Foto: Jennifer Fey

Die Sandkasten-Geschäfts-Freundinnen

Judith und Johanne sind seit dem Sandkasten Freundinnen. Nun haben sie gemeinsam das Brautmodelabel Noni gegründet. Die beiden Gründerinnen im Interview.

 

Noni: Aus Freundschaft wird Business

Judith und Johanne sind schon seit dem Sandkasten Freundinnen. In der Pubertät reißt der Kontakt eine Zeit lang ab, trotzdem bleiben beide durch ihre eng befreundeten Mütter immer auf dem Laufenden über den Werdegang der Anderen. Mit Anfang 20 begegnen sich die beiden Frauen durch ein Treffen ihrer Mütter wieder. Judith steckt zu dieser Zeit in den letzten Zügen ihrer Ausbildung zur Maßschneiderin, während Johanne als DJane in verschiedenen Kölner Clubs auflegt und diverse Praktika in der Modebranche hinter sich hat.

Johanne näht zu dieser Zeit viel, kommt aber trotzdem immer wieder an ihre technischen Grenzen, weshalb sie kurzerhand beschließt, Nähunterricht bei ihrer alten Freundin Judith zu nehmen. Da zielloses Rumnähen aber in Judiths Augen niemanden wirklich weiter bringt, entscheiden die beiden eines Nachmittags eine eigene Kollektion zu nähen: Noni ist geboren. Ein halbes Jahr später findet die erste Noni-Modenschau, mit Models aus Johannes Freundeskreis, im Kölner Club „Gebäude 9“ statt. Ein Gespräch über die Kollektion, die Zusammenarbeit und Ängste.

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Die Gründerinnen von Noni in ihrem Laden in Köln. Bild: Jennifer Fey
 

Wie würdet ihr den Stil eurer ersten Kollektion beschreiben?

Johanne: „Es ging auch damals schon in Richtung 50s, mit sehr klaren Linien und Farben, wenig verspielt, aber mit ausgefallenen Krägen und sehr feminin.“

Judith: „Eigentlich gar nicht so anders als jetzt. Natürlich waren die Sachen nicht weiß und aus anderen Materialien, aber unser Stil war den Teilen damals schon anzusehen.“

Nachdem eure erste Modenschau ein Erfolg war, habt ihr euch entschlossen, einen eigenen Laden zu eröffnen. Wie war das?

Judith: „Johanne hat irgendwann diese Wohnung in der Roonstraße gefunden, die im vorderen Bereich ein Ladenlokal mit Schaufenster hatte. Da haben wir 2005 unseren ersten Laden mit eigener Werkstatt in Johannes Wohnung eröffnet.“

In eurer ersten Kollektion gab es noch nichts für Bräute. Wie kam es dazu, dass ausgerechnet ihr angefangen habt, Brautkleider herzustellen?

Judith: „Brautmode war für uns zu der Zeit eigentlich gar kein Thema. Wir waren Anfang/Mitte 20 und da war Heiraten insgesamt kein Thema. Unsere Kundinnen haben uns darauf gebracht. Bereits ein halbes Jahr nach der Eröffnung stand eine Kundin im Laden und war ganz verzweifelt weil sie heiraten wollte, ihr aber die herkömmliche Hochzeitsmode nicht gefiel. Dieser Kundin haben wir dann eine Jacke aus unserer Kollektion in weißem Stoff genäht. Dazu trug sie eine weiße Hose und sah bezaubernd aus. Von da an kamen immer häufiger Kundinnen auf uns zu und wünschten sich ein Brautkleid in unserem Stil.“

Und da habt ihr entschieden in ein großes Atelier zu ziehen und Brautkleider zu schneidern?

Johanne: „Nicht so ganz. Wir wollten auch gerne weiter unsere Kollektionsteile machen, aber durch die Beschaffenheit unseres Ladens sahen die Kundinnen sofort, dass wir die Nähmaschinen da stehen hatten und kamen dadurch häufig auf die Idee sich die Teile auf Maß anpassen zu lassen. Das führte dazu dass in jedem Teil so viele Arbeitsstunden steckten, dass wir die Preise erhöhen mussten. Dadurch wurden die Sachen vielen Kundinnen für den Alltag zu teuer. Also entschieden wir uns für die Brautkleider, weil Maßanfertigung in dem Zusammenhang funktioniert und auch bezahlt wird. Maßkleidung für jeden Tag lässt sich kaum jemand herstellen, ein Brautkleid für nur einen Tag schon. Es ist eben ein ganz besonderer Tag. Mit der Entscheidung für die Brautkleider kam auch der Entschluss unser kleines Ladenlokal zu verlassen. Bräute kommen gerne mit Anhang. Im Brautkleid im Schaufenster zu stehen war auch nicht optimal, also zogen wir Ende 2007 in unser erstes Atelier in Köln Kalk. Damals waren wir nach wie vor nur zu zweit.“

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Noni-Kleider in dem Kölner Ladengeschäft. Bild: Jennifer Fey
 

Euer erstes Atelier lag im Gegensatz zum heutigen, in der Lichtstraße in Ehrenfeld, nicht so zentral –  trotzdem wurdet ihr recht schnell immer bekannter. Wie habt ihr auf euch aufmerksam gemacht?

Judith: „Zunächst über unsere Internetseite und Empfehlungen. Dann hatten wir eine Fotostrecke in der „Weddingstyle“. Das war zu der Zeit das einzige Brautmagazin das alternative Brautmode zeigte. Außerdem hatten wir glücklicherweise gute Freunde die uns die richtigen Tipps gegeben haben um im Internet bekannter zu werden. Facebook war für uns definitiv eine sehr große Hilfe. Wir hatten insgesamt viel Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Bräute fingen an sich mehr und mehr im Internet nach Brautkleidern umzusehen und da waren wir gut präsentiert.“

Wann habt ihr die ersten Mitarbeiter eingestellt?

Judith: „2008 wurden die Anfragen immer mehr und als Johanne schwanger wurde, war klar: Ohne Mitarbeiter geht`s nicht mehr. Die Hemmschwelle jemanden fest einzustellen war zunächst sehr groß, aber wir mussten es einfach tun.“

Was waren eure Ängste?

Judith: „Die Verantwortung, die Kosten und die Qualität –  schließlich steht unser Name hinter den Produkten. Überhaupt etwas abzugeben fiel uns anfangs sehr schwer. Man glaubt ja immer, dass man das alles nur selber wirklich kann. Anfang 2009 stellten wir unsere erste Schneiderin ein und im Sommer unsere erste Auszubildende. Trotzdem mussten wir in der Hochsaison des Jahres vielen absagen. Man denkt ja immer es sei gut, ausgebucht zu sein. Das stimmt aber nicht so ganz. Teilweise hatten wir weinende Bräute am Telefon, die unbedingt ein Kleid von uns wollten, das wir aber zu ihrem Hochzeitstermin unmöglich fertig bekommen hätten. Wir haben dann versucht zu trösten und zu erklären, dass ein Kleid das wir nach Feierabend noch schnell zusammen nähen sicher nicht schön wird und auch keine Lösung sei. Daraufhin sagte man uns, wir sollten eben noch schnell jemanden einstellen. Dass dann aber Zeit für die Einarbeitung nötig ist und alles nicht von heute auf morgen geht, konnten die Leute oft nicht verstehen. Von anderen Hochzeitsdienstleistern haben wir dann erfahren, dass die Kundinnen zum Teil richtig sauer auf uns waren und uns als arrogant und blöd empfunden haben.“

Vier Monate nach der Geburt deiner Zwillinge warst Du schon wieder bei Noni. Wie hast du das gemacht?

Johanne: „Das ging nur, weil mein Mann Elternzeit genommen hat. In der Hochsaison habe ich von zu Hause so gut es ging mitgearbeitet, Emails, Buchhaltung und Rechnungen erledigt und war einmal die Woche vor Ort. Nach vier Monaten habe ich dann wieder Vollzeit vor Ort gearbeitet.“

Judith: „Anfang 2011 haben wir die zweite Schneiderin eingestellt, dann noch eine in dem Jahr und von da an sind wir schnell gewachsen. Inzwischen haben wir 18 Mitarbeiter. Die erste Kollektion kam 2011, von da an jedes Jahr –  es wurde immer umfangreicher.“

Ihr produziert alles selbst in Deutschland. Wie wichtig ist euch das?

Johanne: „Sehr wichtig. Wir schneidern selbst sehr gerne und es ist uns ein Anliegen, dass dieses Handwerk hier weiter lebt.“

Ihr werdet inzwischen häufig kopiert. Wie geht ihr damit um?

Johanne: „Es gibt verschiedene Arten der Kopie. Besonders dreist sind chinesische Firmen, die nicht nur unsere Kleider nachschneidern, sondern auch noch unsere Bilder für ihre Werbung verwenden. Wir haben uns beim Anwalt informiert – da kann man nicht wirklich was machen. Rechtshilfe bei der chinesischen Regierung zu beantragen, wäre eine Möglichkeit, aber denen ist das herzlich egal. Wir haben die Firmen vor gut einem Jahr polizeilich angezeigt und immerhin ist das Verfahren noch nicht eingestellt – das lässt hoffen. Wir wissen, dass Interpol mal 600 Internetseiten offline genommen hat, die Kopien von Adidas und Nike verkauft haben, so groß sind wir natürlich nicht, aber versuchen müssen wir es. Kopien aus Deutschland schaden uns sehr viel mehr. Die Qualität der chinesischen Kopien ist Schrott. Das ist nicht wirklich eine Konkurrenz. In Deutschland sitzt da schon meist eine Maßschneiderin, die ihr Handwerk einigermaßen beherrscht. Blöd ist, dass die Kundin dabei oft auch noch das Gefühl hat, ihre lokale Schneiderin zu unterstützen und gar nicht bemerkt wie sehr uns das schadet. Natürlich kann eine Maßschneiderin so ein Kleid günstiger anbieten, schließlich hat sie keine Angestellten, die sie versichern muss; sie entwickelt keine Kollektionen und Kleider, schaltet keine Anzeigen, lässt keine aufwendigen Fotostrecken produzieren und hat oft nicht mal ein Ladenlokal. Manchmal werden die Kopien auch von Studierenden gemacht, die noch nicht mal Steuern zahlen müssen – klar ist das billiger.“

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Schmuck von Noni. Bild: Jennifer Fey
 

Ihr seid 17 Frauen und ein Mann. Vier sind Mütter und bei Judith ist Nachwuchs unterwegs. Wie familienfreundlich seid ihr?

„Bei uns gibt es natürlich Teilzeit. Klar ist es schwierig wenn Mitarbeiterinnen wegen Schwangerschaft komplett ausfallen oder hin und wieder fehlen, weil ihr Kind krank ist, aber es ist halt so. Unsere Mitarbeiterinnen sind toll und sich ihrer Verantwortung bewusst. Wenn da mal eine ausfällt, dann nur weil es wirklich nicht anders geht. Wir sind sehr glücklich mit unseren Mitarbeitern und wollen natürlich, dass Familie und Beruf für unsere Mitarbeiterinnen vereinbar sind.“

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