Foto: The Knots

Katrin: „Für mich kam nur Berlin in Frage“

Alles startete in New York, als Katrin ten Eikelder beschloss, ihren Job zu kündigen und die Begeisterung für Teppiche wiederzuerwecken.

 

Die Liebe zum Teppich

Katrin ten Eikelder fühlte sich schon als Kind auf Teppichbergen wohl. Die Gründerin von The Knots, einem neuen Teppich-Konzept-Shop, kommt aus einer Familie von Teppichliebhabern. The Knots bietet Teppiche, die Katrin selbst auswählt und die dann mit einer bestimmten Technik bearbeitet werden. So werden aus Orientteppichen ganz neue Wohnaccessoires.

Wir sprachen mit der Gründerin über ihren Weg zum eigenen Shop, die Entscheidung für den Standort Berlin und ihre Vision.

Katrin, die Geschichte zu deiner Firma The Knots begann mit einem One-Way-Ticket nach New York. Wie Fühlt sich das an, ohne Rückflugticket weg von Zuhause?

„Ich muss sagen, dass damals tatsächlich zwei Herzen in meiner Brust schlugen. Das eine, das gerne bei Familie und Freunden bleiben wollte und das andere, das mich mit aller Kraft hinaus in die große Welt zog. Diesen Wunsch frei zu sein und einfach mal aus dem alten Leben auszusteigen, hatte ich schon ganz lange. New York war für mich nicht nur ein Ort, sondern vielmehr ein Lebensgefühl.“

Wie kam es dazu? Was hast du davor gemacht?

„Ich habe in Köln BWL studiert und bin im Anschluss für ein Praktikum im Lebensmittelhandel nach New York gegangen. Seit diesem Praktikum im Jahr 2009 war ich mir sicher, dass ich mit der Stadt noch nicht fertig war und eines Tages zurückkehren würde. Diesen Wunsch konnte ich dann bei meinem spätereren Arbeitgeber, einer großen deutschen Fashion-Firma, für die ich die letzten vier Jahre im Business Development gearbeitet habe, verwirklichen: Ich durfte in die amerikanische Tochtergesellschaft nach New York. Darüber musste ich natürlich nicht eine Sekunde nachdenken.”

Du hast in New York für eine Modefirma gearbeitet und in Brooklyn gewohnt. Wann bist du auf deine Idee zu The Knots gestoßen und was unterscheidet euch vom simplen Teppich aus dem Geschäft nebenan?

„Die konkrete Idee ist noch gar nicht so alt. Im Frühjahr dieses Jahres habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, was sich aus dem Produkt Teppich machen lässt und welche Rolle der Teppich heutzutage überhaupt spielt. Dann bin ich tatsächlich in den Straßen von New York auf diese alten orientalischen Teppiche gestoßen, die durch Kürzung des Flors, Waschung und teilweise Einfärbung zu neuem Leben erweckt werden. Ich bin selbst ein absoluter Fan dieser Optik und mag die Vorstellung ein so altes, handwerklich erzeugtes Produkt weiterzutragen. Jeder dieser Teppiche ist ein mit viel Sorgfalt ausgewähltes Unikat, das seine ganz eigene Geschichte hat. Durch das Treatment erhalten die Teppiche wiederum etwas sehr Modernes und lassen sich gut mit den oft etwas kühl wirkenden Designmöbeln von heute kombinieren.“

Bereits deine Familie hatte etwas mit dem Teppichhandwerk zu tun. Hat dich das inspiriert?

„Absolut. Mein Vater hat früh den Heimtextilhandel der Familie übernommen, mit dem er sich später nur auf Teppiche spezialisiert hat. Er ist sehr viel in den Heimatländern des Orientteppichs, wie dem Iran, der Türkei, Nepal und Pakistan unterwegs gewesen und dadurch ein absoluter Experte, was das Produkt betrifft. Mein Bruder und ich sind schon als kleine Kinder auf den Teppichstapeln im Geschäft herumgesprungen. Das Produkt ist mir deshalb seitdem ich denken kann vertraut und der Wunsch, mich irgendwann beruflich damit zu befassen, war immer irgendwie da.“

Wie hat sich der Moment angefühlt, als du entschieden hast, aus einer Idee ein Business zu machen? Hattest du auch Angst?

„Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich keinerlei Angst hatte. Es ging alles ziemlich schnell, die Idee war da, ich fest entschlossen und dann habe ich gekündigt und New York und meinen Job in der Mode zurückgelassen. Ich glaube, es war einer dieser Jetzt-oder-nie-Momente. Auch wenn der Gedanke an die anstehenden Herausforderungen belastend sein kann, ist es auf der anderen Seite ein tolles Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit.“

Wie finanzierst du dich und die Firma und wie groß ist dein Team?

„Die Firma ist komplett eigenfinanziert und mein Team besteht aktuell nur aus mir.“

Wie kam es zu dem Umzug von New York zurück nach Berlin? Bist du viel unterwegs für die Firma?

„Nach einem Jahr in New York wollte ich zurück nach Deutschland. Allerdings kam eigentlich nur Berlin in Frage, weil es im Vergleich zu anderen deutschen Städten sehr international gesprägt ist und ein kreativ-ambitioniertes Umfeld bietet. Das war mir wichtig als Basis für The Knots. Außerdem ist es wunderbar meinen Vater in der Nähe zu haben, der mich bei der Begutachtung der Teppiche unterstützt. Momentan bin ich viel in der Stadt selbst unterwegs, um Leute zu treffen und Shops und Kooperationspartner zu suchen. Außerdem reise ich natürlich für den Einkauf. Meine aktuelle Kollektion stammt aus West- und Zentralanatolien.“

Zu Hause hast du sicher viele Teppiche. Was nimmst du auf Reisen mit um dich wohl zu fühlen?

„So viele Teppiche sind es gar nicht. Ich finde es schön, einen Teppich gezielt einzusetzen. Aber gerade komme ich auf eine Idee: Was wäre mit einem Reiseteppich, der dich ein Stück Zuhause überall hin mitnehmen lässt? Im Ernst: Was ich auf Reisen brauche sind vor allem mein Handy für Fotos und natürlich, um mit meinen liebsten Menschen in Kontakt sein zu können, außerdem ein Notizbuch und was zum Lesen.“

Wohin willst du The Knots entwickeln? Welche Vision hast du für deine Firma?

„In erster Linie ist es mir wichtig, der Philosphie von The Knots treu zu bleiben. Das heißt, dass die Grundsätze handgemacht, einzigartig, echt und ausgewählt mit Liebe an oberster Stelle stehen. Außerdem möchte ich die Begeisterung für diese kleinen Kunstwerke wiedererwecken. Lange galt der Orientteppich als altbacken, aber Dank großer Teppich-Designer wie zum Beispiel Jan Kath gibt es eine Art Renaissance in dem Bereich. Und auch darüber hinaus zeigt sich ein gesellschaftlicher Wandel hin zu Ursprünglichkeit und traditionellem Handwerk, also eher weg vom schnellen Konsum. Natürlich denke ich auch über eine Erweiterung des Sortiments nach – innerhalb oder auch außerhalb der Produktgruppe Teppich.“

Darauf freuen wir uns. Vielen Dank für das Gespräch Katrin.

 
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