oder schon berufstätig, kritisch und selbstbewusst.“

Vor rund einem Jahr hast du dich entschieden, privat nicht mehr bei den gängigen großen Modeketten einzukaufen. Wie kam es dazu?

Mit der wachsenden Reichweite habe ich mich gefragt: Wozu nutze ich die Stimme die ich habe? Für viele Blogger sind die Leserzahlen abstrakt, täglich lesen tausende von Menschen was man schreibt. Doch würde man die selben Botschaften verbreiten, würde man persönlich mit all diesen Menschen sprechen? Mich hat es einfach traurig gemacht, dass ich durch Instagram gescrollt habe und bewusster Konsum nie ein Thema war. Auf jedem Blog ging es nur um’s Einkaufen und vor allem um’s billiger, mehr und öfter Kaufen, ohne dass dabei thematisiert wird, wieso ein T-Shirt bei Primark nur zwei Euro kostet. Oder dass Zara Kollektionen auf chinesischen Schiffen hergestellt werden, nur dass Blogger die Laufsteg-Kopien so schnell wie möglich bewerben können. Viele wissen das alles nicht. Ein weiterer Auslöser war die Dokumentation „Gift auf unserer Haut“, in der es um Ledergerbereien in Bangladesch geht.“

Auf welche Zertifikate achtest du beim Kauf?

„Auf GOTSOeko-Tex 100 und die Fair Wear Foundation.“

Inzwischen sind einige Monate vergangen. War die Umstellung schwer?

„Ja natürlich und 100% nachhaltig lebe ich ja auch nicht. Schwierig war es etwa lukrative Kooperationsangebote von Firmen abzulehnen, die ethisch einfach nicht mehr reingepasst haben. Es ist nach wie vor eine Gratwanderung und solange ich Dariadaria hauptberuflich und in Vollzeit betreiben möchte wird es unmöglich sein den Blog vollkommen ethisch korrekt zu führen und gleichzeitig davon leben zu können.

Ist das für dich die größte Hürde im Umgang mit Fair Fashion?

„Es ist einfach schwierig einen unabhängigen Blog zu schreiben. Ich habe keinen Verlag der mich finanziert, sondern bin von Einnahmen abhängig. Nachhaltige Labels sind oft klein und haben nicht die Budgets großer Konzerne. Dass ich die meisten Anfragen ablehne sieht der Leser ja nicht. Was man seit einem Jahr auf dem Blog sieht ist wesentlich nachhaltiger als das was zuvor zu sehen war. Nachhaltige Labels unterstütze ich auch gerne kostenlos und versuche sie zu pushen. Ein anderes Problem ist mein modischer Anspruch und dass nachhaltige Mode leider nach wie vor oftmals nach Öko aussieht. Natürlich gibt viele coole Labels, aber als Bloggerin muss ich auch immer darauf achten dass der Preis vertretbar ist. Ein Mantel für 1.500 Euro ist einfach nicht drin – es ist also wirklich schwierig den richtigen Grat zwischen leistbar, modisch und nachhaltig zu finden.“

Du hast in Wien und Mailand studiert, was unterscheidet die Städte in Sachen Mode?

„In Mailand gehen die Frauen sehr selbstbewusst mit Mode um: sie trauen sich viel mehr. In Wien wird man schon beäugt wenn man tagsüber hohe Schuhe trägt. Hier ist alles klassischer und konservativer. Ich möchte meine Leserinnen dazu ermutigen sich mehr zu trauen.“

 

Den Bewohnern beider Städte sagt man eine gewisse prätentiöse Attitüde nach. Ein Klischee?

„Ich halte nicht viel von solchen Generalisierungen. Das ist so als würde man sagen „italienische Männer sind Machos“. Ich bin mit einem Italiener zusammen und kann eines bezeugen: Er ist definitiv kein Macho sondern das krasse Gegenteil.“

Apropos Klischees: Welches nervt dich als Modebloggerin am meisten?

„Puh da gibt’s viele! Von Augenrollen bis hin zu: „Mit Selfies würde ich auch gern mein Geld verdienen“, hab ich schon alles gehört. Man braucht auf jeden Fall eine dicke Haut!“

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