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Liebe Gynäkolog*innen: Die Pille ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel – kein Lifestyle-Produkt

Wer sind „wir“ als Gesellschaft, was muss sich verändern und wo wollen wir hin? Das sind Fragen, auf die es mit jeder neuen Perspektive auch neue Antworten gibt. In unserer Kolumne „Reboot the System“ gehen ihnen deshalb verschiedene Autor*innen zu unterschiedlichen Themenbereichen nach. Heute mit: Natalie Grams

Erste Untersuchung – und gleich die Pille verschrieben

Die Teenager-Tochter einer guten Freundin, die Apothekerin ist, war kürzlich zum ersten Mal bei der Gynäkologin. Eigentlich nur zum ersten Kennenlernen und Untersuchen, zurück kam sie jedoch mit der Pille. In einem hübschen Schächtelchen, schick designed, alles easy. Meine Freundin war völlig perplex, rief mich an und wir tauschten uns aus. Für die Tochter meiner Freundin ging es noch gar nicht um das Thema Langzeitverhütung. Für uns war nicht nachvollziehbar, warum eine Pille, und noch dazu eine der neuen Generation, so rasch und ohne große Aufklärung verordnet wurde („Kann Thrombose machen, aber vor allem die Haut schön!“).

Dabei fiel uns auf, dass wir wohl zu einer „alten Pillengeneration“ gehören. Für uns war die Pille notwendiges Mittel zum Zweck, wir nahmen sie, weil es eben sein musste, litten unter den Nebenwirkungen, nahmen sie in Kauf, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern und waren elend froh, sie irgendwann nicht mehr nehmen zu müssen, als die Familienplanung begann. Die Pille als Verhütungsmittel gibt’s seit 1961. Sie funktioniert über eine Kombination von Hormonen, die dem Körper vorgaukeln, bereits schwanger zu sein – und dadurch nicht mehr schwanger werden zu können. Verwendet werden verschiedene Hormonkombinationen, die im Laufe der Zeit immer neu kombiniert und niedriger dosiert wurden, vor allem, um die Verträglichkeit zu steigern und Risiken zu minimieren. Denn wie alle potenten Arzneimittel hat die Pille auch unerwünschte Wirkungen.

Konkretes Risiko: Thrombose

Gefürchtet sind schlimmstenfalls neben emotional-seelischen Veränderungen wie depressive Verstimmungen, Depressionen und sogar Selbsttötungsgedanken auch Libidoverlust, Kopfschmerzen, Zwischenblutungen, Schmerzen in den Brüsten oder – weitaus weniger schlimm, aber immer noch belastend – Übelkeit. Konkretestes Risiko ist aber vor allem das Auftreten von sogenannten venösen Thromben. Das sind verschleppte Gerinnsel im Blut, die lebenswichtige Gefäße verstopfen und beispielsweise zu Lungen- oder Hirnembolien führen können. Eine lebensbedrohliche, mitunter tödliche und nicht zu unterschätzende Gefahr. Und genau dieses schlimmste Risiko lässt sich durch eine Dosisreduktion der Östrogen-Komponente und durch die Auswahl eines risikoarmen Gestagens vermindern.

Es ist so: Alle Pillen, die als Wirkstoff ein Östrogen und ein Gestagen enthalten, verhüten etwa gleich zuverlässig. Sie unterscheiden sich allerdings in ihrem Risiko, ein solches Blutgerinnsel und dadurch lebensbedrohliche Verschlüsse von Blutgefäßen auszulösen. Der Unterschied wird verursacht durch den jeweiligen Gestagen-Bestandteil. Bei „modernen Pillen“ der so genannten 3. und 4. Generation ist das Risiko für Thrombosen und Embolien im Schnitt doppelt so hoch wie bei Präparaten der 2. Generation mit einem verträglicheren Gestagen wie Levonorgestrel. Das ganze Generationen-Ding hat man eingeführt, weil man sich von neueren Pillen eigentlich eine Verbesserung, eine Evolution, erhofft hat, aber nach der Überprüfung der wissenschaftlichen Daten hat sich gezeigt, dass es bei allen Pillen der neuen Generationen zu höheren Risiken kam. Also sehen die neuen Generationen eigentlich ziemlich alt aus.

Neu ist nicht automatisch besser

Analysen von Verordnungsdaten beispielsweise der Techniker Krankenkasse zeigen, dass ab dem 17. Lebensjahr schon mehr als die Hälfte der jungen Frauen die Pille nimmt, mit 19 Jahren sind es schon über 80 Prozent – und zwar meist eine der neuen, also der 3. und 4. Generation. Bei diesen Präparaten, beispielsweise solche mit dem Hormon Drospirenon, ist das Risiko für venöse Thromboembolien deutlich höher als bei den bewährten Pillen , in denen als Östrogenanteil Ethinylestradiol und als Gestagenanteil Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron kombiniert sind. Neu ist hier nicht automatisch besser – im Gegenteil handelt es sich hier um einen der nicht seltenen Fälle in der Medizin, in dem altes Wissen und alte Mittel besser sind als Neues und angebliche Innovationen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät deshalb schon seit 2013 von einer Erstverordnung einer „neuen Pille“ bei jungen Frauen ab und hat im März 2014 entschieden, dass in den Fachinformationen für Ärzt*innen und Apotheker*innen sowie in der Packungsbeilagen („Beipackzettel“) für die Mehrzahl der Pillen der 3. und 4. Generation auf das größere, mitunter doppelt so hohe Thromboserisiko hingewiesen werden muss. Das wird seither auch getan, aber die gelebte Praxis zeigt sich in anderen Zahlen: Die neuen Pillen wurde lange Zeit trotz der Sicherheitsbedenken und ausdrücklichen Warnungen seit ihrem Markteintritt immer mehr verordnet – und immer früher. Im Dezember 2018 wurde übrigens bekannt, dass zu den kritischen Gestagenen auch das Dienogest gehört, das sich in der aktuell meistverordneten Pille „Maxim“ neben einem Östrogen befindet und über das die Herstellerfirma Jenapharm bisher immer behauptet hatte, es sei vom Risiko her mit dem Levonorgestrel in den Pillen der 2. Generation vergleichbar.

Tausende betroffene Frauen mehr

Die neuen Daten zeigen, dass diese Einordnung nicht stimmt, sondern auch Maxim zu den risikoreicheren Pillen gehört. Da aber allein in Deutschland etwa sechs bis sieben Millionen Frauen Jahr für Jahr die Pille nehmen, haben auch gering erscheinende Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit von Blutgerinnseln und Lungenembolien erhebliche Folgen für die Häufigkeit in absoluten Zahlen. Hier geht es um Tausende betroffene Frauen mehr! Alle Statistik ist wertlos, wenn man diejenige ist, die die Embolie trifft. Sehr eindrücklich nachzulesen unter dem Schlagwort „Mythos Einzelfall“ in Selbsthilfe- und Aufklärungsforen  der Geschädigten. In den USA wurden Hersteller*innen bereits von mehr als 10.000 Betroffenen verklagt, die Nebenwirkungen wie Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfälle erlitten hatten.

Leider gab es aber bisher keinen Gerichtsprozess mit einem klaren Urteil, die Firmen einigten sich außergerichtlich mit den Frauen, um ein Urteil zu vermeiden, auf das sich andere Frauen beziehen könnten. Auch in Deutschland wurde bereits dagegen geklagt, dass auf das erhöhte Thromboseriskio nicht oder nur unzureichend hingewiesen wird und dadurch eine lebensbedrohliche Embolie auftrat. Leider ist der Prozess aber bisher nicht entschieden. Auch hier wurde vom Gericht eine außergerichtliche Regelung empfohlen, die geschädigte Frau möchte aber endlich ein Urteil erreichen, um anderen Frauen auch Mut zu machen, gegen den starken „Gegner“ Pharmaindustrie, in diesem Fall gegen die Firma Bayer, angehen zu können. Natürlich sind Beweise in jedem bedauerlicherweise Einzelfall zumeist schwierig, denn die Statistik zeigt nur Wahrscheinlichkeiten und nicht Kausalität.

Wieso dringen die Warnungen nicht durch?

Zwei Filme der ARD „Risiko Pille – Was wir wussten“ und „Todkrank durch die Pille“ arbeiten das Dilemma in halbdokumentarischer Weise und als Spielfilm auf. Doch irgendwie dringen all diese Warnungen nicht wirklich durch. Offenbar auch nicht zur Frauenärztin der Tochter meiner Freundin, was ich wirklich bedenklich finde. Sie ist schließlich die Fachfrau, die darüber entscheidet, welche Pille die jungen Mädchen oder Frauen einnehmen!

Also: Reboot the System. Wir müssen vor allem noch mehr aufklären und die Gefahren sichtbar und bekannt machen. Denn nach allem, was wir wissen, werden offenbar mehr und mehr junge Frauen auf die riskanteren „neuen Pillen“ gesetzt, allen Risiken zum Trotz und obwohl die alten Pillen der 2. Generation genauso wirksam sind, was die Verhütungssicherheit angeht. Und die traurige und einfache Antwort darauf, warum das so geschieht, ist: Marketing.

Eigentlich ist in Deutschland die Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel verboten. Und die Pille ist verschreibungspflichtig. Doch die Pharmaindustrie ist schlau darin, ihre Marketingbotschaften an die Zielgruppe der jungen Frauen heranzubringen. Dank Internet und Influencerinnen gelingt das auch recht gut. Weil Haare schön, Busen doll und überhaupt alle happy. Videos auf Instagram und Youtube von glücklichen Userinnen, scheininformative Webseiten, die nicht wirklich über das Risiko, aber über allerlei anderes informieren, jugendliche Sprache und Aufmachung und teils kleine Beauty-Gadgets sorgen mit dafür, dass die Pille nicht mehr als potentes und nebenwirkungsbehaftetes Hilfsmittel zur Verhütung gesehen wird, sondern als trendy, easy Must-have, das auch die Haut strahlen lässt. Puh!

Marketing und Hochglanzbroschüren

In diesem Fall ist es gut gegangen, meine Freundin wusste als Apothekerin über die Risiken Bescheid und hätte ihrer Tochter eine andere Pille geben können, beziehungsweise erstmal gar keine, denn es gibt ja auch nicht-hormonelle Möglichkeiten zur Verhütung. Zumal hier der „Grund“ überhaupt noch nicht so drängend war, dass gleich an eine dauerhafte Verhütung gedacht werden musste. Doch offenbar wusste die Fachfrau Gynäkologin hier entweder nicht Bescheid über die Risiken der neueren Pillen oder sie ließ sich von etwas anderem leiten als der wissenschaftlichen Risiko-Nutzenabwägung (Marketing, Hochglanz-Broschüren der Hersteller*innen).

Also, lasst uns an der Stelle und in der Situation klar bleiben und festhalten – wichtig und zum Weitersagen: Pillen mit dem Gestagen Levonorgestrel sollten – wenn überhaupt – aufgrund ihrer besseren Nutzen-Schaden-Bilanz bevorzugt verordnet und eingenommen werden, wenn es keine wichtigen Gründe gibt, die dagegen sprechen (in erster Linie Unverträglichkeitsreaktionen, die aber zumeist nach drei Monaten wieder vergehen). Gerade auch Erstanwenderinnen wie der Tochter meiner Freundin sollten diese Präparate verschrieben werden. Meist wird die Pille dann ja über viele Jahre hinweg eingenommen und da summiert sich das Risiko auf.

Und noch wichtiger: Die Pille ist ein Mittel, das gesunden Frauen gegeben wird, um eine ungewünschte Schwangerschaft zu verhindern, nicht primär ein Medikament, das kranke Frauen als Therapie oder zur Symptomlinderung einnehmen müssen. Die Risikoabwägung der Nebenwirkungen muss hier also immer ganz anders und deutlich kritischer vorgenommen werden; die Pille ist kein Heilmittel. Aber bitte versteht mich auch nicht falsch: Als Verhütungsmittel ist die Pille natürlich wirksam und oftmals unverzichtbar; sie hat die Selbstbestimmung der Frau, die Emanzipation, mit ermöglicht und viel Leid verhindert. Wohlgemerkt als Arzneimittel, nicht als Lifestyleprodukt. Die gute Nachricht zum Schluss: Neueste Zahlen zeigen, dass die Verordnungen der „neuen Pillen“ zum Glück leicht zurückgehen .

„Reboot the System“ ist eine Kolumne von verschiedenen Autor*innen im Wechsel. Mit dabei: Rebecca Maskos (inklusive Gesellschaft), Sara Hassan (Sexismus), Josephine Apraku (Diskriminierungskritik), Elina Penner (Familienthemen), Natalie Grams (Gesundheit / Homöopathie) und Merve Kayikci (Lebensmittelindustrie).

  1. Ich habe die pille 4 Jahre lang genommen und hatte viele Nebenwirkungen z.b.Kopfschmerzen Knochen schmerzen schwach brust schmerzen Unterleib schmerzen.ich nehme die pille seit 7 monate nich mehr und mir geht es körperlich viel besser also lag das wohl an der Pille. Und weiß jetzt nun nich mejr wie ich verhüten soll da ich nix künstliche nehmen möchte.

  2. Super vieen dank für den artikel bin ganz ihrer meinung meine tochter hat auch die maxim genommen und sie srlber hat gemerkt das die pille ihr nicht gut tut sie hat sie abgesetzt…..die frauenärztin hat uns nicht über die thrompose gefahren informiert und es ist eine frechheit das die pille so vermarktet wird hauptsache das geld dtimmt der mensch interresiert nivht

  3. Guten Tag

    Finden den Artikel sehr gut.
    In dieser Form macht sich in unserer Gesellschaft keiner Gedanken.
    Wenn ich jetzt schreiben würde wäre es vieles Ei e Wiederholung.
    Bin vom Beruf Pta und Tag täglich überreiche ich privat – sowohl GKVerordnugen mit Pille.
    Mir tut es weh.
    Bin selbst betroffen habe jahre lang die Pille genommen (Maxim Valette, Cerazette, Jaydess als Spirale) leider wenig Erfolg.
    Da ich Venen Entzündung hatte.
    Zur Zeit wissen wir nicht wiees weiter gehen soll.
    Bin Mutter von 2 Kindern.
    Liebe meine Töchter überalles.
    Aber das bedenken habe ich auch wie es in paar Jahren mit denen weiter geht.
    Ich finde es auch sehr wichtig, daß jemand sich so ausführlich mit der Thematik befasst und sich auch traut etwas zubewegen.
    Heute zutage wird alles hingenommen wie es ist. Leider

    Vielen lieben Dank fürs Lesen.

  4. Hallo,

    „Eine Verhütung zu wählen, die dem eigenen Körper nicht schadet, ist ein Ausdruck von Selbstliebe“

    Ich bin 46 Jahre und habe mich selbst auf die Suche nach einer geeigneten Lösung gemacht.
    Für meinen neuen Gynäkologen gab es nur die Hormonspirale oder die Pille der neuen Generation.Eindeutig pharmagesteuert- an Unwissenheit kann ich einfach nicht glauben. Ärzte sind da, um Menschen zu heilen oder Krankheiten zu verhindern und nicht um sie krank zu machen.

    Durch meine angebliche Sympatie habe ich es im Mai 2019 nun geschafft, dass mein Gyn bereit war mir die Goldspirale zu inserieren.
    Obwohl ich angeblich die erste Frau war die diesen Wunsch äußerte.
    Und ich bin so glücklich mit meiner Entscheidung- alles was mir an Nebenwirkungen aufgezählt wurde ist nichts von eingetreten. Meine Periode ist durch die Goldspirale Nebensache geworden.Die Insertion völlig schmerzfrei,kaum Blutungen und kaum Schmerzen während der Periode.😃

    liebe Grüße
    ihre Zwillingsmama
    Doreen

  5. Hallo,

    noch ergänzend dazu aus eigener Erfahrung: wird eine Pille nicht vertragen, kommt die nächste, wird diese wieder nicht vertragen, wieder die nächste usw. zudem wird teilweise nicht darüber aufgeklärt, dass sich eine Pille (in meinem Fall damals die Yaz), noch in der „Probezeit“ befindet – in den USA sind damals zur gleichen Zeit 4 junge Frauen wegen zu starkem Gewichtsverlust und daraus resultierender Magersucht gestorben… ich hab in 4 Wochen knapp 10kg abgenommen, hatte 3x pro Woche Migräne…. Die Risiken werden weder erläutert, noch wird man darüber informiert, welche Nebenwirkungen auftreten können bzw. sich erkundigt, welche Beschwerden vorliegen. Als Migräne Patientin hätte ich die yaz niemals nehmen dürfen aufgrund des hohen Thromboserisikos. Das ist nun über 10 Jahre und mein Körper hat immer noch damit zu kämpfen – PCO, Allergien, Hautprobleme etc. Das glaubt aber kein Arzt – es wird wieder empfohlen, die Pille zu nehmen. Es geht nur noch um Profit und den Erfolg der Pharmaindustrie – ein NEIN, ich möchte keine Pille, wird oftmals mit einem „dann kann ich ihnen nicht helfen“ beantwortet mit der Ergänzung „dann müssen sie damit rechnen, unfruchtbar zu werden“ – ich bin 27!
    Alternative Heilmethoden, die Rolle der Ernährung, Sport, Lebenseinstellung, Entspannung etc. Wird in der Behandlung vernachlässigt – daran wird nicht mal gedacht und dies auch noch belächelt. Ein System Reboot muss dringend geschehen! Das Wohl des Patient*innen steht schon lange nicht mehr im Vordergrund….

    Liebe Grüße und schöne Weihnachten!

  6. Die Gynäkologie ist ein fachbereich in dem man vollstes Vertrauen auf den Arzt haben muss, und es einfach nicht haben kann. In der schule schon war die Pille das einzige, was im Unterricht als wirkliche Pption dargestellt wurde und auch meine 1. Frauenärtzin schien keine andere Methode zu kennen. Also nahm ich seit 2016 an die pille, wurde dicker, trauriger, motivationslos.
    Ein erstes Gespräch mit meiner Frauenärtzin führte zu nichts und auch die zweite redete einfach nicht mit mir. Erst nach langer suche fand ich eine Ärztin, die bereit was mehr als 5 Minuten mit mir zu verbringen und sich über alternativen zu unterhalten. Und wer hätte es gedacht? Es gibt Alternativen! Auch für junge Menschen, die keine Hormone nehmen wollen und noch nie schwanger waren. Zwar musste ich einer Vollnakose zustimmen um den Kupferball einsetzten zu lassen, aber es hat sich gelohnt. Der Ball ist sicher nicht die Lösung für alle, aber ich fühle mich von der täglichen pille befreit und wünschte mehr Frauenärtze/-Innen hätten ein Gefühl dafür was einem wirklich ght tut.

  7. Hallo,

    dass die Pille dem Körper vorgaukelt, schwanger zu sein, stimmt so nicht ganz. Durch die Pille ist der Körper permanent in der 2. Zyklushälfte. Während einer Schwangerschaft ist man zwar auch dauerhaft in der 2. Zyklushälfte, allerdings passiert hier im Körper ja noch viel mehr (angefangen mit der Bildung von Schwangerschaftshormonen bis hin zur Milchproduktion etc.). (Das macht die Pille aber natürlich nicht besser).

    Erschreckend finde ich auch, dass viele Frauenärzte immer noch ein veraltetes Bild von Kupferspiralen haben und in Bezug auf die Hormonspirale weiterhin behaupten, dass diese nur lokal wirkt. Das stimmt einfach nicht und der Hersteller darf dies per gerichtlichem Beschluss auch nicht mehr behaupten und damit werben. Außerdem werden die Nebenwirkungen der Pille und Hormonspirale (oder anderen hormonellen Verhütungsmethoden) immer abgetan und behauptet, dass das gar nicht davon kommen kann.

    Generell werden Hormone wirklich viel zu schnell und zu früh verschrieben. Beim kleinsten Problem heißt es sofort, man soll die Pille nehmen, anstatt nach den Ursachen der Probleme zu suchen. Oder auch bei Zyklusunregelmäßigkeiten in der Pubertät, obwohl das da völlig normal ist. Der Zyklus und Körper müssen sich ja erstmal einpendeln und umstellen.

    Ich hoffe sehr, dass sich hier in Zukunft etwas ändern wird… ich befürchte aber, dass die Hoffnung vergebens ist.

    Liebe Grüße und Danke für den Bericht

  8. Ich bin eine von diesen Frauen, die eine beidseitige Lungenembolie mit Rechtsherzbelastung und Lungeninfarkt mit 28 hatte. Herzintensivstation für 1 Woche, langer Krankenhausaufenthalt und 4 Monate Krankenstand. Ich hatte ganz viel Glück, dass ich das überlebt habe und nur ein paar körperliche Nachwirkungen davongetragen habe. Seitdem lebenslange Blutverdünnung und jährliche Kardiologietermine. Mein Leben hat sich komplett verändert, aber ich bin jeden Tag froh, dass ich überlebt habe.

    Ich nahm damals eine Pille der neuen Generation mit Drospirenon. Es konnten keine weiteren anderen möglichen Ursachen für die Lungenembolie gefunden werden. Damals riet mir mein Gynäkologe zu einer Pille der neuen Generation, ohne auf das Risiko von Thrombosen hinzuweisen. Ich weiß jedoch nicht, ob mir damals überhaupt die volle Tragweite der Risiken bewusst gewesen wäre, hätte ich darüber Bescheid gewusst.

    Nach meiner Geschichte und dem Wissen, dass Pillen der neuen Generation ein höheres Thrombose Risiko haben, würde ich niemals mehr meine Gesundheit riskieren und mein Leben aufs Spiel setzen.

  9. Dieser Artikel spricht mir aus der Seele.Ich bin auch Apothekerin und erfahre täglich wie sorg-und gedankenlos mit der Pille und vor allem seit der Freigabe mit der Pulle danach umgegangen wird.
    Bei der Abgabe der letzteren sind wir zur ausführlichen Beratung verpflichtet und nehmen diesen Auftrag mehr als ernst- seitens der Gynäkologenschaft wurde unsere Kompetenz im Vorfeld der Freigabe heftig angezweifelt und die „Konsumenten“ empfinden das Beratungsgespräch meist als lästige Zwangsbevormundung.Oft wird die Mutter oder der Freund geschickt oder es werden gleich zwei Packungen als Urlaubsvorrat verlangt – so eine Abgabe muss ich verweigern und werde dann heftig angegangen.
    Wie häufig die Pille ohne Rezept verlangt wird, kann ich gar nicht mehr zählen.
    Wenn ich darauf hinweise, dass die Rezeptpflicht ihre guten Gründe hat,“soll ich mich nicht so anstellen- man zahle ja schließlich dafür“
    Es wäre sehr , sehr hilfreich. Wenn in den Frauenarztpraxen mehr von der Beratung im Vorfeld erfolgen würde, die uns so vehement abgesprochen wurde

  10. Auch ich bekam damals mit 14! Jahren standardmäßig die Pille verordnet. Indem Alter kommt man dann eben in eine Zeit, wo man nicht mehr so sicher sein kann ob es nicht doch mal irgendwie zum Geschlechtsakt kommen könnte. Ich nahm die Pille brav und habe es nicht reflektiert. Meine Menstruation fiel dadurch auch dankenswerter Weise etwas weniger schmerzhaft und stark aus, was mir natürlich gefiel. Meine Haut war okay, keine Akne, keine Pickel, was ich damals der wundersamen Pille zuschob. So ab 17-18 hatte ich dann regelmäßigen Verkehr, bei dem wir trotzdem stets mit Kondom verhütet haben. Immerhin kann man sich auch trotz Pille zahlreiche Geschlechtskrankheiten inkl. HIV einfangen. Mit Anfang zwanzig wurde mir klar, welch heftigen Hormoncocktail ich meinem Körper seit Jahren zuführte. Auch das ständige Tabletten nehmen, so als ob der weibliche Zyklus mit seiner Potenz schwanger zu werden eine Krankheit wäre, die abgestellt gehört. Diese Körperfeindlichkeit wollte ich nicht mehr mitmachen und setzte die Pille abrupt ab. Ein sehr wichtiger Faktor dazu war mein damaliger Freund, der es sehr problematisierte und mir half selber ein Bewusstsein dafür zu entwickeln und mich damit auseinanderzusetzen. Heute merke ich erst recht, wie verrückt und unsinnig die Einnahme der Pille ist. Warum sollte man sich das antun? Warum muss man Hormone nehmen? Es gibt Kondome und die Möglichkeit nach dem Eisprung mit dem Kondom etwas lockerer umzugehen. Ich hatte auch ohne Pille nie ein Problem mit der Verhütung. Ja ich spüre meinen Zyklus stärker, auch etwaige PMS-Zeiten und die Unterleibskrämpfe die zumindest für einen Tag lang sehr unschön sind. Aber das gehört halt auch irgendwie zum Paket meiner weiblichen Existenz dazu denke ich. Und dann im Zweifelsfall eine Schmerztablette im Monat zu nehmen ist doch wirklich das kleinere Übel, als täglich Hormone einzuwerfen.

    Nein zur Pille!

  11. Ich hatte sowieso schon entschieden die Pille nie wieder zu nehmen. Aber
    wenn ich diesen Artikel lese dann bin ich einfach nur fassungslos. Meine Gynäkologin hat mit über Jahre die Maxim verschrieben. Und sie hat mir auch vorgeschlagen diese doch dauerhaft einzunehem und nur bei Schmierblutungen oder ab und zu die Einnahme zu pausieren!
    Letztes Jahr wurde bei mir ein relativ großer Tumor in der Hypophyse (Prolaktinom) festgestellt. Ich weiß nicht ob es da einen Zusammenhang gibt. Daher würde es mich interessieren ob es noch mehr Frauen gibt, die unter dieser Konstellation ein Prolaktinom haben. Meldet euch!

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