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Traumjob gesucht? Bloggen als Karrierestrategie

Immer mehr Menschen finden über ihr Blog einen neuen Job – angeblich. Aber funktioniert das wirklich? Und wenn ja, wie macht man es richtig?

 

Personal-Branding funktioniert

Wenn ich heute Freunden oder Bekannten von meinem Job vorschwärme, höre ich meistens „Ja, du hattest halt ein Riesenglück.“ Dann kann ich nur milde lächeln und denken: Nö, kein Glück. Naja, ein bisschen vielleicht. Aber vor allem waren es Strategie und harte Arbeit. Beides hatte ich in ein Blog und in diverse Social Media-Kanäle gesteckt und schließlich kam nach wenigen Wochen die E-Mail, die mein Leben auf den Kopf stellen sollte: „Hallo Frau Lewald, wäre es möglich, dass wir mal telefonieren? Ich hätte eventuell einen Job für Sie.“

Seitdem ich selbst meinen Job durch meine Personal-Branding-Strategie bekommen habe, höre ich immer wieder von anderen, dass sie es auch geschafft haben. Damit wäre also eine der Eingangsfragen schon beantwortet: Ja, es funktioniert wirklich! Zwar würde ich an dieser Stelle sehr gern Zahlen liefern – doch dieses Feld ist noch so neu, dass es hierzu schlichtweg noch keine ausführlichen Untersuchungen gibt, wie meine Recherchen bei Branchenexperten ergaben.

Doch das spielt eigentlich auch keine Rolle: Ich möchte das Bloggen nicht als „den heiligen Gral der Jobsuche“ darstellen, sondern schlichtweg als einen möglichen Weg zum neuen Traumjob. Einen Weg, der im Gegensatz zum üblichen Bewerbungen schreiben richtig viel Spaß macht!

Bloggen für den Traumjob – eine Strategie für jeden?

Egal, ob man aus rein privatem Interesse bloggt oder eben für den Traumjob: Es gibt Fähigkeiten und Eigenschaften, die beim Bloggen unerlässlich sind. Diese wären: Engagement und Selbstmotivation (am Ball bleiben und nicht aufgeben, auch wenn die ersten Leser auf sich warten lassen!), Spaß am Schreiben (nicht gleichbedeutend mit super schreiben können – das kann man nämlich lernen!) und konzeptionelles Vorgehen (erst das Was und Wie überlegen, dann loslegen!). 

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann es eigentlich schon losgehen. Mit dem Schreiben? Nein, mit Vorüberlegungen, die ich oben als „konzeptionelles Vorgehen“ beschrieben habe.

Blogkonzept Schritt für Schritt

Da wäre zum einen die Job-Frage: Welchen Job möchte ich idealerweise an Land ziehen? In welcher Branche oder in welchem Umfeld möchte ich tätig sein? Nehmen wir als Beispiel die Tätigkeit der Krankenschwester, die einen Job in einem Krankenhaus sucht, damit es nicht zu einfach wird. Denn zugegeben: Wer bloggt, um beispielsweise eine Arbeitsstelle als Social Media-Manager zu finden, hat es leichter. Das liegt an der naturgemäß besseren Vernetzung aller in diesem Bereich tätigen Onliner. Darüber hinaus versteht sich von selbst, dass auch durch das Bloggen eine Webdesignerin keinen Job als Krankenschwester bekommen wird.

Außerdem ist die Kompetenz-Frage sehr wichtig: In welchem Bereich liegen meine fachlichen Kompetenzen? Worüber kann ich bloggen, ohne mich zu blamieren? Dies bedeutet nicht, dass man nicht über Themen bloggen kann, mit denen man sich bisher weniger beschäftigt hat, aber dazu später mehr. Im Falle unserer Krankenschwester ist der Fall hier recht eindeutig. Anders sieht es zum Beispiel bei Redakteuren aus, die meistens über die verschiedensten Themen schreiben können. Bei diesen Tätigkeiten ist die eingangs genannte Job-Frage besonders wichtig: Möchte ich als Redakteur lieber für ein Games-Magazin oder für eine politische Zeitung schreiben? Dementsprechend passe ich natürlich auch meine Blogkonzept an.

Hinzu kommt die Kanal-Frage: Über welchen Kanal oder über welche Kanäle möchte ich mich potenziellen Arbeitgebern präsentieren? Da es in diesem Artikel ums Bloggen geht, zielt diese Frage eher auf die zusätzlichen Kanäle ab. Eine Streuung der eigenen Blogartikel über verschiedene Social Media-Kanäle ist anzuraten, da dadurch eine größere Reichweite erzielt werden kann. Ich empfehle jeden der wichtigsten Social Media-Kanäle durchzugehen und auf seine Eignung zu überprüfen. Hier sollten Fragen eine Rolle spielen wie: Sind meine potenziellen Arbeitgeber auf diesem Kanal anzutreffen? Kann ich diesen Kanal täglich mit entsprechenden (Fach-)Informationen füllen? Bin ich in der Lage diesen Kanal technisch zu bedienen?

Die richtigen Themen wählen

Schließlich geht es bereits zur Themenfrage: Über welche konkreten Themen möchte ich bloggen? Welche Themen eignen sich, um meine Fachkompetenz zu beweisen und idealerweise nicht irgendeinen Job, sondern meinen Traumjob zu ergattern? Im Falle unserer Krankenschwester könnten das beispielsweise sein: Umgang mit schwierigen Patienten, neue Behandlungsmöglichkeiten, wie führt man eine perfekte Visite durch, die Bedeutung von Blutspenden. Einer Krankenschwester würden hier bestimmt noch viel bessere Themen einfallen.

Um Abwechslung für den Leser zu schaffen, kann man auf verschiedene Artikelformate zurückgreifen. Für Fachblogs (und nichts Anderes ist ja ein Blog, mit dem man einen Job finden möchte) eignen sich beispielsweise folgende Artikelformate: Fachartikel, Buchrezensionen, Interviews, How-to-Artikel, Linksammlungen oder Branchennews. Die Liste ist sicherlich noch erweiterbar. Das Wichtigste ist, dass man jederzeit beim Thema bleibt und sich immer wieder das eigene Ziel vor Augen führt. Jeder Artikel sollte mit der Frage im Hinterkopf geschrieben sein: Was signalisiere ich mit diesem Blogartikel meinem potenziellen Arbeitgeber?

Bevor es nun an die Auswahl der technischen Umgebung geht, empfehle ich Folgendes: einen Redaktionsplan, der die nächsten drei Monate abdeckt. Davon ausgehend, dass ich einen Artikel wöchentlich verfasse (das absolute Minimum!), sind das also mindestens zwölf Themen. Selbstverständlich kann man vom Redaktionsplan abweichen, sollte man zwischenzeitlich aktuelle Themen aufgreifen wollen, die einige Wochen später nicht mehr frisch genug sind. Der Redaktionsplan vorab dient jedoch der eigenen Beruhigung. 

Die Technik: Bitte nicht sparen!

Sind die oben genannten Fragen alle ausführlich beantwortet und aufgeschrieben, kann man sich Gedanken über die Technik machen. Da dieses Thema allein eine ganze Artikelserie füllen würde, nur so viel: Ich empfehle immer eine selbst gehostete WordPress-Installation mit eigener Domain. Diese hat mehrere Vorteile: WordPress bietet durch hunderttausende Plugins und Themes (Designs) nahezu einhundert Prozent Freiheit, was die Individualisierung des Blogs betrifft. Ein selbst gehostetes Blog mit eigener Domain wirkt in den allermeisten Fällen auch wesentlich professioneller, und Professionalität ist für das Bloggen als Karrierestrategie natürlich das A und O.

Es gibt diverse Anbieter, die bereits für wenige Euro monatlich so eine Lösung zur Verfügung stellen, inklusive Domain, Hosting, WordPress Ein-Klick-Installation, E-Mail-Adressen und vielem mehr. 

Blogartikel: „Seeding“ nicht vergessen!

Das Wichtigste nach dem Veröffentlichen eines Blogartikels ist, den Artikel zu „seeden“. Das bedeutet nichts weiter als ihn auf den diversen Social-Media-Kanälen, in Foren, Gruppen und Communities bekannt zu machen, damit er auch gelesen wird. Die eingangs erwähnte Reichweite kann natürlich nur zustande kommen, sofern man sich diese Mühe macht – ansonsten wird der potenzielle Traumarbeitgeber sehr, sehr lange brauchen, bis er das eigene Blog überhaupt entdeckt.

Übrigens: Auch an themenbezogenen Diskussionen in Gruppen, Foren und Communitys teilzunehmen, erhöht die Reichweite des eigenen Blogangebots ungemein. Hier sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, nicht durch permanente Eigenwerbung negativ aufzufallen. Hilfreiche Antworten auf Fragen sind beispielsweise immer äußerst gern gesehen und werden auch dem potenziellen Arbeitgeber auffallen.

Einfach loslegen: Trial and error!

Stehen Konzept, technische Umgebung und die ersten Themen, sollte man einfach loslegen. Um am Ball zu bleiben, empfiehlt sich eine Schreibroutine (zum Beispiel jeden zweiten Abend eine Stunde schreiben). Auch die Veröffentlichung neuer Artikel an einem festgelegten Wochentag kann dabei helfen, nicht nach kurzer Zeit wieder aufzugeben. Wer sichergehen möchte, kann seine Artikel anfangs vor der Veröffentlichung von einem Branchenkollegen oder Freund gegenlesen lassen.

Zusammenfassend bleibt nur eins zu sagen: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Soll heißen: Ausprobieren! Wenn man nicht gegen gewisse Grundregeln verstößt, hat man eigentlich nichts zu verlieren, außer etwas Zeit – und die sollte einem der Traumjob schon wert sein. Und dann kommt mit etwas Glück auch bald die erste Anfrage: „Hallo, ich habe vielleicht einen Job für Sie!“

Katharina Lewald ist Coach, Beraterin und Trainerin für Online-Marketing und Online-Business und bloggt über diese Themen unter katharina-lewald.de.

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