Foto: Mattel

Eine Barbie mit Hidschab. ECHT jetzt? Oder eher: ERST jetzt?

Meine erste Barbie bekam ich mit drei. Sie war blond und blauäugig. Sie war makellos. Bis unser Hund sie in zwischen die Zähne bekam. Ich weinte so lange, bis ich eine neue ebenso blonde und ebenso blauäugige Barbie bekam. Die Welt war wieder in Ordnung.

 

Ich war blond, die Barbie ebenso

Die Barbie war und ist ein Ideal. Natürlich hat sie wenig mit realen Frauen gemein. Und trotzdem gab es genug Spiegelungspunkte. Meine Barbie war blond, ich ebenso. Meine Barbie war blauäugig, ich ebenso. Sie war weiß, genau wie ich. Die Barbie war ein Idealbild – wenn auch nicht komplett erreichbar, so konnte ich mich ihr wenigstens annähern.

Jetzt kann man eine lange Abhandlung darüber schreiben, ob man überhaupt einem unrealistischen Ideal nachstreben sollte und welche Folgen die Idealisierung der Barbie-Frau hat. Das überlasse ich anderen. Ich möchte über etwas anderes schreiben.

Eine Barbie mit Hidschab – na endlich!

Der US-amerikanische Spielzeughersteller Mattel hat bekannt gegeben, eine Barbie mit Hidschab – einer muslimischen Kopfbedeckung – herzustellen. Viele mögen bei dieser Meldung denken „ECHT jetzt?“. Meine Reaktion dagegen war: „ERST jetzt?“

Wie kann es sein, dass ein weltweit agierender Spielwarenhersteller einen so großen Markt bis jetzt ignoriert oder zumindest nicht passend bedient? Warum darf nicht auch ein muslimisches Mädchen zum Beispiel in Saudi Arabien mit einer Barbie spielen, die etwas für sie Bekanntes darstellt. Sind blonde Frauen ohne Schleier schöner und besser als dunkle Frauen mit Hidschab? Ich denke nicht. Und Mattel denkt das offenbar auch nicht mehr.

Unter dem Hidschab stecken starke Frauen

Also Glückwunsch Mattel. Ich finde Eure Hidschab-Barbie spitze. Zudem ist die Puppe einer Sportlerin – einer Säbelfechterin – nachempfunden. Das heißt: Die Barbie ist stark, sportlich und erfolgreich. Und trägt eben ganz nebenbei ein Kopftuch. Die neue Barbie steht dabei nicht nur für den Sinneswandel bei einem großen Unternehmen. Vielmehr deutet es auch an, was sich in der muslimischen Welt, zum Beispiel in Ländern wie Saudi-Arabien, verändert.

Lange Zeit war es für Frauen in Saudi-Arabien schwierig, Sport zu treiben.  Mittlerweile ist es ganz normal und wird gefördert – aus Gründen der Gleichberechtigung ebenso wie aus gesundheitlichen Gründen. Der junge Kronprinz Mohammed Bin Salman hat erkannt, dass er starke und gesunde Frauen braucht für ein erfolgreiches und wettbewerbsfähiges Land. Um das zu erreichen, ist die Förderung von Frauen – beim Sport, bei der beruflichen Ausbildung und dem Einstieg in den Arbeitsmarkt – ein wichtiger Punkt seiner großen Reformagenda, die er im letzten Jahr vorgestellt hat. Es ändert sich viel,  im Königreich Saudi-Arabien ebenso wie bei Mattel und in Spielzimmern der Kinder.

Sport ist für Frauen in Saudi-Arabien ein Stück Emanzipation

Saudische Frauen erobern den Arbeitsmarkt und die Sportplätze. Besonders beeindruckt war ich von meiner Begegnung mit der Unternehmerin und Sportlerin Lina Almaeena, die einen eigenen Basketball-Club für Mädchen und Jungs in Jeddah betreibt.

Anfang November nahm ihr Team beim ersten landesweiten saudischen Frauen-Basketball-Tournier teil, dem Mazda-Cup. 3.000 Sportlerinnen kämpfen um den Sieg. Lina Almaeena war dabei.

Sie selbst musste sich ihren Platz auf dem Basketball-Court noch hart erkämpfen. Für ihre Tochter ist es heute eine Selbstverständlichkeit, ebenso Sport zu treiben wie ihre männlichen Mitschüler.  

Ebenso wird es für saudische Mädchen in Zukunft selbstverständlich sein, mit einer Barbie zu spielen, die Ähnlichkeit hat mit der eigenen Schwester, der Mutter oder andere Frauen im eigenen Land.

Jetzt erst? Ja, jetzt endlich!

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