Foto: Mihaly Koles | unsplash

Bleiben die Berliner U-Bahnhöfe in diesem Winter für Obdachlose geschlossen?

Noch sind Tage vereinzelt heiß, die Nächte warm oder mit der „Übergangsjacke“ noch gut zu ertragen. In ein bis zwei Monaten wird das anders aussehen. Und wenn die Temperaturen sinken, werden auch die Schlafplätze für Obdachlose weniger – und im Winter können sie nachts nicht überall überleben.

 

Schließen die Kältebahnhöfe im Winter für Obdachlose?

Seit Jahren öffnet die BVG im Winter ausgewählte U-Bahnhöfe auch nachts für Obdachlose, um ihnen einen sicheren Schlafplatz zu bieten. Eine notwendige Maßnahme. Im letzten Jahr standen in der Hauptstadt etwa 1.200 Schlafplätze für wohnungslose Menschen zur Verfügung. Die Zahl jener Menschen, die in Berlin tatsächlich auf der Straße leben, bewegt sich allerdings zwischen 3.000 bis 10.000. Zwar sollen die Plätze im Hangar des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof von 100 auf 1.500 aufgestockt werden, aber auch hier gibt es Hürden, die einige Obdachlose davon abhalten, die Schlafplätze zu nutzen.

Manche Organisationen, die Plätze anbieten, entscheiden gegen Obdachlose, die alkoholisiert sind oder verbieten zumindest das weitere Trinken und Konsumieren anderer Drogen in ihrer Unterkunft. Manche Schlafstätten sind nicht mit Hund zu beziehen. Und für andere gibt es noch viel grundlegendere Barrieren: So schließen manche Frauen die Übernachtung in den Unterkünften aus, weil sie sich dort nicht sicher fühlen. 

Die U–Bahnhöfe können also in vielen Fällen als letzte Zuflucht gesehen werden. Und genau das führte auch zu Kritik an der Meldung der BVG, dass sie im kommenden Winter alle U-Bahnhöfe schließen werde. Aus Gründen der Sicherheit und der zu starken Belastung der Mitarbeiter*innen steht dies nämlich momentan zur Debatte. Die BVG-Chefin Sigrid Nikutta begründet ihre Bedenken damit, dass sich die Anzahl der Obdachlosen so stark erhöht hätte, dass eine Fürsorgepflicht nicht mehr zu gewährleisten wäre. Zudem gäbe es vor Ort keine sanitären Anlagen, und auch nachts würde Starkstrom durch die Gleise geleitet, was unter Umständen lebensgefährlich sein könnte. Das Personal der BVG sei auch trotz Einfühlungsvermögen und Engagement nicht dafür ausgebildet, um mit stark alkoholisierten Personen oder bestehenden Sprachbarrieren umzugehen. 

Das sind grundsätzlich alles nachvollziehbare Gründe für die Überlegungen der BVG. Und doch handelt es sich hier um Menschen, die Hilfe brauchen, um Menschen, die bei extremen Minusgraden draußen erfrieren können. Die BVG wirbt quasi mit Nächstenliebe (mit dem Slogan „Weil wir dich lieben“) – da wirkt es fast zynisch, davon gerade die Schwächsten der Gesellschaft auszuschließen. Und auch wenn die Verantwortung für die Obdachlosen Berlins nicht in den Aufgabenbereich der Verkehrsbetriebe fällt, so müssen auch sie sich der aktuellen Situation stellen.

Man kann die Entscheidung der BVG auch als Hilferuf in Richtung der Politik interpretieren – in den nächsten Wochen wird sich herausstellen, wie eine Lösung aussehen könnte. Am Montagabend debattierte der Sozialsekretär Alexander Fischer mit der Chefin der BVG. Nach dem Gespräch versicherte die Sozialverwaltung, es würden kurzfristige Möglichkeiten gesucht werden, um die Situation in den Bahnhöfen zu entschärfen. Ob und in welcher Form die U-Bahnhöfe im Winter als Schlafplatz für Obdachlose zur Verfügung stehen werden, ist also noch ungewiss.

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