Foto: Les Attitudes

Anne-Kathrin: „Ich stecke oft im Zwiespalt zwischen Job und Baby“

Anne-Kathrin vom Blog „Les Attitudes“ ist vor sechs Wochen Mama geworden. Uns hat sie von ihrem neuen Lebensabschnitt erzählt, was sie derzeit glücklich macht und wie sie mit dem Gefühl der Zerrissenheit umgeht.

 

„Sie, ihr Vater und ich, wir sind ein Team“

Bis vor sechs Wochen drehte sich bei
Anne-Kathrin Strauß die Welt die meiste Zeit des Tages um ihren Blog Les Attitudes, um Mode und Beauty. Dann wurde sie Mutter einer kleinen Tochter, die den Alltag
gehörig auf den Kopf stellte.

Nun genießt sie das Muttersein in vollen Zügen,
und kämpft doch manchmal mit dem Zwiespalt, das alte Leben nicht aufgeben zu
wollen. Wie sie die Doppelrolle meistert, warum das schlechte Gewissen ein
steter Begleiter ist und welche Mutter sie besonders inspiriert, hat sie uns in
einem sehr persönlichen Interview erzählt.

Du bloggst auf Les Attitudes. Was hat es mit
dem Namen auf sich?

„Als ich 2007 mit dem Bloggen begann, habe
ich überlegt, wie ich ausdrücken kann, dass alles, was auf dem Blog zu finden
ist, meine Sichtweise der Dinge widerspiegelt. Die französische  Übersetzung für genau diese Sicht der Dinge
klang nicht nur schön, sie drückte auch genau das aus, was ich verdeutlichen
wollte. Ich bin noch heute froh über meine Wahl.“

Begonnen hast du vor allem mit Fashion und
Beauty. Nun bist du gerade Mama geworden und das Thema Familie rückt in den
Vordergrund. Wie haben deine Leser darauf reagiert?

„Erstaunlich gut. Zunächst habe ich mit einer
kleinen Kolumne begonnen und wollte erstmal schauen, wie meine Leser darauf reagieren.
Ich habe unheimlich viel positives Feedback bekommen und gemerkt, dass die
Leser ebenso wie ich älter geworden sind und in ähnlichen Lebensphasen stecken.
Deshalb findet das Thema Familie auch zukünftig auf dem Blog statt. Aber nicht
ausschließlich; ich bin und bleibe ein Mode- und Beautymädchen.“

Hattest du zuvor Bedenken, dass das für
einige nicht von Interesse sein könnte?

„Klar, davor hatte ich sogar ein wenig Angst.
Es gibt aber immer Themen, die nicht von allgemeinem Interesse sind. Deshalb
versuche ich die Auswahl insgesamt immer noch abwechslungsreich zu gestalten,
sodass sich weiterhin jeder auf meinem Blog wiederfinden kann.“

Das Muttersein wird immer
wieder diskutiert. Stichwort: „Eine Mutter muss…“ Ist das etwas, dass dir
nahe geht oder dich aufregt?

„Ich versuche dabei meinen eigenen Weg zu
finden und auf mein Bauchgefühl zu hören. Trotzdem bin ich jemand, der viele
Meinungen einholt und Freunde oder Bekannte fragt. Ich versuche mich aber von
dem alten Rollenbild des Mamaseins frei zu machen und auch immer noch ein Stück
weit mein altes Leben zu leben. Gleichzeitig möchte ich natürlich die allerbeste
Mama für meine kleine Tochter sein. Ich denke aber, dass ich beides sehr gut
miteinander verbinden kann.“

Dann ist ein schlechtes Gewissen für dich kein Thema?

„Doch, schon. Eine Freundin sagte mir zur Geburt, dass das
schlechte Gewissen ab jetzt mein ständiger Begleiter sein wird. Und sie hat
gewissermaßen recht. Einerseits habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich
an den Rechner setze und etwas für mich mache, anstatt mit ihr gemeinsam auf
dem Sofa zu liegen. Andererseits brauche ich diese kleinen Auszeiten, um die
Momente mit ihr genießen zu können. Eine Mutter muss vor allem eines, ihren
eigenen Weg für sich und das Kind finden. Wir befinden uns da auch noch auf der
Suche.“ 

Du hast auch während deiner Schwangerschaft
nicht auf Outfitposts verzichtet. Hat sich dein Blick auf Mode verändert, seitdem du
Mama bist?

„Praktische Kleidung nimmt als Mama ganz neue
Dimensionen an. Kleidung muss nun stilltauglich sein, darf nicht kratzen,
fusseln, reißen oder transparent sein. Ich musste erstmal meinen Kleiderschrank
auf den Kopf stellen und schauen, was ich überhaupt noch tragen kann. Einige Trends
fallen für mich dieses Jahr daher einfach aus. Ansonsten hat sich mein Blick
nicht so sehr verändert. Nach wie vor investiere ich in zeitlose Teile, die
sich gut kombinieren lassen. Von kurzweiligen Trends nehme ich momentan
Abstand.“

Was hast du denn während deiner Zeit mit
rundem Bauch zu einem wichtigen Business-Termin getragen?

„Die Schwangerschaftsjeans von Asos sind Gold
wert. Ringelshirts sehen dazu immer angezogen aus. Als es Sommer geworden ist,
habe ich oft zu einem schlichten schwarzen Maxikleid aus Stretch gegriffen und das mit einem Blazer kombiniert.“

Bist du eigentlich schon wieder voll in deinen Job eingestiegen?

„Nach sechs Wochen nehme ich mir langsam
wieder etwas mehr Zeit für den Job. Wir sprechen hier aber immer noch nur von
ein paar Stunden die Woche. Ich stecke in einem Zwiespalt. Ich möchte die Zeit
mit meiner Tochter unbedingt genießen, muss aber trotzdem am Ball bleiben, weil
ich selbstständig bin. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, feste Tage und
Stunden zum Arbeiten einzuplanen. Meinen ersten Termin ohne meine Tochter habe
ich bereits erfolgreich hinter mich gebracht. Ich habe Milch abgepumpt und
Leni-Marie zu ihrem Papa ins Büro gebracht. Er ist ebenfalls selbstständig und
kann daher mal einspringen, wenn es wichtige Termine gibt. Das klappt auch sehr
gut; ein komisches Gefühl war es trotzdem.“

Wie handhabst du dein Leben in der Öffentlichkeit eigentlich mit deinem Baby?

„So ganz habe ich das noch nicht entschieden.
Bei Instagram habe ich nach der Geburt ein Bild gepostet auf dem man auch das
Gesicht sieht. Auf anderen Kanälen nicht. Ich versuche sie nicht so sehr vor
die Kamera zu ziehen und nur Bilder zu veröffentlichen auf denen sie nicht
frontal und direkt zu sehen ist. Private Aufnahmen sollen einfach privat
bleiben.“

An deinem schönen Babybauch hast du deine Leser teilhaben lassen. Mit welchen Gedanken hast du diese Zeit in Bildern
festgehalten?

„Ich habe immer an meine Tochter gedacht. Ich
habe mich in meiner Schwangerschaft sehr wohl gefühlt und verbinde mit den
Bildern eine wirklich schöne Zeit, in der schon früh eine Verbindung zu meiner
Tochter entstanden ist. Die Bilder habe ich für mich, aber natürlich auch ein
bisschen für sie aufgenommen. Ich hoffe, sie freut sich, wenn sie das später
sieht.“

Wie fühlt sich das Mamasein für dich eigentlich
an? Kannst du beschreiben, was sich mit deinem Kind für dich verändert hat?

„Das Mamasein fühlt sich großartig an. Ich
habe beruhigt festgestellt, dass ich immer noch ich selbst bin. Ich liebe immer
noch Mode und Beauty, ich lege immer noch Wert auf mein Aussehen, ich treffe
mich immer noch gerne mit Freunden und gehe gern aus. Mamasein fühlt sich so selbstverständlich
und wunderschön an, sodass ich es mir nicht mehr anders vorstellen kann. Es
bereichert das Leben in so vielen Dingen. Ich bin wesentlich egoistischer
geworden, aber nicht im negativen Sinne. Früher habe ich mich oft aus
Pflichtbewusstsein zu irgendetwas überreden oder hinreißen lassen. Heute steht
das Wohl meiner Tochter an allererster Stelle und das ist der allerbeste Grund
irgendetwas nicht zu tun. Mir fällt es nun leichter Nein zu sagen. Ansonsten
haben sich die Prioritäten verschoben und das Komische ist, dass es mich nicht
mal stört.“

Inwiefern?

„Früher hatte ich bei dem Gedanken daran, dass ich wegen meines Babys
mal als Erste eine Party verlassen müsste, Angst. Heute gehe ich glücklich als
Erste mit meiner Tochter nach Hause und freue mich insgeheim auch noch darauf mit
ihr im Bett zu kuscheln, während alle anderen die Nacht durchmachen. Wir sind
ein Team, sie, ihr Papa und ich. Nur wir wissen, was wir zum glücklich sein
brauchen und ohne einen von uns fehlt etwas. Das ist ein völlig neues Gefühl der
Zusammengehörigkeit.“

Gibt es eine Mutter, die dich derzeit
besonders inspiriert?

„Auch wenn es vielleicht kitschig klingt, ist
es meine eigene Mama. Ich kann heute viel besser einordnen, was sie als junge
Mutter mit zwei Kindern geleistet und gemeistert hat und das in viel jüngeren
Jahren und unter anderen Umständen. Dabei ist auch sie sie selbst geblieben
und hat uns gemeinsam mit meinem Papa immer mit einer gesunden Mischung aus
Sorge, Liebe, Vertrauen und Lässigkeit erzogen. Ihr Rat beruhigt mich momentan
ungemein. Ansonsten gibt es natürlich eine Reihe von Müttern aus der
Bloggerwelt, die mich inspirieren. Allen voran die Blogger-Mamas, die ich
persönlich kenne, wie meine Freundin Camilla Rando, Kathrin Gelinsky oder Nike
von This is Jane Wayne. Bei Instagram folge ich unheimlich gern Erin Mayshed. Sie lebt mit ihrer vierköpfigen Familie in South-California und
lebt den modernen Mama-Lifestyle mit zwei süßen Kindern. Modetechnisch folge
ich Viktoria Rader. Das Model ist Mama eines kleinen Jungen und
postet regelmäßig ihre schönen Outfits.“

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