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Pflegekräfte sind unterbezahlt und überlastet – ein CDU-Politiker findet, sie seien mit daran schuld

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages Erwin Rüddel (CDU) fordert Pflegekräfte bei Twitter dazu auf, gut über ihren Beruf zu sprechen. Die reagieren unter #TwitternwieRueddel – und schildern die untragbaren Zustände in ihren Jobs.

 

Einen halben neuen Mitarbeiter pro Pflegeheim 

8.000 neue Pflegekräfte will die Große Koalition einstellen, wenn es tatsächlich zu einer Regierungsbildung kommt. Darüber hinaus sollen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in Kliniken und Altenheimen „sofort und spürbar” verbessert werden. Klingt erst mal gut, oder? Das Problem: es gibt keinen konkreten Finanzierungsplan und bei insgesamt rund 13.600 Pflegeheimen in Deutschland, sind 8.000 neue Arbeitskräfte nicht einmal eine Person zusätzlich pro Einrichtung. Im März 217 gab es 14.600 offene Altenpflegerstellen – auf die lediglich 3.000 arbeitslos gemeldete potenzielle Bewerber kamen. 8.000 neue Pflegekräfte – von denen keiner weiß, woher sie kommen sollen – können da nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein sein.

Und trotzdem feiern die GroKo-Verhandler die Ergebnisse als Erfolg. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages Erwin Rüddel (CDU) twitterte: 

„Verdienter, notwendiger #Erfolg für #Pflegende und #Pflege. Die #Pflegenden erhalten in #Krankenhaus und #Pflegeheim personelle Unterstützung bei guter Bezahlung, die sie tatsächlich brauchen. #Patienten und #Pflegebedürftige werden dadurch nicht zusätzlich belastet.”

Auf die Kritik eines Twitter-Nutzers, der laut eigenem Profil Pflegedirektor (Pflegedienstleiter) in Rente ist, reagierte Rüddel mit einem Vorschlag:

„#Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege”

Dieser Aufforderung kamen viele Pflegekräfte auf Twitter nach. Allerdings anders als Rüddel sich das wahrscheinlich vorgestellt hat. 

Der Tweet Erwin Rüddels, der zu ‚TwitternwieRueddel führte. Quelle: Twitter | Erwin Rueddel

Die Schuld liegt nicht bei den Pflegekräften

Für sie stellte der angebotene „Deal” nämlich nicht weniger als blanken Hohn dar. Der Politiker schiebt den Pflegekräften, so fassten sie es auf, die (Teil)Schuld am Personalmangel in diesem Bereich zu. Unter dem #TwitternwieRueddel sammeln sich seitdem viele Tweets, die auf ironische und bitterernste Weise die Zustände in der Pflege beschreiben. Einige Beispiele: 

Quelle: Twitter | Onyx 

Quelle: Twitter | Sandra Luers 

Quelle: Twitter | Fräulein_Wedekind 


Quelle: Twitter | Thore 

Pflegekräfte haben uns etwas zu sagen 

Immer wieder, wenn über die Arbeitsbedingungen in der Pflege diskutiert wird, gibt es ein großes Problem: Betroffene Menschen kommen kaum bis gar nicht zu Wort. Unter #TwitternwieRueddel bekommen Außenstehende einen kleinen Einblick, in die prekären Verhältnisse unter denen Pflegekräfte in Deutschland arbeiten müssen: 36-Stunden-Schichten, kaum Urlaub, permanente Unterbesetzung, geringe Bezahlung, keine Zeit für die Menschen, die sie betreuen und pflegen. Und trotzdem kommt in diesen Tweets auch immer wieder durch, mit wie viel Hingabe und Engagement viele Pflegekräfte arbeiten. 

Quelle: Twitter | Kranke Schwester 

Helfen tut ihnen aber weder Mitleid noch scheinheilige Dankbarkeit. Pflegekräfte müssen endlich vernünftig bezahlt werden und unter tragbaren Bedingungen arbeiten können. #TwitternwieRüddel macht das einmal mehr deutlich. Dafür bräuchte es aber nicht 8.000, sondern 100.000 neue Pflegekräfte, wie es der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert. 

Titebild: depositphotos.com

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