Foto: Instagram| Madonna

Zu alt für die Bühne? Madonna hält das für Schwachsinn!

Im Interview mit Harper’s Bazaar hat Madonna ein paar fantastische Punkte gemacht: zu ihrer Person, zum Alter und zur Politik.

 

Von Madonna können wir alle noch überraschend viel lernen

Vor einem Monat wurde Madonna von Billboard zur „Woman of the Year“ gekürt. Hier hat sie uns durch eine bewegende Rede einen kleinen Einblick darin gewährt, was es bedeutet, eine Frau im Musikbusiness und in der Kunst zu sein. Und sie bleibt nicht still: im Interview mit Harper’s Bazaar äußerte sie sich jetzt zu ihrem Alter, den Illusionen im Hinblick auf Ruhm, Hollywood und schöne Menschen und zu der aktuellen politischen Lage in den USA.

Das Interview führte Roxane Gay, Urheberin n des Begriffs „Bad Feminist“, zu dem sie ein gleichnamiges Buch geschrieben hat. Bei einer gemeinsamen Weinprobe in Madonna Wohnung unterhalten die beiden Frauen sich über die Themen, die Madonna schon immer bewegt haben: der Kampf für Frauenrechte, LGBT-Rechte, die Civil-Rights-Bewegung, kurz der Kampf für die Außenseiter. Denn auch sie habe sich immer unterdrückt gefühlt, erzählt die Pop-Ikone. Madonna, die Queen of Pop, hat sich unterdrückt gefühlt? Ja, auch als weißer, erfolgreicher, reicher Popstar können einem furchtbare Dinge widerfahren. Madonna begründet das damit, dass sie eine Frau ist. Und damit, dass sie sich immer geweigert habe, ein konventionelles Leben zu führen.

Viele fühlen sich von Madonnas Lifestyle angegriffen

Ein konventionelles Leben führt die 58-Jährige tatsächlich nicht. Aber das will sie auch nicht. Sie ist sich bewusst, dass ihr Lifestyle – 30 Jahre jüngere Lover, halbnackte Bühnenperformances, provokante Auftritte in jeder Kunstform – bei vielen Unbehagen auslöst. Dabei provoziere sie nicht um der Provokation willen. Sie tue schlicht und ergreifend das, was ihr Spaß mache. Sie sei Künstlerin, um die Menschen zu inspirieren, um ihre Herzen zu berühren, um sie mit neuen Augen auf ihr Leben blicken zu lassen. Man sei immer entweder Teil von Kreation oder von Zerstörung, so Madonna, und ihre Kunst solle Teil der kreativen Evolution sein. Es sei für sie der einzige Weg gewesen, wie sie es überstehen konnte, von Liebhabern, Familienmitgliedern und der Gesellschaft immer wieder betrogen zu werden. Für sie ist die Kunst wie Atmen: unvorstellbar, es nicht zu tun. 

„I don’t believe there’s a certain age where you can’t say and feel and be who you want to be.“

Dennoch wird Madonna immer wieder gefragt, wann sie aufhöre. „Bist du nicht schon lange genug im Business? Hast du nicht schon genug Erfolg gehabt? Bist du nicht langsam ein bisschen zu alt dafür?“ Zwar hat sie ihre goldenen Jahre klar hinter sich gelassen und sie ist auch offensichtlich kein Teenager mehr – aber warum sollte sie sich davon stoppen lassen, das zu tun, was sie liebt? Warum sollte sie nur des Alters wegen das zur Ruhe legen, was sie am Laufen hält, was ihr Luft zum Atmen gibt? Madonna sieht auch hier ein sexistisches Problem: Keiner frage Steven Spielberg, warum er noch Filme macht und ob er nicht erfolgreich genug sei. Keiner sei zu Picasso gegangenen und habe gesagt: „Du bist 80 Jahre alt, hast du nicht langsam genug Bilder gemalt?“ Madonna kann und möchte das nicht so hinnehmen. Ihr Statement: Sie mache so lange weiter, bis sie keine Lust mehr habe und höre erst auf, wenn sie keine Ideen mehr habe. Oder: „Wenn ihr mich verdammt nochmal umbringt.“

Amerikanische Politik: für Madonna ein Albtraum

Doch nicht nur über sich selbst sprach die Sängerin im Interview. Sie kündigte auch an, dass sie in Zukunft verstärkt einen politischen Standpunkt einnehmen wolle. Sie sei politisch lege großen Wert auf freie Meinungsäußerung und setze sich gegen Zensur ein. Sie sei von ganzem Herzen davon überzeugt, dass allen Menschen die gleichen Rechte zustünden. Und nach wie vor sei es ihr Standpunkt, dass Frauen im vollen Besitz ihrer Sexualität sein und sich sexuell ausdrücken dürfen sollten. Darüber, dass Donald Trump der gewählte Präsident der vereinigten Staaten ist, sei sie noch immer nicht hinweg gekommen: 

„You wake up and for a second you’re just you, and then you go ,Wait a second. Donald Trump is the president. It’s not a bad dream. It really happened.‘ It’s like being dumped by a lover and also being stuck in a nightmare.“

Hollywood und die Musikbranche seien derweil recht ruhig geblieben, kritisierte Madonna. Es habe den ein oder anderen Aufschrei gegeben, wie erst kürzlich bei den Golden Globes von Meryl Streep, doch die Sängerin findet es erstaunlich, wie ruhig alle in ihrer Industrie geblieben seien. Warum das so sei? Madonna glaubt, dass viele aufgrund neutral bleiben wollte, um nicht ihre Popularität zu gefährden. Seine politische Meinung öffentlich zu äußern, sei sehr gefährlich für eine Karriere, jeder habe Angst. Und weil Donald Trump ihren Alltag noch nicht beeinträchtige, blieben alle still. Doch sie wolle das nicht weiter mit ansehen. 

So hat Madonna, die Queen of Pop, uns erneut bewiesen, dass so viel mehr als ein alt gewordene Popstar in ihr steckt. Dass sie eine Frau mit Geschichte und Erfahrungen ist, die sie selbst immer wieder reflektiert und andere zum Nachdenken anregen können. Sie hat es gewagt, ihr Ding durchzuziehen und bis heute das zu machen, was sie glücklich macht – entgegen der Meinungen der Gesellschaft, der Industrie oder oder ihrer Männer. Davon könnten wir uns alle eine kleine Scheibe abschneiden!

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