Foto: Jo Szczepanska

10 neue Tipps für Bewerbungsgespräche

Du hast alle Standardratschläge für das Bewerbungsgespräch schon gelesen. Wir haben zehn neue für dich, die dich vielleicht überraschen.

 

Bewerbungstraining einmal anders

Deine Bewerbung hat die erste Hürde genommen: Du bist eingeladen zu einem persönlichen Gespräch. Die Standardvorbereitungen kennst du wahrscheinlich schon, vielleicht hast du sogar mit Freunden, ehemaligen Kommilitonen oder deiner Familie ein Jobinterview durchgespielt. Du weißt, an welchen Stellen deines Lebenslaufes Fragen kommen werden und hast eine gute Antwort dafür parat. Doch es gibt mehr als die herkömmlichen Ratschläge für den ersten Kontakt mit deinem zukünftigen Arbeitgeber. Wir haben zehn Tipps zusammengestellt, die du vielleicht noch nicht kennst. Viel Erfolg beim Ausprobieren.

1) Vereinbare einen Termin für Dienstagvormittag

Hast du dich schon einmal vor einem Interview unwohl gefühlt, weil der Termin am Freitagnachmittag lag? Damit liegst du richtig. Wenn du auf den Zeitpunkt des Gesprächs Einfluss nehmen kannst, versuch ihn geschickt zu legen. Wir empfehlen die Vormittage von Dienstagen, denn es kann entscheidend sein, mit welchen Dingen dein Gesprächspartner gerade mental beschäftigt ist.

Vermeide die ersten und letzten Termine. An Montagen bereiten sich Menschen auf die Woche vor, an Freitagen sind sie schon halb im Wochenende. Ähnlich ist es mit Terminen ganz früh am Morgen oder kurz vor Feierabend. Dienstag um 10.30 Uhr klingt da perfekt.

Vermeide die Mittagszeit: Wenn dein Gesprächspartner Hunger hat, ist er vielleicht nicht ganz bei der Sache. Und du weißt selbst, wie du dich nach einem reichhaltigen Mittagessen fühlst: Am liebsten möchtest du kurz schlafen. Daher ist auch ein 14 Uhr Termin nicht ideal.

2) Bereite deine Geschichte vor

Viele Interviewer geben dir am Anfang des Gesprächs die Möglichkeit, etwas über dich zu erzählen. Verzichte darauf, deinen Lebenslauf nachzuerzählen, denn er ist bereits bekannt und taugt selten als „Geschichte“. Erzählen deine Studienwahl oder das Thema deiner Masterarbeit wirklich, was dich antreibt? Deine professionelle Erfahrung reicht selten, um im Bewerbungsgespräch Eindruck zu hinterlassen. Frag dich stattdessen:

– Gab es einen Schlüsselmoment in deiner Kindheit oder Jugend?

– Was ist es, was dich an dem Jobangebot wirklich reizt – abseits deiner Qualifikation?

– Hast du eine persönliche Erfahrung gemacht, die deine Perspektive auf deinen Beruf grundlegend verändert hat?

Wenn du deinen Werdegang als Geschichte, nicht als Lebenslauf erzählst, wird hinter deinem CV eine Person erkennbar. Aus einem „Story Statement“ kann ein Vorgesetzter ablesen, ob der angebotene Job der nächste Schritt für dich sein könnte, weil er deine Geschichte weitererzählt. Dass er als Prestige-Baustein auf deinen CV passt, ist definitiv keine Geschichte. Wenn du keine Idee hast, wie die Story sein könnte, warum dieser Job dein nächster sein sollte, ist es vermutlich der falsche.

3) Spiel mit einem modischen Statement

Die richtige Kleidung ist wichtig bei einem Vorstellungsgespräch, keine Frage. Dass sich auch hier viel wandelt und du schnell einmal zu formal angezogen sein kannst, haben wir schon hier diskutiert. Doch wie bleibst du über deine Kleidung in Erinnerung?

Trau dich, ein Accessoire zu tragen, das etwas über deinen Hintergrund oder deine Persönlichkeit verrät. Es kann Anknüpfungspunkt für ein lockeres Gespräch sein. Vielleicht eine Kette, die du von deiner Reise durch Südamerika mitgebracht hast – und warum nicht einfach mal eine Krawatte, wenn dein Vater sie dir als Glücksbringer geschenkt hat? So lange du dich wohlfühlst und dein modisches Statement eine kleine Geschichte erzählt, kann so eine zusätzliche Verbindung zu der Person entstehen, die das Jobinterview führt.

4) Nutze Google-Alerts

Im Bewerbungsprozess – ganz besonders in dem nach der Uni – wirst du dich bei vielen verschiedenen Unternehmen bewerben. Über alle Entwicklungen den Überblick zu behalten, kann schwierig sein. Wenn du Google Alerts nutzt, bekommst du Medienberichterstattung zum Unternehmen einfach per Mail, ohne aktiv danach suchen zu müssen. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, Pressemitteilungen zu abonnieren. Viele Unternehmen haben das bereits so organisiert, dass du hier bestimmte Themen auswählen kannst.

5) Unterschätze Social Media nicht

Verlass dich nicht darauf, dass alles, was für dein Jobinterview relevant sein könnte, auf der Website des Unternehmens steht. Wer Social Media und Blogs als Unternehmen klug nutzt, erzählt hier ganz andere Geschichten und interagiert mit Nutzern – zum Beispiel reagiert eine gute Kommunikationsabteilung hier auch auf Kritik an einem Produkt. Du wirst für das Gespräch also zusätzliches Wissen haben, wenn du Unternehmen im Social Web auf vielen Kanälen beobachtest.

Vielleicht ist sogar eine Person aus der Personalabteilung oder deine nächste Chefin in sozialen Netzwerken zu finden. Wenn du weißt, welche Themen oder Artikel sie kurz vor deinem Interview bewegt haben und worüber sie mit anderen auf Twitter diskutieren, hast du hier einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch, das über klassische Bewerbungsfragen hinausgeht. Wenn du zudem bei YouTube Interviews oder Vorträge deiner zukünftigen Vorgesetzten findest, kann du ihre Körpersprache kennenlernen und auch das zur Vorbereitung nutzen.

6) Bereite deine Fähigkeiten als Beispiele auf

Was sind deine Stärken? Auch das hast du vermutlich schon im Anschreiben beantwortet, vielleicht aber mit Standardfloskeln wie „Ich bin teamfähig, sorgfältig und verfüge über eine hohe Eigenmotivation“. In einem Anschreiben ist wenig Platz, im Interview hingegen solltest du den Raum nutzen, damit deine Fähigkeiten deinem Gesprächspartner in Erinnerung bleiben. Es gibt eine Methode, wie du die Beispiele erinnern kannst, auch wenn du aufgeregt bist. Baue sie nach dem dreigliedrigen Prinzip Problem-Lösung-Resultat auf.

Problem: Was war die genaue Situation/Aufgabe?

Lösung: Was hast du getan, um die Aufgabe zu lösen?

Resultat: Was hat sich danach verändert?

Du kannst die Beispiele dann für Fragen vorbereiten, die deine Fähigkeiten betreffen, zum Beispiel deine Arbeit als Vorgesetzte mit einem Team, für eine Aufgabe, die dir unlösbar erschien, für eine Aufgabe, für die du erst neue Fähigkeiten erwerben musstest. Wichtig ist es, dass du konkret bleibst, so dass dein Interviewpartner sich vorstellen kann, wie du in der Situation gehandelt hast, und dass die Lösung auf deinen Ideen basierte. Dann wird er die zutrauen, auch den neuen Job zu meistern.

7) Bereite dich auf die Frage nach deinen Schwächen vor

Diese Standardfrage bereitet vielen Bewerbern Kopfzerbrechen. Das führt dann dazu, dass man zu lange darüber nachdenkt, Antworten übt und sie hölzern und nicht authentisch (Link) klingen. Dein neuer Chef will nicht von dir wissen, welche Schwächen du hast, sondern was deine Herangehensweise ist, an ihnen zu arbeiten. Du kannst damit punkten, zu erklären, auf welche Weise du deine Fähigkeiten verbessert hast.

Eine Schwache antwortet wäre: „Ich neige dazu, Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten und kurz vor einer Deadline Überstunden machen zu müssen.“

Eine starke Antwort: „Ich dachte immer, ich sei Multitasker und habe dann gemerkt, dass parallel an Aufgaben zu arbeiten, nicht effizient ist. Seitdem ich das weiß, konzentriere ich mich immer nur auf eine Sache und vermeide in der Zeit Ablenkung. Seitdem ich das tue, kann ich Deadlines mühelos einhalten.”

8) Denke bei analytischen Fragen laut nach

In manchen Gesprächen werden dir harte analytische Fragen gestellt, auf die es keine spontanen Antworten gibt. Eine Beispielfrage könnte sein, wie groß der Markt für einen minimalistischen Designerhundekorb sein könnte.

Eine schwache Antwort: Du überlegst 45 Sekunden ohne etwas zu sagen und antwortest dann: „300.000 Stück.“

Eine starke Antwort erläutert deinen Denkprozess. Wenn du laut denkst, überbrückst du die unangenehme Stille und lässt den Gesprächspartner zudem daran teilhaben, wie du zur Lösung gekommen bist. So könntest du sagen: „Angenommen, in Deutschland gibt es zehn Millionen Haushalte, die Hunde haben. Davon halten sieben Millionen Haushalte jeweils nur einen Hund, 25 Prozent dieser Menschen leben in Großstädten und wiederum 15 Prozent davon haben ein Haushaltseinkommen von über 3.000 Euro netto im Monat. Dann entspricht das einer Zielgruppe von etwas über 250.000 Haushalten, für die so ein Produkt in Frage kommt.”

Auf akkurate Zahlen kommt es dabei weniger an, als die Methode. Dass du deine Gedanken kommunizierst, ist außerdem ein guter Indikator dafür, dass du auch mit Kollegen konstruktive Gespräche suchen wirst.

9) Stelle Fragen, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Du kennst das 1×1 des Bewerbungsgesprächs: Wer selbst keine Fragen vorbereitet, hinterlässt einen desinteressierten Eindruck. Die besondere Kunst ist es, Fragen zu stellen, die gleichzeitig noch etwas Neues über dich verraten. So kannst du deinen Gesprächspartner zusätzlich beeindrucken. Einen Erfolg von dir in eine Frage einzubauen ist die perfekte Gelegenheit am Ende des Gesprächs, wenn du bis dahin keine Möglichkeit hattest, es einfließen zu lassen.

Eine schwache Frage: „Werde ich im Rahmen meines Jobs auch Auslandsreisen unternehmen?“

Eine starke Frage: „Ich bin sprachbegeistert und habe zuletzt in Abendkursen begonnen, Chinesisch zu lernen. Werde ich in meiner neuen Rolle die Möglichkeit haben, dort Märkte für das Unternehmen zu erschließen?”

Eine schwache Frage: „Welcher Geschäftsbereich des Unternehmens wächst gerade besonders stark?”

Eine starke Frage: „Ich habe in ihrem Quartalsbericht gelesen, dass der Umsatz um 12 Prozent gewachsen ist. Liegt das an einem bestimmten Geschäftsbereich?”

10) Bedanke dich per Mail bei deinem Interviewpartner

Schreib der Person, die das Gespräch mit dir geführt hat, innerhalb von 24 Stunden eine E-Mail. Darin sollten etwa zwei Sätze mehr stehen als ein formales Dankeschön, die in eine andere Richtung gehen, als du vielleicht denkst. In diesen zwei Sätzen soll es nicht um dich gehen. Nimm Bezug auf das Gespräch und die Dinge, die du über deinen Gesprächspartner erfahren hast. Hat er zum Beispiel von einem aktuellen Projekt erzählt, oder die ehrenamtliche Arbeit neben dem Beruf? Dann wünsche ihm viel Erfolg dabei.

Solche E-Mails nach Bewerbungsgesprächen halten dir zudem eine Tür offen, selbst wenn es mit dem Job dieses Mal nicht geklappt hat. Du wirst positiv in Erinnerung bleiben und dann vielleicht sogar ein paar Monate später mit persönlicher Empfehlung für ein neues Bewerbungsgespräch eingeladen.

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