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Milena Jäckel: „Ich habe eine Marktlücke gesehen und losgelegt”

Milena ist Designerin für Tech-Accessoires. Warum sie genau dieser Bereich reizt und welche Trends gerade aktuell sind, hat sie uns erzählt.

 

„Ich bin ein kleiner Techie“

Vor rund drei Jahren Jahren, kurz nach dem Ende ihres Studiums, gründete Milena Jäckel ihr Tech-Accessoire Label Iphoria. Und dann ging alles auf einmal ganz schnell. Die auffälligen Smartphone-Hüllen fanden schnell den Weg in die Presse und auf Modeblogs und während sich Milena die erste Veröffentlichung noch über den Schreibtisch hängte, würde das heute wohl den Rahmen sprengen. Wir haben mit der jungen Designerin gesprochen.

Milena, du bist Designerin. War deine berufliche Laufbahn schon immer gesetzt oder hast du dich auch mal in anderen Jobs umgesehen?

„Ich bin einerseits super kreativ und denke andererseits sehr strategisch. Mode war schon immer meine große Leidenschaft, aber nach meinem Schulabschluss war ich sehr unschlüssig, welches Studium ich wählen sollte. Ich habe 2008 dann angefangen, Modedesign zu studieren, aber relativ schnell gemerkt, dass es mir nicht reicht, nur meine kreative Seite zu fordern, habe dann in eine komplett andere Richtung umgeschwenkt und mit International Management angefangen. Um während meines zweiten Studiums trotzdem einen Fuß in der Modebranche zu behalten, habe ich meine  freie Zeit genutzt und viele Praktika in der Modebranche gemacht – eigentlich in allen Bereichen, vom Design über Retail bis zur PR. Das hilft mir jetzt immer noch, alle Perspektiven zu verstehen. Während meines letzten Jahres im Studium im Jahr 2012 ist dann so langsam die Idee zu meinem Label Iphoria gereift, mit dem ich meine zwei Seiten perfekt kombinieren kann. Ich kam nach Berlin, habe mich in die Stadt verliebt und plötzlich war der richtige Zeitpunkt da, das Ganze in die Tat umzusetzen.”

Wie kamst du dann gerade dazu, Smartphone- und Tablet-Hüllen zu designen?

„Ich bin auf jeden Fall ein kleiner Techie, zumindest finde ich sinnvolle Produkte, die einen Zusatznutzen haben, spannend. Vor allem, wenn diese dann auch noch toll aussehen. Ich habe im Modemarkt eine Lücke gesehen – die Kategorie ,Tech Accessoires‘ war damals gerade erst im Entstehen, und Mode-Einkäufer haben begonnen, sich dafür zu interessieren. Zudem habe ich selbst gerade was für mein Telefon und mein Ipad gesucht und gemerkt, dass es schon ein paar Sachen gab, aber keiner hat eine wirklich umfassende Kollektion für alle technischen Devices gemacht und diese auch wirklich als Mode-Accessoire begriffen.”

Dein erste Kollektion hat schnell Aufmerksamkeit bekommen. Wie erinnerst du dich an diese Zeit?

„Das war wirklich eine intensive Zeit, meine Nerven waren gespannt wie Drahtseile, wir hatten Monate auf den offiziellen Presse-Launch und auf die erste Messe während der Fashion Week hier in Berlin mit meiner PR-Agentur hingearbeitet. Und plötzlich ging dann alles ganz schnell: Das Fachmagazin ,Textilwirtschaft hat uns als eines der ,Labels to Watch 2012 gewählt und parallel hatten wir die ersten Veröffentlichungen in den Zeitschriften. Die erste habe ich immer noch eingerahmt bei mir auf dem Schreibtisch. Die Einkäufer kamen zu uns und fanden Iphoria toll. Und der Name ist Programm, denn ich war wirklich in kompletter Euphorie, als ich meine eigenen Accessoires das erste Mal in den Schaufenstern sah. Gleichzeitig war ich gar nicht auf das Wahnsinns-Feedback vorbereitet. Was dann kam, war ganz viel Learning-by-doing, ich hoffe, das hat man nicht so gemerkt.”

Deine Entwürfe sind sehr bunt und auffällig. Wer kauft bei dir ein?

„Ich habe natürlich eine bestimmte Frau im Kopf, wenn ich mit der Kollektion anfange – aber möchte mich nicht auf eine bestimmte Kundin festlegen. Meine Entwürfe sollen die besonderen Stücke im Kleiderschrank sein. Wir machen ja jetzt neben Tech-Accessoires mittlerweile viele andere Produkte, von Kosmetiktaschen und Clutches bis hin zur ersten Kaschmir-Linie, bestehend aus Cardigans und Pullis im typischen bunten Iphoria-Stil. Die Frau, die unsere Produkte kauft, mag wahrscheinlich genau das.”

Wo holst du dir die Inspiration für deine Entwürfe?

„Iphoria kommt ja von Euphorie – ich bin damals nach Berlin gekommen und mich hat diese Stadt mit ihren vielen Facetten so beeindruckt, dass die Kreativität einfach aus mir heraussprudelte. Nach wie vor reise ich viel, mittlerweile zwar fast nur noch beruflich, aber ich versuche dabei immer, diesen bestimmten urbanen Vibe einer Stadt aufzunehmen und in die Produkte zu übersetzen. Ich fotografiere alles, was mir so begegnet. Die Kollektionen sind deshalb meist auch thematisch benannt, es gab schon ,Orient Express, ,From Paris with Love, ,Babuschka und vieles mehr.”

Gibt es eigentlich eigene Trends für Smartphone-Hüllen?

„Oh ja, die gibt es. Mittlerweile ist es: ,the bigger the better. Sonst richten sich alle Accessoires natürlich nach den Modetrends im Allgemeinen. Ein großer Trend ist im Tech-Accessoires-Bereich vor allem aber die Zusatzakku-Thematik, weil unsere Telefone ja ständig leer sind, wenn man es unterwegs am dringendsten braucht. Wir haben da zum Beispiel die ,Power Purse, eine Kosmetiktasche für unterwegs, in der ein Charger integriert ist, oder die ,Power of Love, ein Zusatzakku für unterwegs in Herzform, der praktischerweise leuchtet, damit man ihn in der Tasche findet. Das sind im richtigen Moment echte Lebensretter und sind momentan sehr stark nachgefragt.”

Entsprechen die Designs auch deinem perönlichen Stil? Oder anders gefragt, wie wichtig ist dir, dich über Mode auszudrücken?

„Ich drücke mich gerne über Mode aus und es macht mir Spaß, immer wieder in andere Rollen zu schlüpfen – je nachdem, wie man sich gerade fühlt. Was ich nicht mag, ist, wenn das alles zu viel Platz einnimmt, man alles zu ernst nimmt. Lässigen, ungewollten Chic finde ich viel sympathischer als geplante Outfits, die stundenlanger Überlegung bedürfen. Iphoria entspricht komplett meinem persönlichen Stil, etwas anderes könnte ich gar nicht machen!”

Was ist eigentlich deine liebste Hülle?

„Momentan liebe ich das Eiscreme-Case mit integriertem Spiegel. Das entspricht meiner Sommerlaune und rettet vor Lippenstift-Patzern.” (lächelt)

Was hast du zuletzt mit deinem Smartphone fotografiert?

„Unseren Office-Hund Anton. Von ihm haben wir eine ganze Galerie.”

Alle Artikelbilder: Iphoria

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