Foto: Don Mc Cullough | Flickr

Abtreibung per Drohne

Nicht jede Frau in Europa hat die Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft abzubrechen: In Polen ist das illegal. Die neuste Möglichkeit, Frauen zu helfen, ist ungewöhnlich: eine „Abtreibungsdrohne“.

 

Wenn der Arzt nicht hilft, kommt die Drohne

Eigentlich stehen sie mit ihren Schiffen in internationalen Gewässern und helfen dort Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen wollen, es aber per Gesetz nicht dürfen: Die Organisation Women on Waves, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen in dieser Notlage zu helfen.

Nun hat sich die Organisation für einen neuen Transportweg für die Medikamente entschieden: Mit einer Drohne, die am Flussufer von Slubice nahe der deutsch-polnischen Grenze landete, haben sie Ende Juni 2015 erstmals zwei Polinnen mit den Mitteln aus Deutschlands versorgt.

Was etwas gewöhnungsbedürftig klingt, hilft Frauen letztlich, selbstbestimmt mit ihrem Körper und damit auch mit ihrem Leben umzugehen. Denn das Abtreibungsgesetz sieht in Polen nur dann einen legalen Abbruch einer Schwangerschaft vor, wenn sie ein medizinisches Risiko für Kind oder Mutter darstellt – oder aus einer Vergewaltigung entstanden ist. Wohlhabende Polinnen können das Abtreibungsgesetz mit Hilfe von Geld umgehen und so an eine sichere Abtreibung kommen. Alle anderen Frauen werden mit einer ungewollten Schwangerschaft allein gelassen. Zwei Frauen zu helfen, ist da ein kleiner Schritt. Laut Women on Waves liegt die Zahl der illegalen Abtreibungen in Polen bei 48.000 im Jahr.

Die Drohne: Ein Zukunftsmodell?

Wie oft es zu diesem Einsatz der „Abtreibungsdrohne“ kommen wird, ist noch ungewiss. Die Frauen gehen dabei jedenfalls kein gesteigertes Risiko ein, wie Studien der World Health Organisation (WHO) ergeben haben. Eine ärztliche Betreuung ist nicht notwendig, der Schwangerschaftsabbruch ist mit einer spontanen Fehlgeburt vergleichbar.

Kann das also ein neuer Weg sein, um strenge Gesetzes zum Schwangerschaftsabbruch zu umgehen? Auch wenn die „Abtreibungsdrohne“ (noch) kein wirkliches Zukunftsmodell ist, schafft die Aktion Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema, das innerhalb Europas noch immer nicht geklärt ist.

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