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Mein letzter Tag an der Uni – eigentlich sollte ich erleichtert sein, oder?

Nach dem überhaupt letzten Tag an der Uni, will man sich eigentlich nur noch freuen und erleichtert fühlen. Aber da ist noch etwas anderes.

 

Irgendwo dazwischen

Irgendwo zwischen vor Müdigkeit tot umfallen, dreimal um den Block rennen und das letzte Fünkchen Energie aus mir holen oder drei Stunden unter die heiße Dusche stellen, um nicht mehr so zu frieren – so ganz kann ich mich noch nicht entscheiden, wonach ich mich fühle. Erwartet hatte ich: pure Erleichterung. Das, was ich jetzt fühle, ist anders.

Endlich! Endlich die Bachelorarbeit abgeben, endlich keine Prüfungen und Vorlesungen mehr, endlich mit dem Studium fertig sein. Keine Ahnung, wie oft mir dieser Satz im vergangenen Jahr durch den Kopf gegangen ist. Das Ziel: der 25. Januar 2017 – und dann bin ich angeblich ein freier Mensch. Die Betonung liegt auf „angeblich“. Denn, nachdem der heutige Tag, der 25. Januar, mit nervösen Bauchschmerzen und viel zu wenig Schlaf begonnen hat sowie ich die Arbeit endlich losgeworden bin, sitze ich nun eingemümmelt unter zwei Bettdecken und mir ist vielmehr nach Melancholie zumute als nach einem Gefühl des „Freiseins“. 

Weil es das jetzt erst mal war 

Melancholisch, weil ich vor allem in den vergangenen Wochen neue Menschen lieb gewonnen habe, mit denen ich vorher kaum Zeit verbracht habe. Oder, weil ich nie mehr diesen abscheulichen Kaffee aus dem Automaten trinken muss. Weil ich mich nie mehr über die ewig lange S-Bahn-Fahrt zur Uni oder die lauten Laptop-Lüfter meiner Bib-Nachbarn aufregen kann. Natürlich auch, weil mein Studentenausweis sowie mein Ticket an Bedeutung verlieren. Und, weil ich nie mehr mit gefühlt 30 Pfandflaschen zur Uni fahren muss, die von keinem Aldi dieser Welt angenommen werden. Melancholisch, weil es das jetzt erst mal war. Mit dem Studieren. 

Besonders bewusst wurde mir das, als mir folgende Frage gestellt wurde, die mir noch aus Abi-Zeiten vertraut ist: „Aber wir sehen uns doch bestimmt noch mal oder?“ „Jaja, bestimmt.“ Wer diese Situation schon mal öfter erlebt hat, weiß, dass das nicht stimmt, dass das Ja eigentlich ein Nein ist und vor allem eines bedeutet: Abschied. Dass man sich von den Menschen verabschieden muss, die die letzten dreieinhalb Jahre einfach dazu gehört haben, dass Kommilitonen für ihren ersten Job noch diese Woche wegziehen. 

Ciao mit V

Und das wollte ich die vergangenen Wochen anscheinend einfach nicht wahrhaben. Ich wollte dem Gefühl des Abschieds unter tausenden Excel-Dateien einfach keinen Raum lassen. Mit der Abgabe der Bachelorarbeit sollte etwas anfangen, und nicht enden. Ich wollte Erleichterung fühlen, und bestimmt keine Wehmut. 

Ich werde jetzt jedenfalls erst mal schlafen gehen, die Geschehnisse sacken lassen und morgen hoffentlich mit etwas mehr Energie und vor allem Erleichterung (!) in den Tag starten. Und die Menschen, denen ich ein „Jaja, bestimmt“ an den Kopf geworfen habe, versuchen, tatsächlich zu sehen (fingers crossed!). Ciao Bae, Ciao Uni, Ciao mit V. 

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