Foto: Jessica Jungbauer

Ruby Barber: „Berlin ist ein großartiger Ort für ein eigenes Business”

Die Romanfigur Mary Lennox war ihr großes Vorbild: Ruby Barber. Ein Gespräch über Blumenkunst, das Business als Floristin und Berlin.

 

Mary Lennox – der Kinderstar

Es ist kein großes Geheimnis: Wenn wir im Job unserer Berufung nachgehen, geht es uns besonders gut. Viele von uns suchen über Jahre nach ihrer Leidenschaft, andere wussten schon als Kind, was sie mal werden wollen. So auch die Australierin Ruby Barber.

Schon in der Grundschule war die Romanfigur Mary Lennox aus dem Kinderbuch „Der geheime Garten“ Rubys großes Vorbild. Mit ihrem Umzug nach Deutschland hat Ruby die Blumenkunst nach Berlin gebracht und nun ihren ersten kleinen Shop ‚Mary Lennox Flowers’ im neuen The Store im Soho House Berlin bezogen.

Wir haben mit ihr über das Vertrauen in ihren eigenen Weg gesprochen, nachdem sie die Uni abbrach, um sich ganz ihrer Leidenschaft für Blumen zu widmen, darüber, warum der Floristenberuf oft romantisiert wird und was sie für ihre Zukunft plant.

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The Store im Soho House Berlin. Bild: Jessica Jungbauer
 

Wir sind hier in deinem neu eröffneten Laden. Was war deine erste Reaktion darauf, als man dich fragte, mit deinem Studio und Shop im Store einzuziehen? Ich kann mir vorstellen, dass damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung geht?

Ruby: „Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut. Ich habe schon immer in einem Studioumfeld gearbeitet, allerdings eher im Privaten, und kann mir nun wirklich keinen schöneren Ort als diesen hier vorstellen, um ‚Mary Lennox Flowers’ weiter bekannt zu machen. Der Store an sich ist so wunderschön kuratiert und ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich ein Teil davon sein darf.“

Deine kunstvollen Blumenkreationen erinnern an alte Gemälde, die man vor allem auch auf deinem Instagram-Account bewundern kann. Woher nimmst du deine Inspiration?

Ruby: „Tatsächlich liebe ich die Gemälde der niederländischen Meister wie Rachel Ruysch oder Jan Davidsz. de Heem und lasse mich dabei vor allem in der Art und Weise inspirieren, wie ich meine Arrangements fotografiere. Aber mich inspirieren so viele verschiedene Dinge: die Jahreszeiten, Kollegen, Freunde. Ich versuche immer, so viel wie möglich aus meinem Leben in meine Arbeit einfließen zu lassen.“

Kannst du uns ein wenig über die ersten Anfänge deines Unternehmens erzählen?

Ruby: „Ich überlege immer wieder, wann wohl klar war, dass meine Leidenschaft den Blumen gehört und kann mich eigentlich an keinen expliziten Moment erinnern, in dem ich wusste: Das ist der Grund, warum ich das so sehr liebe. Vielmehr mussten wir uns damals in der Grundschule immer an einem Tag im Jahr als unsere Lieblingsfigur aus einem Buch verkleiden und ich ging immer als Mary Lennox, das Mädchen aus ‚The Secret Garden.‘ Ihr Garten hat mich schon immer fasziniert. Es ist wirklich eine schöne Geschichte: Mary trifft nach ein paar schrecklichen Umständen auf ebendiesen geheimen Garten, sie erweckt ihn wieder zum Leben und daraufhin hat er einen magischen Effekt auf sie selbst und jeden in ihrer Nähe. Ich hatte also den Namen bereits als Kind im Kopf, bevor ich überhaupt auf die Idee kam, mein eigenes Unternehmen zu gründen. Zufälligerweise hatte ich dann damals noch in Sydney mein erstes kleines Atelier auch an der Ecke der Mary und Lennox Street.“

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Mehr als Blumen, Kunst! Rubys neues Studio im The Store im Soho House Berlin. Bild: Jessica Jungbauer
 

Wenn ich richtig gelesen habe, hast du für diesen Schritt auch die Uni abgebrochen?

Ruby: „Ja, ich habe ursprünglich Innenarchitektur studiert und komme aus einer richtigen Architektenfamilie. Deshalb dachte ich auch, ich müsste in dieselbe Richtung gehen. Doch das änderte sich recht schnell, als ich begann, regelmäßig mit einer Freundin auf den Blumenmarkt in Sydney zu gehen. Andere Freunde fragten mich immer wieder, ob ich ihnen vielleicht etwas mitbringen könnte und irgendwann dachte ich dann ‚Ich könnte das eigentlich den ganzen Tag lang machen.‘ Und es hat einfach so viel mehr Spaß gemacht als zur Uni zu gehen, deshalb habe ich dann beschlossen, die Uni abzubrechen und mich ganz den Blumen zu widmen. Und ich habe es nie bereut.“

Kannst du dich denn noch an den Moment erinnern, als du wusstest, dass aus dieser Leidenschaft für Blumen dein eigenes Business werden kann?

Ruby: „Ich denke schon. Je öfter ich andere inspirierende Floristen kennenlernen durfte, desto mehr merkte ich, dass ich das zu meinem Beruf machen will. Ich hatte wirklich Glück, dass ich mit so vielen wunderbaren Floristinnen zusammenarbeiten durfte. Diese Unternehmen und die Frauen dahinter haben mich dazu inspiriert, wirklich 100 Prozent für meine eigene Karriere zu geben. Sie haben mir außerdem gezeigt, wie ein Leben im Blumenbusiness aussehen kann und ich fand es toll. Ich war schon immer kreativ, aber konnte nie recht eigene Entscheidungen treffen. Die Arbeit mit Blumen hingegen nimmt mir die meisten Entscheidungen ab. Mein Job ist es lediglich, die Schönheit der Natur in ihrem besten Licht zu zeigen. Die Blumen sagen mir bereits auf ihre Weise von selbst, wie sie dazu arrangiert werden müssen. Das ist der Designprozess, mit dem ich mich am wohlsten fühle.“

Du kommst ursprünglich aus Sydney und inzwischen gibt es eine große internationale Szene von Australien bis in die USA, die sich wie du selbst auf die kunstvolle Floristik spezialisiert. Warum denkst du, war das bisher in Berlin nicht vertreten?

Ruby: „Es gibt auf jeden Fall noch andere Leute in Berlin, die sich auf diese künstlerische Art der Floristik konzentrieren. Was ich aber hoffe anders zu machen, liegt in dem einzigartigen Stil und meinem Konzept. Insgesamt kann man wohl sagen, dass die Blumenkultur in Berlin wirklich eine ganz andere ist, als in Sydney oder den USA. Dafür gibt es vielerlei Gründe: zum einen ist die Landschaft an sich bereits viel blumiger, sodass Blumen im Alltag eigentlich nicht wegzudenken sind. Überall gibt es Blumen zu kaufen, aber sie werden in einem viel alltäglicheren Sinn verwendet. In Sydney und New York zum Beispiel gelten Blumen immer noch als Luxus. Ich sehe nun für mich die Aufgabe darin, diese bestehende Blumenkultur dahingehend weiterzuentwickeln, indem ich versuche, meine Bouquets und Arrangements als Kunst wertschätzen zu lassen. Obwohl ich mich selbst nie als Künstlerin bezeichnen würde.“

Und würdest du sagen, dass Berlin ein guter Ort ist, um sein eigenes Business zu haben?

Ruby: „Berlin ist ein großartiger Ort für ein eigenes Business. Die Stadt ändert sich mit jedem Tag und es gibt so viele neue Möglichkeiten. Natürlich war es auch bei mir nicht ohne Herausforderungen, aber ich bin wirklich froh darüber, hier zu sein.“

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Mary Lennox Flowers im neuen The Store im Soho House Berlin. Bild: Jessica Jungbauer

Ich kann mir vorstellen, dass viele den Floristenberuf oftmals romantisieren. Was gefällt dir besonders an deinem Beruf und was vielleicht etwas weniger?

Ruby: „Die meisten Leute denken wirklich, dass ich den ganzen Tag nur mit Blumen spiele. Die Wahrheit ist: 90 Prozent der Arbeit bestehen aus Dreck und dem Herumtragen von schweren Dingen. Und natürlich, nicht zu vergessen, das frühe Aufstehen. Ich stehe um 4 Uhr morgens auf und hole meine Kolleginnen Liv und Paola ab, um auf den Großmarkt zu fahren. Wir suchen dann die ganze Ware für den Tag zusammen. Danach gibt es die erste Kaffeepause. Um 10 Uhr, wenn die meisten Menschen erst in den Tag starten, haben wir bereits 6 Stunden Arbeit hinter uns. Aber das sind alles Dinge, die dazugehören und die für mich OK sind. Ich freue mich auch immer über die physische Arbeit. Ich könnte niemals den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen. Was ich aber am liebsten an meinem Job mag, ist etwas, dass ich erst mit dem Umzug nach Berlin zu schätzen gelernt habe: die Suche nach der besten Ware. Auf dem Großmarkt gibt es nicht wirklich außergewöhnliche Pflanzen, also musste ich mir neue Wege suchen, indem ich zum Beispiel mit speziellen Anbietern oder Höfen zusammenarbeite. Darüber musste ich mir in Australien überhaupt keine Gedanken machen, es gab auf dem Markt sowieso alles, was man sich wünschen konnte. Was ich wiederum wohl am wenigsten mag ist die Arbeit mit verderblicher Ware. Das bedeutet, dass ich im Voraus nicht viel vorbereiten kann und da die Natur manchmal ihren eigenen Kopf hat, kann es dann auch schonmal stressig werden.“

Nun hast du erst kürzlich deine eigene ‚Seeds‘-Serie mit verschiedenen Pflanzensamen für Zuhause herausgebracht, kannst du uns schon verraten, was du als Nächstes planst?

Ruby: „Ich hoffe sehr, dass die ‚Seeds‘-Kollektion die Menschen dazu inspirieren wird, ihre eigenen Pflanzen Zuhause zu züchten. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, wenn man etwas Eigenes pflanzt und dann beim Wachsen zuschauen kann. Für die Zukunft hoffe ich auch, dass ich meinen eigenen Schnittblumen-Garten haben kann, in dem all die verschiedenen Pflanzen wachsen, mit denen ich arbeite. Mein Geschäft bringt mich einfach immer wieder auf neue Ideen und ich kann es kaum erwarten, was als Nächstes kommen wird. Aber erstmal freue ich mich nun über meine neue Werkbank im The Store. Sie wurde extra von Sigurd Larson designed und maßangefertigt und besteht an der Oberfläche aus reinem Kupfer. Mit der Zeit wird sich die Farbe verändern und je nachdem, wie ich sie benutze, wird sich ein Muster ergeben, das sozusagen meine eigene Arbeitsweise abbilden wird. Ich kann es wirklich kaum erwarten, zu sehen, wie sie sich verändern und entwickeln wird.“

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