Foto: Oliver Reetz

Wie wird man selbst zur Marke? Das weiß die Journalistin Vanessa Blumhagen

Will man nur 15 Minuten Aufmerksamkeit oder langfristig erfolgreich sein? Die VIP-Expertin und Journalistin Vanessa Blumhagen erzählt, was sie darüber im Showgeschäft gelernt hat.

 

Die zwei Seiten der
Aufmerksamkeit

Wie erreicht man eigentlich Aufmerksamkeit? Diese Frage
treibt nicht nur Medien, die ihre Zielgruppe erreichen wollen, sondern auch
Prominente herum. Vanessa Blumhagen ist hier die TV-Gatekeeperin für
Promi-Themen, über die sie im Sat.1-Frühstücksfernsehen spricht. Mit der
ehemaligen MOPO-Volontärin hat das Digitalmagazin Unified über die Relevanz von Promi-Themen, die
veränderten Arbeitsabläufe durch Social Media und ihre eigene Bekanntheit als
Journalistin gesprochen. 

Frau Blumhagen, durch Ihre Arbeit bei RTL und Sat.1 sind Sie
und Ihre Arbeit bekannt. Kommen die Promis und Sternchen mittlerweile direkt
mit Themenvorschlägen auf Sie zu?

„So direkt macht das keiner, aber natürlich bin ich mit dem
einen oder anderen über WhatsApp und Co. in Kontakt. Oder man trifft sich, wie
auf der von Promis stark frequentierten Zugstrecke Hamburg-Berlin. Ansonsten
läuft das subtiler: Man bekommt etwas geschickt, ein Tuch oder ein
Schmuckstück. Und da sieht man schon: Ah, die ist jetzt Schmuckdesignerin. Aber
die Themen für die Sendung entscheiden sich natürlich nicht aus dem, was ein
Prominenter gerne möchte, sondern aus der Tageslage.“

Was ist denn die Tageslage bei Promi-Themen und macht ein
Thema für Sie zu einem Thema?

„Was ist ein Thema, bei dem man ins Büro geht und sagt: Hast
du eigentlich schon gehört…? Es muss etwas Emotionales, oft auch etwas Kritisches,
haben. Und oft auch etwas, wo die Menschen zunächst sagen: Versteh ich gar
nicht, wieso macht der denn sowas? Dann ist es mein Job, den Zuschauern zu
erklären, was der Hintergrund ist und welche Punkte im Leben des Prominenten
schon darauf hingewiesen haben.“

Welche Rolle spielt Social Media für Sie einerseits um
informiert zu bleiben, andererseits für die Berichterstattung?

„Mittlerweile eine ganz, ganz große. Man kommt an Facebook,
Instagram und Twitter nicht mehr vorbei; ganz viele Geschichten ergeben sich
aus diesen Posts. Für die Prominenten ist das ein super Weg, ihre Storys zu
platzieren.“

Verändert das nicht dann auch Ihren Job, wenn die Stars die
Storyline schon vorgeben?

„Ja, das hat auf jeden Fall dieses ganze Business extrem
verändert, weil man nur ein bisschen durch seine allgemeinen Verdächtigen wie
Kim Kardashian und Sylvie Meis scrollen muss, um potenzielle Geschichten zu
finden.“

Sie selbst sind durch Ihre TV-Präsenz, aber auch Ihre Bücher,
mittlerweile selbst bekannt. Wie wird man eigentlich als Journalistin zur
Marke?

„Als Journalistin ist das Fernsehen als Katapult ganz wichtig:
Etwa durch die Präsenz in Talkshows mit politischen, sozialen oder
wirtschaftlichen Themen – das ist jetzt nicht so ganz mein Spezialgebiet. Bei
mir ist es eben die Sendezeit bei Sat.1, die eine Spielfläche ist, die nur
wenig Menschen im deutschen Fernsehen haben. Und darauf aufbauend sind in
meinem Fall dann noch andere Sachen entstanden, etwa die Bücher zu meiner
Krankheit Hashimoto.“

Aber sie wissen ja genau, was durch die Enthüllung privater
Details – etwa Krankheiten – passieren kann. Hatten Sie Angst, davon medial
mitgenommen zu werden?

„Nein, denn der Weg, den ich gegangen bin – von den ersten
Symptomen bis zur Diagnose – war wirklich hart. Ob da jetzt irgendeine Zeitung
etwas Blödes über mich schreibt… Da bin ich dann auch wirklich abgestumpft,
eben weil ich die Mechanismen dahinter kenne und ich weiß, wie es dazu kommt.“

Was sind denn Ihre Tipps, wie man heute noch Aufmerksamkeit
bekommt?

„Das hängt davon ab, was man will. Geht es um die
Warhol’schen 15 Minuten Ruhm? Das geht schnell. Bei Frauen: Ausziehen, Skandale
mit irgendwelchen Männern, Castingshows mitmachen und so weiter. Also etwas,
womit man kurzfristig auffällt, das aber genauso schnell wieder vorbei ist –
und die Leute sehr hart im wahren Leben aufschlagen lässt.“

Oder?

„Ich bin immer noch der Überzeugung: Wenn jemand etwas kann und
das nachhaltig macht, ist das der bessere Weg. Aber dafür muss man auch
arbeiten. Die meisten Karrieren, die sich über Jahrzehnte im Showbiz, in der
Wirtschaft oder wo auch immer gehalten haben, deren Basis war immer harte
Arbeit. Und viel Geduld, Durchsetzungswille und Rückschläge überwinden. Das ist
leider der einzige Weg, um langfristig Erfolg zu haben.“

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