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Jetzt bist du Chefin! Diese 5 Dinge sollten neue Führungskräfte als erstes in Angriff nehmen

Der Schritt zur Führungskraft erfordert vor allem, dass du bereit bist noch einmal ganz viel zu lernen. Das sind die Dinge, auf die du dich zunächst konzentrieren solltest.

 

Der nächste große Schritt

Nach dem Berufseinstieg ist das sicherlich der spannendste Karriereschritt: das Annehmen einer Führungsrolle. Sei es eine Beförderung im Unternehmen, eine erfolgreiche Bewerbung auf eine Leadership-Position oder die Gründung einer eigenen Firma: Sowohl die eigenen Erwartungen an die neue Rolle als auch die Verantwortung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind groß. Denn wer ein Team führt, muss von nun an komplexer denken und über fachliche Aufgaben hinausdenken. Auf dich wartet eine steile Lernkurve – und es ist gut, sich für die neue Aufgabe auch immer wieder Unterstützung zu holen, einschließlich des Feedbacks deines ersten eigenen Teams.

Doch wo fängt man als Führungskraft eigentlich an? Der Gründer und Autor Anthony Tjan ist der Meinung, dass eine Chefin oder ein Chef fünf Dinge unbedingt wissen und vorbereiten sollte, wenn sie die Führungsrolle gut ausfüllen möchte, und hat sie in der Harvard Business Review kurz vorgestellt.

1) Entwirf eine Leadership-Philosophie

Was bedeutet es für dich, eine Führungskraft zu sein? Was willst du erreichen? Anthony Tjan empfiehlt, sich diese Fragen sehr bewusst zu machen um selbst zu verstehen, wie man führen will und was die Ziele dahinter sind. Geht es dir um Macht und Einfluss, die du für dich nutzen willst? Möchtest du Wissen weitergeben? Tjan selbst hat für sich festgestellt, dass er sehr gern aus seiner Position heraus anderen helfen wollte, Leadership-Skills zu entwickeln und besser zu werden, in dem, was sie tun. Menschen streben Führungsrollen aus unterschiedlichen Gründen an. Zu wissen, was dich antreibt, wird dir jedoch enorm helfen, deine Rolle auszufüllen, sie weiterzuentwickeln und klar zu sein.

2) Konzentriere dich zuerst auf die alltäglichen Aufgaben

Einen typischen Fehler, den neue Manager machen? Sie wollen zu viel und versuchen zuerst, große Dinge zu bewegen und verheddern sich in langfristigen Aufgaben. Doch Führung beginnt im Kleinen und auch als Chef bist du im Tagesgeschäft nach wie vor gefragt, denn du entscheidest nun über Budgets, verteilst Aufgaben an dein Team und planst ein, wer auf welchem Projekt arbeitet. Das alles klug zu planen, fordert dich vielleicht am Anfang sogar mehr, als große Pläne zu schmieden. Doch was du als Chef können musst, ist den Überblick zu behalten und vernetzt zu denken. Das schließt unbedingt mit ein, zu wissen, wie dein Team arbeitet und es mit klugen Entscheidungen dabei Tag für Tag zu unterstützen.

3) Kommunikation wird nun noch wichtiger!

Ohne gute Kommunikationsskills wärest du nicht so weit gekommen, das glaubt Anthony Tjan. Doch auch Führungskräfte können beim Thema Kommunikation noch besser werden – denn gute Beziehungen zu deinem Team legen die Grundlage für den gemeinschaftlichen Erfolg. Das Wichtigste für Kommunikation mit dem Team, so Anthony, ist stets klar zu sagen, was die Prioritäten aktuell sind oder zum Beispiel auch, wofür ein Meeting gedacht ist: Geht es darum etwas zu diskutieren, zu informieren, etwas abzusegnen?

Tjan sagt, dass der beste Rat, den er je von einem anderen CEO bekam, folgender war: „Hab niemals mehr als fünf Prioritäten.“ Er schlägt vor, die Unternehmensprioritäten gemeinsam mit dem Team zu entwicklen und den Mitarbeitern zu versichern, dass ein neues Ziel erst dann hinzukommt, wenn etwas von den Top 5 abgearbeitet ist. 

4) Definiere deine Werte und Standards

Kennst du deine Werte? Was treibt dein Handeln an? Menschen arbeiten besser miteinander, wenn sie Werte teilen. Als Führungskraft solltest du daher transparent machen, nach welchen Standards und Werten in deiner Abteilung gearbeitet werden soll und welche du wichtig findest. Für Anthony Tjan sind zum Beispiel Wahrheit, Mitgefühl und Ganzheitlichkeit zentrale Werte. Das erklärt er folgendermaßen: Wahrheit und sich seines eigenen Handelns bewusst zu sein, würde Führungskräfte und Organisationen erst dazu befähigen, mitfühlend zu führen. „Compassionate Leadership“ als Resultat dessen ist eine Führungsphilosophie, in der Urteilen zurückgehalten wird und die einen offenen, empathischen und großzügigen Blick auf die Dinge wirft. Ganzheitlichkeit („wholeness) beschreibt Tjan als Definition von Erfolg, die weit über das „Gewinnen“ und den ökonomischen Erfolg hinaus geht. Sie bezieht auch die Zufriedenheit einer Führungskraft mit ein, die sie verspürt, wenn sie weiß, dass die Mitarbeiter eine tolle Leistung erbracht haben und sowohl den eigenen als auch den Erwartungen ihres Chef gerecht geworden sind. 

5) Es ist okay, Angst zu haben und verletzlich zu sein

Die Begriffe „Angst“ und „Verletzlichkeit“ machen dich vielleicht zunächst erst einmal stutzig, schließlich haben Führungskräfte Selbstbewusstsein, sind mutig und gehen Risiken ein, oder? Doch schon in ihrer Eigenschaft, das Risiko nicht zu scheuen, beweisen sie, dass Verletzlichkeit zu ihrer Rolle gehört. Führungskräfte wissen, dass sie scheitern können. Ein Risiko einzugehen bedeutet nichts anderes, als sich selbst Verletzlichkeit aufzuerlegen, so Tjan. Neue Manager sollten daher anerkennen, dass sie nicht frei von Fehler und nicht „unbesiegbar“ seien. Daher sei die Herausforderung und auch die Chance, den Team-Mitgliedern zu zeigen, dass Entscheidungen durchdacht und ausgewogen sind und nicht, dass die Führungskraft automatisch die einzig richtige und beste Lösung an der Hand hat. Weiterhin sollten Chefinnen und Chefs zeigen, dass die beste strategische Herangehensweise an ein Problem diejenige sei, die über die stärkste Grundlage verfüge und die meiste Aussicht auf Erfolg versprechen würde. Eine Herangehensweise also, die sich sehr stark davon unterscheidet, dem Team eine unfehlbare Strategie zu präsentieren, die auf der Genialität des Chefs beruhe. Gute Führung bedeutet also auch, die eigenen Grenzen zu kennen und sie zu zeigen. Wer die eigene Verletzbarkeit nicht sehe, gehe nicht an seinen Grenzen, so der Autor.

Tjan fügt dennoch hinzu, dass es aus seiner Sicht zur Natur von Führungsrollen gehöre, von Zeit zu Zeit einsam zu sein und mit den Selbstzweifeln allein zu sein – darauf müsse man sich einstellen. Dieses Statement überrascht dann doch ein wenig, da Tjans vorhergehende Sicht auf Führung eher modern ist und partizipative Ansätze betont. Der Chef als „Lonely Wolf“ ändert sich aber vor allem auch mit neuen Formen der Unternehmenskultur, die zum Beispiel Führungsteams etabliert und nicht zu vergessen mit Teams aus Gründerinnen und Gründern, die gemeinsam führen wollen. Daher ist es besonders für neue Führungskräfte eine gute Idee, sich mit anderen Personen in ähnlichen Positionen auszutauschen. Das Lernen beginnt jetzt noch einmal von vorn.

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