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Bist du Blogger oder Journalist?

Immer wieder stellt sich die Frage, ob Blogger automatisch auch immer Journalisten sind. Ich sage: Nein, ganz und gar nicht. Aber das schließt nicht aus, dass Blogger journalistisch schreiben können.

 

Bevor man die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Bloggern und Journalisten, bzw. von Blogs und Journalismus, beleuchten kann, muss man sich erstmal klar sein, wie man beide Gruppen definiert. Ich beziehe mich in beiden Fällen auf die textlastige Variante der Ausübung. Vlogger, Instagrammer, Rundfunkjournalisten etc. sind in diesem Fall also nicht mit einbezogen. Aber ich glaube, die Überlegungen sollten sich am Ende gut übertragen lassen.

Blogger

Für mich gibt es drei Kategorien an Bloggern:

Hobby

  • Schreiben, um zu Schreiben.

Der Spaß steht im Vordergrund, die eigene Meinung wird geäußert mit der Hoffnung gleichgesinnte zu finden, mit denen man sich über gemeinsame Vorlieben austauschen kann.

Beruf

  • Schreiben, um Geld zu verdienen.

Es soll entweder mit (bspw. durch Affiliate-Links) oder durch (bspw. durch Kundengewinnung) den Blog Geld verdient werden.

Berufung

  • Schreiben, um zu Überzeugen.

Der Blog dient dazu die eigene Lebensphilosophie kund zu tun um möglichst viele andere davon zu überzeugen. Derjenige ist sich sicher, dass er die einzig richtige Art kennt zu leben, sich zu ernähren, Sport zu treiben etc.

Diese drei Kategorien sind dabei nicht trennscharf. Vermischungen und Überschneidungen sind keine Ausnahme, sondern die Regel. 

Meiner Erfahrung nach, lässt sich aber so gut wie jeder Blog schwerpunktmäßig einer der drei Kategorien zuordnen. Wenn ihr einen kennt, der sich nicht zuordnen lässt, dann nennt ihn mir bitte. Das würde mich interessieren.

Journalist

Beim Journalismus unterscheide ich nach zwei Themenbereichen:

Unterhaltung

  • Themen, die die Gesellschaft nicht voran bringen.

Mode und Sport sind hier gute Beispiele. Ich bezweifel nicht, dass diese Themenbereiche für einige Personen subjektiv sehr relevant sind, aber objektiv gesehen macht es für die gesellschaftliche Entwicklung keinen Unterschied, welche Mannschaft gewinnt oder was die momentane Trendfarbe ist.

Gesellschaftlich relevant

  • Themen, die unser Denken nachhaltig verändern können.

Politik ist hier das Paradebeispiel. Aber auch Berichte von Kriegsschauplätzen oder das Aufdecken von Wirtschaftsskandalen etc. gehören dazu.

Auch diese Unterteilung ist wieder nicht trennscharf. Ein gesellschaftlich relevantes Thema kann durchaus unterhaltsam aufbereitet sein oder beide Aspekte in sich vereinen. Wenn beispielsweise Frauen in Miniröcken unterstellt wird Vergewaltigungen zu provozieren, ist das zwar nicht unterhaltsam, aber der Teilaspekt Mode fällt in den Bereich „Unterhaltung“, die Frage, inwiefern es gesellschaftlich tragbar ist den Opfern die Schuld zuzuschieben, ist aber eine gesellschaftlich relevante. Die Entscheidung, wo die Fußball-WM ausgetragen wird, ist erstmal gesellschaftlich nicht wichtig, aber wenn die Wahl auf einen Staat wie Katar fällt, vielleicht doch.

Nun ist Journalismus aber nicht gleich Journalismus. Mal abgesehen von den Themen, kann man ja auch wunderbar nach den Textsorten unterscheiden. Da gibt es die Texte auf Faktenbasis (bspw. Bericht, Interview oder Reportage) und auf Meinungsbasis (bspw. Glosse, Kolumne oder Rezension).

Und schon sind wir bei der ursprünglichen Frage, wo die Unterschiede von Bloggern und Journalisten liegen. Die meisten Blogger schreiben rein meinungsbasierte Texte. Es geht darum, wie sie die Welt sehen. Das macht ja auch den Charme vieler Blogs aus. Es ist ein Blick durch das Schlüsselloch in die Welt des Schreibers. Gut aufbereiteten und faktenbasierten Journalismus findet man hingegen nur auf den allerwenigsten Blogs. Und dann meist auch nur vereinzelt zwischen Meinungsartikeln.

Faktenbasierter Journalismus

Für mich persönlich die Königsdisziplin, da am schwersten zu schreiben. Ein Thema sorgfältig zu recherchieren, verschiedene Standpunkte in Erfahrung zu bringen und dann neutral zu berichten ist etwas, das nur die wenigsten wirklich können. Es ist einfacher seine eigene Meinung zu äußern und verdammt schwer, sie komplett rauszuhalten.

Auch faktenbasierter Journalismus kann natürlich Meinungen enthalten (auch die des Autors), das eine schließt das andere selbstverständlich nicht aus, aber meiner Meinung nach ist neutrale Berichterstattung das, an dem sich Blogger messen müssen, wenn darüber geredet wird, wo die Unterschiede von Blogs und Journalismus liegen.

Blogger können journalistisch arbeiten

Der Hauptunterschied liegt demnach in der Art des Arbeitens. Auch innerhalb des Journalismus unterschiedet sich diese, aber die Mehrheit der Blogs schreibt rein meinungsbasiert. Wohingegen Journalismus im allgemeinen Verständnis sehr oft (so zumindest mein Eindruck) mit einer faktenbasierten Arbeitsweise gleichgesetzt wird.

Natürlich können Blogger journalistisch arbeiten, schließlich verbietet es ihnen niemand und wie man vernünftig recherchiert und schreibt, kann jeder lernen. Zusätzlich gibt es viele Journalisten, die nebenbei bloggen und dort Artikel veröffentlichen, die sich nicht großartig von ihren Berichten und Reportagen in Zeitungen unterscheiden. Aber jemand der bloggt, ist nicht automatisch Journalist.

Manche sagen sogar, dass nur jemand, der hauptberuflich als Journalist arbeitet, auch journalistisch arbeiten kann (siehe Aufnahmerichtlinen des DJV), aber das ist natürlich Quatsch. Journalist ist in dem Fall einfach nur eine Berufsbezeichnung und sagt noch rein gar nichts über die Qualität der Arbeit und die Art und Weise der Berufsausübung aus.

Blogger können somit zwar keine Journalisten sein, aber sie können durchaus Artikel schreiben, die journalistischen Ansprüchen genügen. Das ist aber immer eine Einzelfall Entscheidung, die grundsätzlich nichts mit den Bezeichnungen Blogger oder Journalist zu tun hat.

Dieser Artikel erschien zu erst auf LexasLeben.de

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