Fotos: Jule Weber | Collage: EDITION F

#WasHeuteGutWar: Ein digitales Tagebuch für die guten Momente

Eine Tasse Kaffee oder wie das Licht in die Küche fällt – unsere Autorin teilt die guten Momente des Tages auf Instagram. Was daraus entsteht, ist ein digitales Tagebuch für Achtsamkeit.

Mein erster Post zum Hashtag war die Reflexion von Girlanden aus Pridefahnen auf dem Asphalt einer Straße in Amsterdam. Wenn ich das Bild anschaue, kommen für mich die Erinnerungen an den ganzen Tag wieder hoch, an den Sommerurlaub mit meinem Kind, aber auch Sorgen um die unmittelbar bevorstehende Zukunft, die mich in dieser Zeit begleitet haben – genau in diesem Moment waren diese Sorgen aber ganz weit weg. Ich erinnere mich an diesen Gedanken: Eigentlich ist es doch ganz schön gut gerade.

Beine, Baustelle, Baby: Was für unsere Autorin gut war. Screenshots Instagram

Der Hashtag selbst tauchte zum ersten Mal bei der Autorin Anna Luz de León auf, die mir von einem ganz ähnlichen Gefühl dahinter erzählt. An dem Tag, an dem sie #WasHeuteGutWar zum ersten Mal nutzte, sah sie ihre Schwester mit ihrem damals neugeborenen Sohn wieder. Die Erfahrung, das Kind ihrer Schwester so sehr zu lieben, zu sehen, dass wiederum ihre Kinder sich bereitwillig auf eine emotionale Bindung zu diesem kleinen Menschlein einließen, all das war ganz und gar nicht „klein“, sondern ein gigantischer Moment voller großer Gefühle – und zu dieser Zeit in relativem Chaos dennoch so einfach und richtig und gut.

Am Anfang war die Therapie

So entstand #WasHeuteGutWar als Hashtag für das, was alles andere ins rechte Licht rücken kann, für all das, was zweifellos richtig und gut und eine Kraftquelle ist. Für mich hat die Idee von #WasHeuteGutWar offline angefangen, als Jugendliche in einer Therapiesitzung: Meine Therapeutin forderte mich damals auf, mir jeden Tag eine gute Sache zu notieren. Ich fand die Idee zuerst ganz furchtbar, hatte keine Lust, etwas für mich selbst zu notieren, war nachlässig und unmotiviert. Inzwischen möchte ich auf das Ritual nicht mehr verzichten.

In meinem Alltag fühle ich mich oft ganz schön gestresst von allem. Die Herausforderungen als freie Autorin, die Herausforderungen mit mir selbst, die Herausforderungen als Alleinerziehende und das alles in dieser Gesellschaft und in diesen Zeiten – insgesamt sehe ich jede Menge Gründe, um die Nerven zu verlieren.

Mir hilft es, am Ende des Tages all die kleinen Momente durchzugehen und mich daran zu freuen, dass ich dann doch immer verlässlich einen finde, den ich gut fand. An manchen Tagen völlig offensichtlich und groß, an anderen ein bisschen versteckter: eine Tasse Kaffee, die ich in Ruhe trinken konnte, oder wie abends das Licht in die Küche gefallen ist.

Kontrastpunkt zu Hass im Netz

#WasHeuteGutWar erinnert mich so immer wieder daran, dass eben nicht alles schlecht ist, dass es immer noch und immer wieder Lichtblicke gibt, und motiviert mich so, weiterzumachen.

Natürlich könnte ich das Ganze auch wieder schriftlich und für mich privat machen, allerdings mag ich die Möglichkeit, jeden Tag einen positiven Moment ins Internet zu stellen – als Kontrastpunkt zu all den schlechten Nachrichten und den Hasskommentaren. Ich mag die Möglichkeit, darüber mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die auf meine Posts reagieren oder anfangen, den Hashtag selbst zu nutzen. Und ich freue mich umgekehrt immer, wenn ich bei Menschen lese, dass auch sie ihrem Tag wieder einen guten Moment abgewinnen konnten, denn Hashtags sollten und können immer auch von anderen genutzt werden (ich selbst hab ihn von Sirka @fredminuserika „geklaut“).

Keine Hochglanzrealität

#WasHeuteGutWar soll keine Hochglanzrealität auf Instagram sein, soll nicht so tun, als sei am Ende immer alles schon in Ordnung. Ich glaube auch nicht, dass man in allem Schlechten auch etwas Gutes finden kann. Ich versuche mich aber immer wieder daran zu erinnern, dass ein Tag aus sehr vielen kleinen Momenten besteht. Ich arbeite daran, dass nicht ein großes Thema oder ein anstrengender Termin alles andere überschattet.

Für mich selbst lege ich den Fokus darauf, was mich glücklich macht und daran lasse ich andere teilhaben: Sei es, weil sie sich dann mit mir freuen können, oder weil es sie vielleicht auch anregt, selbst den eigenen Tag zu reflektieren und diesen einen (oder mehrere) kleinen (oder großen) Moment zu finden, in dem kurz alles gepasst hat. Und der schlicht und einfach: gut war.

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