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10 Ideen für eine entspannte Schwangerschaft

Meine Schwangerschaft ist sehr entspannt, weil ich gute Tipps von anderen bekam. Zehn Dinge, die ich gelernt habe, möchte ich weitergeben.

 

11/11/2014

Mutterschutz beginnt, alles entspannt

Heute beginnt die 36. Woche meiner Schwangerschaft – damit bin ich schon im gesetzlichen Mutterschutz. Ich trage nun fast nur noch diese Hosen, die man beinahe bis unter die Brust ziehen kann, die Tritte des Babys kitzeln und da mein Körpergefühl nicht hinter dem wachsenden Bauch hinterher kommt, laufe ich des Öfteren mit ihm gegen Türklinken, Fahrradlenker oder fahre den Schreibtischstuhl ein wenig zu beherzt an den Tisch.

Ab heute sind es – sollte das Baby zum errechneten Zeitpunkt Lust haben den Berliner Winter kennenzulernen – noch etwa fünf Wochen. Für mich fühlt sich das endlos an. Die ersten Wochen habe ich kaum körperliche Veränderungen gemerkt, dann nervte die Übelkeit, dann sah ich staunend den Bauch beim Wachsen zu und zählte Purzelbäume unter dem Hosenbund. Die nächsten Wochen werden weniger spannend sein, dafür beschwerlicher. Wenn das Baby sehr doll strampelt, habe ich den Impuls, den Bauch auf den Arm zu nehmen. Von mir aus könnte es jetzt so weit sein.

Dem steht nur entgegen, dass die Vorbereitungen auf ein Baby ein eigener Vollzeitjob ist. Während ich mental mehr als bereit bin, hallo zu sagen, ist meine Wohnung es noch nicht. Der Bürokratiekram wartet noch und einen Namen gibt es auch noch nicht – das auch, weil ich es leichter fände, darüber bei einem Whisky nachzudenken, statt bei Tee, Tee und wieder Tee. Für Eltern, die ihr Kind früh in die Kita geben wollen oder müssen, sollte es zudem in der Schwangerschaft einen Tag zusätzlichen Urlaub pro Woche geben. Denn wie es anders zu organisieren sein soll, ist mir aktuell ein Rätsel, aber das ist ein eigenes Thema.

„Don’t leave before you leave.“

Sheryl Sandberg wird mit dem Satz über die Schwangerschaft zitiert: „Don’t leave before you leave.“ Während er sicher etwas Wahres enthält, spielt Facebook aber auch eine Rolle dabei, warum man schon vor der Geburt so viele Gedanken, Zeit und Geld in das Baby investiert. Logge ich mich aktuell bei Facebook ein, bekomme ich Werbung für Schwangerschafts- und Babyprodukte angezeigt. Das ist ein kleiner Fortschritt verglichen mit Diätwerbung, es nervt trotzdem. Schwangerschaft, kleine Kinder und Muttergefühle sind ein riesiger Markt. Das im Hinterkopf zu haben, hilft dann auch dabei, die eigene Schwangerschaft als etwas sehr Normales zu betrachten, das man nach Belieben aufpeppen kann, aber nicht muss. Viele der Produkte und Services, die angeboten werden, sind völlig überflüssig und setzen bei Gefühlen an, die viele Schwangere kennen: Unsicherheit und Verletzlichkeit. Werden diese Gefühle verstärkt, entsteht zusätzlicher Stress, der so nicht sein müsste.

Zurückblickend auf die ersten acht Monate habe ich daher ein paar persönlichen Empfehlungen gesammelt, wie man eine Schwangerschaft entspannter erleben kann. Aber Vorsicht, sie sind lediglich an mir getestet.

1) Vertrau dir selbst, höre – wortwörtlich – auf deinen Bauch

Als ich schwanger wurde, wusste ich im Prinzip nichts, außer dass ich auf den abendlichen Wein nun verzichten würde. Ich hatte nur eine enge Freundin, die schon ein Baby bekommen hatte, aber das auch in einer anderen Stadt und ein paar Jahre her war es auch. Außerdem: Ich hatte mit vielen Dingen in diesem Jahr gerechnet, aber nicht mit einer Schwangerschaft.

Kurz bevor ich den positiven Test in der Hand hielt, hatte ich einen Urlaub für mich allein gebucht: Eine Woche Reiten im anspruchsvollen Berggelände von Sardinien – nachdem ich über zehn Jahre nicht im Sattel gesessen hatte. Allein das war schon eine abenteuerliche Idee – oder auch risikofreudig. Während ich also darüber sinnierte, ob das Baby eine gute Idee sei, kam die Angst, es womöglich gleich wieder zu verlieren, falls ich vom Pferd fiel, vermischt mit dem Bewusstsein, Urlaub zu brauchen und mich wahnsinnig darauf gefreut zu haben. Ich hatte eine Doktorarbeit gegoogelt, die sich mit dem Fehlgeburtsrisiko bei Reiterinnen auseinandergesetzt hatte und kein erhöhtes feststellen konnte.

Das Gefühlsdilemma blieb so lange, bis ich den wohl besten Rat bekam, den ich gern weitergeben möchte. „Du selbst weißt am besten, was du dir zutrauen kannst und was gut für dich ist“, sagte meine Freundin, „Das Beste, was du jetzt machen kannst, ist dich darauf zu verlassen. Denn von diesen Situationen, in denen du widersprüchlichen Rat bekommst und jeder es besser weiß, werden in den nächsten Monaten noch mehr werden.“ Dieser Rat war eigentlich sogar eine schöne Analogie, zu dem, was die Verbindung von Mensch und Pferd ausmacht: Du musst dem Pferd bedingungslos vertrauen, denn egal, wie gut du reiten kannst, das Pferd ist immer stärker. Wer dem Pferd nicht vertraut und außerdem selbst Angst hat, sollte gar nicht erst aufsteigen. Ich hörte also ein wenig tiefer in meinen Bauch hinein, der eigentlich schon entschieden hatte, dass er diesen Urlaub wollte. Nicht ich hatte Angst, sondern andere. Und mein Bauch gab mir Recht: Ich hatte das Reiten nicht verlernt und es hätte wohl keinen besseren Weg geben können, den Kopf frei von allem anderen zu bekommen, als jeden Tag sechs oder sieben Stunden durch menschenleere Wälder zu galoppieren. Für das nächste Mal weiß ich zwar, dass man nach sieben Tagen Wanderritt unbedingt ein paar Tage Wellness anhängen sollte, aber ich hatte gelernt, dass ich meinem Grundgefühl vertrauen kann.

2) Hinterfrage die Regeln

Freiheit endet unter anderem dann, wenn man schwanger wird. Das erste, mit dem ich zu tun bekam, war eine ganze Menge Regeln oder besser gesagt: Verbote. Nachdem ich gelesen hatte, welche Lebensmittel alle vermeintlich schädlich sind und ich von meinem Speiseplan streichen sollte, blieb kaum noch etwas übrig. Das begleitete mich übrigens auch im Sardinien-Urlaub: „Darf ich diese tolle, hausgemachte Salami essen?“ Das Internet – zumindest schnell durchsucht – sagte nein. „Du trinkst noch normalen Kaffee, das ist gefährlich“, sagte mir mehr als eine Person. Ich stand verunsichert in der Cafeteria des Bundestages und dachte, weder ein Brötchen mit Ei, Ziegenkäse, Räucherlachs oder Schinken essen zu können. Überall lauerten tödliche Keime. Notgedrungen kaufte ich ein Croissant, denn das war definitiv tot. Die Autoren von Schwangerschaftsratgebern lieben verarbeitete Lebensmittel: Bis zur Bewusstlosigkeit gekochtes Gemüse, abgepackte Wurst, Dinge aus Dosen. Wer diesen Rat befolgt, braucht vermutlich in der Tat Vitamine in Pillenform aus der Apotheke. Bevor man also gar nichts mehr isst außer Analogkäse und eingelegte Mandarinen, lohnt es sich, zu recherchieren, so wie es die Journalistin Emily Oster getan hat. In den USA waren eine Sorte Rohmilchkäse und frisch geschnittene Putenbrust die Hauptquelle für Listerieninfektionen, fand Oster heraus, der Rest war völlig unvorhersehbar und enthielt Lebensmittel wie Melone und Sellerie, mit denen auch Schwangerschaftsratgeber nicht rechnen. Oster hat zudem Forschungsdaten zu Alkohol- und Kaffeekonsum kritisch hinterfragt, ihr gesamter Essay „Take Back Your Pregnancy“ sei an dieser Stelle wärmstens empfohlen.

Ich habe schließlich für mein Essverhalten wieder die Taktik „Hör auf deinen Bauch“ angewendet. Nachdem ich schwanger wurde, verschwand mein Büroheißhunger auf Schokolade komplett und mein Körper wollte nur noch frisches Obst. Meine Ernährung war bis dahin eiweißreich und kohlenhydratarm, mit der Schwangerschaft konnte ich keine gekochten Eier mehr sehen und wurde prompt wieder zur Vegetarierin. Stattdessen ernährte ich mich in den ersten Wochen vorrangig von gekochten Kartoffeln und Nudeln – Dinge, die ich vorher nicht freiwillig gegessen hätte. Die Schwangerschaft hat mir oft erspart, mir Gedanken über die nächste Mahlzeit machen zu müssen: Mein Körper war immer recht klar darin, was er wollte. (Er will übrigens seit Monaten rohen Lachs, eines der wenigen Dinge, die ich ihm nicht erlaube.)

Für mich hat die Schwangerschaft ein normaleres Essverhalten ermöglicht als vorher, weil ich die Sorge um Gewichtszunahme dem Appetit des Babys geopfert habe. Vielleicht geht es ihm und mir auch deswegen so gut – ganz ohne all die Nahrungsergänzungsmittel, die in Apotheke und Drogerien so liebevoll arrangiert sind.

3) Versuch nicht stärker zu sein, als du bist

Eine Schwangerschaft ist auch die Zeit, in der man an die eigenen Grenzen geraten wird und alte Gewohnheiten aufgeben muss. Das passierte mir recht früh mit der Übelkeit. Das erste, was ich dabei lernte, war, dass der Begriff Morgenübelkeit dringend ersetzt werden muss. Die Übelkeit kann zu jeder Tageszeit auftreten und auch den ganzen Tag anhalten. Selbst der beste Geheimtipp muss dir nicht helfen. Es hat zwei Tage gedauert, dass meine übliche Herangehensweise „Solange ich nicht im Sterben liege, schlepp ich mich ins Büro“ für die Übelkeit schlicht und ergreifend nicht praktikabel war. Ich musste Zuhause bleiben. Der Trost: Während man selbst schlapp herumliegt, ist der Körper äußerst produktiv. Da wächst was! Mehr zu versuchen, als man eigentlich kann, ist eine Haltung, die man sich für Zeiten vor und nach Schwangerschaften aufheben kann. Dann kann man daran wachsen. Dass man in der Schwangerschaft keine Nächte mehr durcharbeiten kann, länger für die Treppen braucht und früher einschläft, ist keine Schwäche. Schwangerschaft kann hingegen eine gute Zeit dafür sein, um sehr nervenaufreibende Projekte durchzuziehen. Auf mich haben die Hormone so eine tiefenentspannende Wirkung, dass mich im Prinzip nichts aus der Fassung bringen kann. Allerdings hat mir diese neue innere Ruhe das Schauen der WM-Spiele verdorben: Ich war viel zu gelassen, um mitfiebern zu können.

4) Such dir eine gute Hebamme, anstatt zu googeln

Die Hebammenversorgung in Deutschland ist aktuell gefährdet, Frauen auf Inseln wie Sylt müssen beispielsweise schon 14 Tage vor der Geburt aufs Festland reisen, da sie auf der Insel selbst nicht mehr gebären können, es sei denn, sie wollen es eben ganz allein tun.

Jede Frau hat mit Beginn ihrer Schwangerschaft das Recht auf die Betreuung durch eine Hebamme, denn sie steht dir auch im Fall einer Fehlgeburt zur Seite. Niemand weiß so viel über Schwangerschaft wie eine erfahrene Hebamme – auch nicht Google. Das deutschsprachige Online-Angebot für Schwangere ist eh relativ mager und auch nicht auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten. Wer billige Frauenmagazine mag, wird hier eventuell glücklich, wer auf der Suche nach Texten ist, die die Leserin nicht wie eine Dreijährige behandeln, wird verzweifeln. Schwangerschaftsforen sind grauenvoll, zudem muss man tagelang darin stöbern, um die Abkürzungen zu verstehen. Schlimmer sind nur noch Kinderwunschforen, in denen Begriffe wie „Spermies“ und „schnaggeln“ fallen.

Eine gute Hebamme sieht ihre Aufgabe vor allem darin, etwaige Sorgen nicht zu verstärken, sondern dich zu beruhigen. Sie will dir vor allen Dingen nichts verkaufen, sie profitiert nicht von extra Untersuchungen und Medikamenten. Ich habe nach der Beratung mit meiner Hebamme entschieden, eine Reihe von zusätzlichen Untersuchungen nicht zu machen, die meine Frauenärztin vorschlug. Im Gegensatz zu Ärztinnen hast du außerdem die Handynummer deiner Hebamme und kannst sie bei Fragen direkt anrufen. So kann sie dir sehr schnell weiterhelfen – ohne Termin in der Praxis. Meine Vorsorgeuntersuchungen mache ich abwechselnd bei meiner Hebamme und bei meiner Ärztin. Die Termine bei ihr waren es, die fürsorglich waren, bei denen sich Zeit genommen wurde, bei der ich Dinge lernte wie das Baby zu tasten, bei der ich wirklich alle Fragen stellen konnte und wo mein Partner als gleichwertiges Elternteil wahrgenommen wurde, der nicht nur daneben sitzt und den Ultraschall betrachten darf. Zusammengefasst: Hebammen sind großartig und sie verdienen politische Unterstützung – denn werdende Eltern verdienen Hebammen.

Eine Hebamme wird euch auch beraten, wenn ihr noch nicht wisst, wie und wo ihr das Kind bekommen möchtet. Es gibt in Deutschland sehr viel mehr Möglichkeiten als Krankenhäuser: Nämlich noch von Hebammen geleitete Kreissäle, Geburtshäuser und auch Hausgeburten.

5) Es gibt mehr Dinge, als schwanger zu sein

Dass eine Schwangerschaft etwa 40 Wochen dauert, hat die Natur recht clever geplant. Die Vorbereitungszeit ist endlos. Das heißt aber auch, dass man den allergrößten Teil der Schwangerschaft so verleben kann, als wäre man gar nicht schwanger, oder so, als sei die Schwangerschaft nur eine kleine Veränderung im Leben, wie eine neue Wohnung oder ein neuer Haarschnitt. Ich habe in der Schwangerschaft dann sehr schnell gelernt, dass es die beste Idee war, eine neue Stelle anzunehmen. Die ersten Wochen haben ich in der Tat viel im Netz gesurft und mir sehr viel unnützes Wissen über die Schwangerschaft angeeignet. Als ich dann in den neuen Job wechselte, ist mir meistens erst abends wieder eingefallen, dass ich schwanger bin. Meine Aufmerksamkeit gehörte den Dingen, die mich wirklich herausforderten und mir Spaß machten.

Ein bisschen mehr Bauch braucht kein Projektmanagement. Der Alltag bleibt also sehr normal, wenn es noch andere schöne Dinge gibt, auf die man sich freuen kann. Wenn es sie nicht gibt, ist vielleicht die Schwangerschaft Ansporn, sie sich zu suchen. Ein Baby allein ist kein Lebensinhalt, auch wenn man vieles dazu lernt. Kinder ziehen irgendwann von Zuhause aus, das Leben neben dem Baby weiter zu planen, ist also durchaus eine gute Idee. Auch diesen Gedanken habe ich das erste Mal von Sheryl Sandberg gehört: Wenn ich einen Job habe, der mir Spaß macht, fällt es mir leichter dorthin nach der Elternzeit zurückzukehren – vielleicht auch eher. Dass Eltern mit zuckersüßen Kindern nicht zurück an eine Stelle wollen, bei der langweilige Aufgaben und ein unfähiger Chef warten, liegt auf der Hand. Mein Ideal ist es, sich auf beides freuen zu können: ein Beruf mit einem tollen Team und mit dem ich wachsen kann, genau wie eine Familie, auf die ich mich freue und mit der ich lerne. Wenn man viel lieber darüber nachdenkt, in welcher Farbe das Kinderzimmer gestrichen werden soll, und dafür Dinge im Job vor sich her schiebt, lohnt es sich sicherlich nachzudenken, ob da nicht noch eine weitere große Entscheidung bevorsteht – neben dem Kind.

Und noch etwas: Es ist eher selten, dass du parallel zu Freundinnen schwanger wirst und es ist nicht selten, dass große Veränderungen im eigenen Leben das harmonische Gleichgewicht einer Freundschaft stören.

Beziehungen zwischen Menschen bestehen immer aus Geben und Nehmen. Deswegen ist es auch weiterhin wichtig, ein Ohr für die Themen und Sorgen der Menschen in deinem Leben zu haben, die kein Baby haben. Vermutlich ergibt sich das aber auch natürlich, weil man irgendwann genervt ist, wenn Smalltalk immer über deinen Bauch und den Geburtstermin initiiert wird. Spätestens aber, wenn du in Krabbelgruppen und auf Spielplätzen auf fremde Eltern triffst und es wenig Gesprächsstoff außer die Fortschritte der Kleinen gibt, wirst du sehr froh sein, dich mit Leuten treffen zu können, die mit dir über Politik oder Erwachsenendrama diskutieren.

6) Lass andere teilhaben, besonders deinen Partner, denn er kann keine Gedanken lesen

Ich bekomme mit einem Mann zusammen ein Kind – und das ist ein Nachteil für ihn: Er wird niemals wissen, wie es sich anfühlt, schwanger zu sein. In den ersten Wochen denkt man vielleicht: der Glückliche. Denn er muss keine Panik haben vor den körperlichen Veränderungen und ihm wird nicht schlecht sein. Was man dabei vergisst: Wenn er ein toller Mensch ist und sich ebenso auf das Baby freut wie du, will auch er die Schwangerschaft miterleben – und das erfordert mehr, als Brüsten und Bauch beim Wachsen zuzusehen.

Damit es eine gemeinsame Erfahrung wird, darf man sich nicht aufs Gedankenlesen verlassen (Was meine bevorzugte Variante wäre, denn ich bin eher introvertiert) – man muss darüber sprechen. Ich habe zum Beispiel für mich behalten, dass ich in den ersten Wochen große Angst vor einer Fehlgeburt hatte, weil ich nicht schwach wirken wollte. Die ersten Monate muss man also das Jammern teilen: über die Angst, die Übelkeit, die schmerzenden Brüste. Irgendwann kann man dann aber auch die Faszination über erste Tritte teilen und es wird ein wenig einfacher, weil man nicht mehr alles in Worte fassen muss. Ich glaube jedenfalls, dass es sich lohnt über all diese Dinge auch mit dem Partner zu sprechen, und nicht nur mit Freundinnen. Dass Krankenkassen die Kosten für den Geburtsvorbereitungskurs für die Partner oder Partnerinnen der Mütter nicht zahlen, muss aus dieser Zeit stammen, in der Frauen die Geburt allein im Krankenhaus durchzogen, und dann auf dem Tennisplatz über den Lautsprecher durchgesagt wurde: „Herr Müller, Mutter und Kind sind wohlauf.“

7) Abende nerven – und das ist okay

Schwangerschaft kann einsam sein, verdammt einsam sogar. Ich bin vorher sehr viel ausgegangen, war abends bei vielen Fachveranstaltungen, gern Essen und bis tief in die Nacht unterwegs. Diese Möglichkeiten werden aus verschiedenen Gründen weniger, Woche für Woche fallen mehr weg – und gemeinsame Abende mit Freunden verändern ihre Qualität, wenn man selbst keinen Alkohol mehr trinkt und früher müde wird. Netzwerkevents werden unerträglich. Die Wahrheit, dass man verlernt hat, abends anders Spaß zu haben, tut ebenso weh, wie das Gefühl nun außen vor zu sein. Serien oder Bücher lenken nur notdürftig davon ab.

Ich habe mich damit abgefunden, das Ausgehen zu vermissen. Ich werde kein anderer Mensch, der lauter neue Hobbys beginnt und jede Woche neue Möglichkeiten testet, Abende abwechslungsreich zu verbringen. Genauso wichtig aber, wie Freundschaften und Partner in dieser Zeit sind, finde ich es, ihnen weiterhin ihre Abende zu gönnen und nicht böse zu sein, wenn sie ohne dich ausgehen oder du früher nach Hause gehst. Was hilft also? Konkret hilft wenig, außer darüber zu reden – denn wie langweilig und einsam es in den 40 Wochen auch werden kann, hatte mir vorher niemand gesagt. Schwangerschaft ist ja angeblich die schönste Zeit im Leben einer Frau. Es hilft also, sich auch auf die weniger schönen Seiten einzustellen – und wenn ihr eine Freundin habt, der es gerade so geht, setzt euch einfach mal aufs Sofa zu ihr.

8) Vertrau deinem Körper

Dieser Punkt ließe sich auch mit einem Zitat aus der großartigen Serie „Top oft he lake“ abkürzen: „The body has tremendous intelligence. Follow the body, it will know what to do.“ Man kann sich ihn ebenso zu Herzen nehmen, wenn man eine völlig unkomplizierte Schwangerschaft hat, aber auch, wenn die Gesundheit vielleicht nicht so mitspielt. Wenn du dich unwohl fühlst, frag eine Person, die sich auskennt. So lange du dich wohl fühlst, kannst du alles machen, wozu du Lust hast. Ich gehe zum Beispiel – wie die letzten sechs Jahre – jeden zweiten Tag zum Bikram Yoga und werde dafür regelmäßig für verrückt erklärt, meinem Körper diesen Mix aus Yoga und Sauna ‚anzutun’ – dabei tut es lediglich eines: mir sehr gut. Dein Körper und auch das Baby, sobald es strampeln kann, werden sich melden, wenn ihnen etwas zu viel ist. Die Faustregel ist: Geht es dir gut und du schüttest Glückshormone aus, geht es auch dem Baby super, denn du teilst sie ja mit ihm. Das gilt für Sport, Sex und auch die Uhrzeiten, zu denen du müde wirst und ins Bett willst.

Mein Tipp ist daher auch, auf Schwangerschafts-Apps zu verzichten, denn ihre Tipps sind eher angstbasiert. „Babycenter“, diejenige, im deutschen App-Store die beste Bewertung erhält, ist in den meisten Info-Bits ziemlich beleidigend und hat ihr Frauenbild aus irgendeinem anderen Jahrhundert. Die App hat mir zu einem Zeitpunkt in der Schwangerschaft, zu der ich kaum Bauch hatte, erzählt, ich könne mich jetzt nicht mehr elegant bewegen. Außerdem erhält man seltsame Tipps wie: „Beantragen Sie nun ihre Elternzeit für mindestens die ersten zwei Jahre“ oder bekommt Fragen gestellt wie „Möchten Sie eine dieser abgehobenen Schickimicki-Mütter sein?“. Muttersein ist kein Wettbewerb und ich wünsche jeder Frau, dass sie in ihre Rolle hineinwächst, so wie es gut für sie ist – ohne abfällig auf Frauen zu schauen, die es anders machen. Ich scrolle nur noch durch die App, weil die 52 Gemüsevergleiche für die Größe des Babys so absurd sind, dass sie mich aufheitern.

9) Zieh an, was dir gefällt – mach es dir bequem und vergiss Trends

Die Sorge darum, dass nichts mehr passt und man nur noch in weiten Kleidern herumlaufen kann, ist unbegründet. Es dauert sehr lange, bis der Bauch überhaupt mal wächst, auch wenn man sich im vierten Monat schon einbildet, er sei riesig. Wenn ich mir heute die Fotos anschaue, auf denen ich dachte einen Bauch zu dokumentieren, muss ich lachen, denn man sieht absolut gar nichts.

Mir passen jetzt im neunten Monat noch immer sehr viele meiner ganz normalen Kleidungsstücke, was vielleicht auch an den Trends der letzten Jahre liegt. Ich habe immer viel Oversize, weit Geschnittenes und auch in der Herrenabteilung gekauft. Longsleeves und Pullover, die in Onlineshops von Männern gemodelt werden, sind mein Geheimtipp: Dadurch, dass sie schlicht länger ausfallen, passt der Bauch noch Ewigkeiten unter sie. Aber auch Shirts und Longsleeves von H&M wachsen durch ihren hohen Stretchanteil eine ganze Weile mit, Blazer kann man offen tragen. Wenn man also in einem Job arbeitet, in dem der Dresscode eher formal ist, kann man sehr gut Kleider mit Blazern kombinieren. Anzughosen sind aufgrund ihres festen Stoffes tatsächlich die ersten Dinge, die nicht mehr passen.

Ich habe auch Glück gehabt, dass ich mir keinen neuen Wintermantel anschaffen muss. Ich besitze seit ein paar Jahren einen Wollmantel, der gewickelt und mit einem Gürtel gebunden wird. So kannst du auch an Schwangerschaftsmode herangehen um Geld zu sparen: Kauf Sachen, die du auch danach noch tragen kannst. Wenn du leger geschnittene Sachen sowieso magst, kannst du weiterhin von deinen Lieblingsläden und -Labels einkaufen.

Da Schwangerschaftshosen eh nur ein paar Monate getragen werden, kauft man sie am besten gebraucht oder gibt sie unter Freundinnen weiter.

Was du neu kaufen musst: Unterwäsche und Strumpfhosen.

Also: Die Garderobe für die Schwangerschaft muss keine finanzielle Belastung sein. Du wirst entspannter sein, wenn du das Geld für die unumgänglichen Anschaffungen übrig hast. Für Outfits Komplimente sammeln zu wollen wäre verschwendete Zeit, du bekommst sie eh immer nur für den Bauch.

10) Finanzplanung – unbequem aber wichtig

Wenn man darüber nachdenkt, schwanger zu werden, ist vermutlich einer der letzten Gedanken, die man hat, die Geldfrage. Um es auf den Punkt zu bringen: Kinder kosten nicht erst ab der Geburt, schon in der Schwangerschaft fallen immer wieder Kosten an, die man nicht in sein normales Budget eingeplant hat.

Ich zähle mal lose und ohne Anspruch auf Vollständigkeit Dinge auf: Vorsorgeuntersuchungen, die die Krankenkasse nicht trägt, zusätzliche Nährstoffe wie Folsäure oder Magnesium, Medikamente gegen Übelkeit, Kleidung für sich selbst, Babykleidung, ein Babybett, ein Kinderwagen, ein Trockner, eine Wickelkommode, eine Wärmelampe, die Rufbereitschaftspauschale für die Hebamme, Akupunktur, Schwangerenyoga, Öl oder Cremes für den wachsenden Bauch. Es läppert sich und es kommt sehr schnell eine Summe im vierstelligen Bereich zusammen. Locker.

Hinzu kommt, dass jedes Paar, bei dem beide berufstätig sind, nach der Geburt weniger Geld haben wird als vorher. Das Elterngeld federt es ab, aber es ersetzt kein vollständiges Gehalt. Kosten, die also schon vor der Geburt entstehen, kann man schlecht in der Elternzeit ausgleichen.

Es gibt aber durchaus Dinge, für die du in der Schwangerschaft weniger Geld ausgibst: Vielleicht gehst du weniger aus, kaufst keine Drinks mehr in Bars, gibst das Rauchen auf, brauchst nachts kein Taxi mehr und wartest mit dem nächsten Designerstück bis nach der Schwangerschaft. Ein wenig Budget wird hier also frei.

Geldsorgen in der Schwangerschaft machen keinen Spaß. Sie machen noch weniger Spaß, wenn man das Gefühlt hat, dass sie ungleich verteilt sind, weil die werdende Mutter neue Dinge benötigt, wie eben Hosen, Hautöl und Akupunktur gegen das Sodbrennen. Wichtig also: Sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber, wie ihr die Kosten teilen wollt. Ich finde Paare sollten die Kosten für Verhütung teilen, so kann man auch die Kosten dafür teilen, was die Schwangere in dieser Zeit zusätzlich braucht. Und auch, wenn du von deinen Eltern am liebsten finanziell komplett unabhängig wärest: Bitte sie ruhig um Unterstützung, denn sie werden euch wünschen, dass die Schwangerschaft möglichst sorgenfrei ist und gern helfen.

Auch wenn es wenig romantisch ist: Zu Beginn der Schwangerschaft eine Kostenaufstellung zu machen, um die ungefähren Ausgaben abschätzen zu können, hilft dabei, die Summe über die Monate zu verteilen und nicht vor einer großen Ausgabe zu stehen, weil man die meisten Besorgungen in den letzten Wochen macht. Eine Schwangerschaft ist übrigens ein schöner Anlass weniger eitel und dafür pragmatischer zu werden: Babys brauchen ihre ersten Dinge nur für kurze Zeit, da sie schnell wachsen. Wenn es schon kleine Kinder in deinem Umfeld gibt, freuen sich die Eltern in deinem Umfeld garantiert, wenn du Sachen gebraucht von ihnen übernimmst. Auf Flohmärkten ist es außerdem viel leichter Babysachen zu bekommen, die nicht nur rosa oder blau sind. Es muss nicht alles neu sein, warum auch? Du bekommst doch bald ein brandneues Baby.

 

Bis bald!

Nach den ersten großartigen und spannenden Monaten bei EDITION F verabschiede ich mich nun für ein paar Monate in die Elternzeit – auch wenn ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen kann. Die letzten Monate sind wie im Flug vergangen, weil die Arbeit hier mit dem Team enorm viel Spaß macht, fordert und die Arbeit mit anderen Autorinnen und den Menschen, die ich für EDITION F interviewt oder porträtiert habe, unglaublich bereichernd war. Das Schöne an Online: Es fällt sehr leicht, miteinander in Kontakt zu bleiben und sich nicht aus den Augen zu verlieren. Im Netz findet ihr mich eigentlich jeden Tag auf Twitter und ab und an blogge ich auch noch auf meinem privaten Blog. Die wunderbare Carolin Weinkopf wird zudem kommende Woche noch ein Porträt mit mir bei EDITION F veröffentlichen.

Damit es euch in der Zwischenzeit nicht zu langweilig mit Nora wird, bekommt die Redaktion übrigens tatkräftige Unterstützung von Lisa Seelig, die sich sich sehr auf den Einstieg bei EDITION F freut.

Ein Wunsch von mir an euch: Uns ist der Dialog mit der Community unheimlich wichtig und es hat die Arbeit hier umso schöner gemacht, dass ihr E-Mails schreibt und Feedback gebt, kommentiert und selbst Artikel schreibt. Ich möchte die ein oder andere von euch in Zukunft nicht nur auf den großen Bühnen sehen, sondern auch hier von euch lesen. Denn EDITION F lebt vor allem davon, dass wir hier Wissen miteinander teilen. Wenn ihr euch stärker einbringen möchtet, lasst es Nora wissen an Nora.Wohlert@editionf.com.

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