Foto: Stuart Seeger I Flickr I CC BY 2.0

Tweet-Meisterinnen: Elf Frauen für die Fußball-Timeline

Wenn der Kommentator des Fernsehens nervt, springt Twitter ein. Auf diese elf Frauen ist bei jedem Spiel Verlass.

 

1) Dilma Rousseff

Dilma Rousseff ist der mächtigste Fan der Seleção: Seit 2011
ist sie die Präsidentin von Brasilien und erste Frau in diesem Amt.
Zuvor war sie Kabinettschefin und Energieministerin. Dilma begann sich
bereits zum Ende ihrer Schulzeit politisch zu engagieren und schloss
sich der Untergrundbewegung Comando de Libertação Nacional an, deren
Ziel der Sturz der Militärdiktatur war. Im Zuge dieses Engagements
wurde sie als 23-Jährige festgenommen und blieb zwei Jahre in Haft –
ihren Aussagen zufolge wurde sie in dieser Zeit gefoltert. Wer lesen
möchte, wie Dilma Rousseff die Weltmeisterschaft in ihrem Land
kommentiert, muss Portugiesisch können – oder ein Übersetzungsprogramm
nutzen.

2) Carolin Emcke

Die Publizistin Carolin Emcke ist vor allem für ihre Reportagen aus
Krisengebieten bekannt. Im einem besonderen Krisengebiet ist sie dabei
seit Jahren unterwegs: Sie berichtet über Homophobie und wirbt für
Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen. Für DIE ZEIT führte sie
im Januar das Interview
mit dem ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger
, der darin
als erster deutscher Profifußballer in der Öffentlichkeit über seine
Homosexualität sprach. Sie hat mit dem Buch „Wie
wir begehren“
einen sehr persönlichen Denkanstoß zur Intoleranz
gegenüber Menschen gegeben, die gleichgeschlechtlich lieben. In einem
taz-Interview
sagte sie kürzlich: „Manchmal frage ich mich, warum reicht es nicht,
einmal die Menschenrechte zu formulieren: „Alle Menschen sind gleich.
Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Stattdessen müssen wir dann
über Jahrhunderte erklären, wer alles als Mensch zählt.“ Carolin Emcke
ist BVB-Fan und kommentiert auch WM-Spiele über
ihren Twitter-Account.

3) Julie Foudy

Julie Foudy ist eine ehemalige US-amerikanische
Fußballspielerin, die bis zum Ende ihrer Laufbahn 2004
Mannschaftsführerin des Nationalteams war. Von 1987 bis zu ihrem
Abschiedsspiel nahm sie an insgesamt 271 Partien teil und schoss 45
Tore. Sie arbeitet jetzt als Kommentatorin und Reporterin für den
Sportsender ESPN, und hat mit ihren Analysen schon die WM 2006 und EM
2008 der Männer begleitet. Die Stanford-Absolventin setzt sich
außerdem für Frauen- und Kinderrechte ein. 1998 wurde sie mit den FIFA
Fairplay-Preis für ihr Engagement gegen Kinderarbeit ausgezeichnet.
Die „Julie Foudy Sports Leadership Academy“ fördert Mädchen im Altern
von 12 bis 18 in Fußball, Lacrosse und ihrem Führungstalent abseits
des Spielfelds. Diese WM kommentiert sie nicht nur für das
amerikanische Fernsehen, sondern auch über Twitter.

4) Laurence Parisot

Laurence Parisot war von 2005 bis 2013 die erste Chefin des
französischen Unternehmerverbands MEDEF. Diese Wahl sei „Zeichen einer
Modernität und Kühnheit, die man nicht unbedingt von Frankreich
erwartet hätte“, sagte ihr Vorgänger Ernest-Antoine Seillière damals
über die Wahl, die eine kleine Revolution war. Ihre Kandidatur galt
als chancenlos, weil sie nicht Wirtschaft studiert habe, sondern Jura
und Politik. Und weil sie zuvor keinen bedeutenden Konzern geleitet
hatte, sondern das Umfrageinstitut Ifop. Dessen Führung hatte sie
allerdings mit 26 Jahren übernommen. Die über 750.000 Mitglieder von
MEDEF wählten sie. Sie liebt surrealistische Kunst „aus Liebe zur
radikalen Innovation“. Diese Kunst habe den Konformismus bekämpft, sei
dabei aber nicht nihilistisch, sondern erfinderisch, so die Französin.
Über Twitter kommentiert sie vor allem wirtschaftliche Themen – aber
feuert auch das französische Team an.

5) Rihanna

Rihanna der man in sozialen Netzwerken wie Instagram und Twitter
besonders gern folgt, weil sie keine Berührungsängste mit den Medien
hat und Gefühlen, Ideen und verrückten Selfies freien Lauf lässt,
setzt diese Strategie bei der Weltmeisterschaft fort. Ihre
Fußballbegeisterung erstreckt sich gleich auf mehrere Teams –
amerikanische Fans sind irritiert, wenn nicht sogar verärgert und
riefen über Twitter dazu auf, ihre Konzerte zu boykottieren, als sie
im Duell der amerikanischen und deutschen Mannschaft die Nationalelf
unterstützte. Doch wer könnte ihr das verübeln? Die Frau hat Ahnung
von Fußball!

6) Sophie Servaes 

Die Journalistin Sophie Servaes ist vor allem für großartige
Tumblr-Ideen bekannt. Auf ichliebemeinefernsehzeitung.tumblr.com
sammelt sie Bildunterschriften aus gedruckten Fernsehzeitungen, die in
ihrer unfreiwilligen Komik eigentlich schon ein eigenes Genre bilden,
auf  tatortstyle.tumblr.com
stellt sie getreu dem Motto „Endlich so aussehen wie dein
Lieblings-Tatort-Kommissar!“ jeden Sonntag zur Ausstrahlung des
Kultkrimis Outfits zusammen, die man direkt in einem Onlineshop kaufen
kann. Außerdem gibt es noch
loddarholdingthings.tumblr.com
und als zweite Schöpfung in der
Reihe ihrer Fußball-Tumblr nun fussiriot.tumblr.com, auf dem
sie Fundstücke und Eigenkreationen zur WM sammelt. Unser Favorit: die
Entspannungsübungen mit Jogi Löw. Sophie twittert unter @Wersglaubt.

7) Stephanie Nolen

Die Kanadierin Stephanie Nolen ist die
Lateinamerika-Korrepondentin von „The Globe and
Mail“
und damit Expertin für alles Wissenswerte über die Länder
der teilnehmenden südamerikanischen Mannschaften. Sie konzentriert
sich als Journalistin besonders auf Menschenrechtsthemen und wurde für
ihre Arbeit unter anderem sieben Mal mit dem „National Newspaper
Award“ ausgezeichnet. Ihr zuletzt erschienenes Buch heißt „28: Stories
Of Aids In Africa“. Sie gründete außerdem das „Museum of AIDS in
Africa“
, das nicht nur als Gebäude, sondern auch als mobiles
Museum und virtueller Ort eröffnen soll. Nolen twittert noch nur
Beobachtungen aus Brasilien, sondern teilt auch spannende Links zu
Berichterstattung über die WM mit südamerikanischem Fokus, wie zum
Beispiel ihrem eigenen Text über chilenische Fans, die 6.000 Kilometer
über die Anden reisten, um ihr Team zu unterstützen. 

8) Eva Horn

Eva Horn hat auf der re:publica-Konferenz in diesem Jahr darüber
gesprochen, wie sich das Ende von Beziehungen mit der digitalen Vernetzung
von Leben und Liebe gewandelt hat. 2011 sprach sie auf der gleichen
Konferenz schon einmal über das „Flittern“ – das Flirten auf Twitter.
Die Frau mit den grünen Haaren ist – wer hätte es geahnt – Anhängerin
von Werder Bremen. Nebenbei ist sie Restaurantkritikerin in Stuttgart
und stellt die kulinarischen Höhen und Tiefen der Hauptstadt
Baden-Württemberg auf kunstimglas.tumblr.com vor. Zur Weltmeisterschaft
hat sie dort eine kleine Spezialserie begonnen: Fußballkneipen. Eva
Horns Tweet verzichten selten auf kleine Gemeinheiten.

9) Sophia Azeb

Sophia Azeb  ist PhD-Kandidatin in „American Studies &
Ethnicity“ an der University of Southern California und beschäftigt
sich in ihrer Dissertation unter anderem mit der Identität schwarzer
Fußball, die in Algerien, Frankreich und Ägypten spielen. Sie ist eine
der Autorinnen des Blogs „Africa is a country“, auf dem sie mit „alten und
müden Bildern“ und vermeintliche Weisheiten über den afrikanischen
Kontinent und seine Bürger in westlichen Medien brechen wollen. Auch
über die WM wird hier berichtet, mit Artikeln wie „So then, what does Blackness in Brazil look
like?“
oder einem Besuch in einem Restaurant in Harlem, in dem ivorische Fans das Spiel gegen Griechenland
verfolgten
. Von Sophia sind heute Abend in jedem Fall Tweets zum
Spiel Deutschland – Algerien zu erwarten.


10) Mona Eltahaw

Mona Eltahawy ist
ägyptisch-amerikanische Journalistin und Aktivistin, die vor allem
über feministische und LGTBQ-Themen in muslimischen Gesellschaften
berichtet. Ihr Essay „Warum
hassen sie uns?“
, der in „Foreign Policy“ erschien und männliche
Gewalt in der arabischen Welt anklagte, wurde weltweit diskutiert und
beschäftigte wochenlang Talkshow im Nahen Osten. Die 46-Jährige hat
selbst Poizeigewalt erfahren: 2012 wurde sie auf dem Tahrir Platz
verhaftet und misshandelt. Man brach ihr einen Arm und eine Hand. Mona
twittert über beinahe jedes Spiel der WM – mit ebenso viel
Leidenschaft wie über ihre politischen Anliegen.

11) Kati Krause

Kati Krause ist ein „Magahoic“ – eine Person, die gedruckte
Magazine liebt. Aus diesem Grund hat Kati die Veranstaltungsreihe „Tinta de la
Casa“
mitgegründet, die sich unabhängigen Zeitschriften widmet und
in Barcelona und Madrid ihren Anfang hatte. Mittlerweile finden die
Diskussionsabende in Berlin statt. Im Frühjahr hat Kati außerdem ihr
erstes eigenes Magazin herausgebracht. „Winter wurde mit Crowdfunding finanziert und soll die graue und
dunkle Jahreszeit in etwas Einzigartiges und Wunderschönes verwandeln.
Wie „Winter“ entstand und was Kati gern liest, verrät sie im Interview mit Magculture. Nach ihrem Abschied von
Etsy arbeitet Kati wieder als Freie, unter anderem für das
Online-Magazin „Freunde von Freunden“. Uns würde nicht
überraschen, wenn Kati bald mit einem neuen Fußball-Magazin den
Zeitschriftenmarkt aufmischt. Bis dahin lesen wir ihre Tweets.

 

Wer fehlt ins unserer Aufstellung? Ergänzt eure Geheimtipps dieser
WM in den Kommentaren!

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