Foto: Alamode

Wer hat Angst vorm Fikkefuchs?

Heute startet die Vater-Sohn-Komödie „Fikkefuchs“ in den deutschen Kinos. Darin stellt Regisseur Jan Henrik Stahlberg satirisch überspitzt die Frage nach einer aktuellen Definition von Männlichkeit.

 

Filmstart einer Provokation

Heute startet ein Film in den Kinos, der nicht nur aufgrund seines Namens viel Diskussionsstoff liefert. „Fikkefuchs“ heißt das neue Werk von Jan Henrik Stahlberg, in dem sich dieser als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller auf eine satirische Betrachtung männlicher Sexualität einlässt. Herausgekommen ist ein Film über Männer, der im Bechdel-Test mit Pauken und Trompeten durchfällt und die Frage aufwirft: Was passiert dem, der in feministischen Zeiten an einem verstaubten Männlichkeitsbild festhält?

Schon vor dem Filmstart musste sich das Produktionsteam von „Fikkefuchs“ mit zahlreichen Problemen herumschlagen. Erst wollte keiner das Trauerspiel männlicher Sexualität finanziell unterstützen, dann riefen München und Frankfurt ein Plakatierungsverbot aus. Das Plakat, auf dem ein Fuchskopf über dem Schritt eines Frauenkörpers prangt, sei sexistisch. Zumindest in Frankfurt wurde das Plakatierungsverbot inzwischen wieder aufgehoben, über die finanziellen Schwierigkeiten half ein Crowdfunding von 70.000 Euro hinweg.

Worum geht’s?

Der Film erzählt die Geschichte des in die Jahre gekommenen Egozentrikers Rocky (Jan Henrik Stahlberg), der mit dem Alter nicht nur einen Teil seiner Haare, sondern auch seine frühere Anziehungskraft auf Frauen verloren hat. Eines Tages steht Torben, Rockys vermeintlicher Sohn, vor der Tür und bittet ihn um Nachhilfe in Sachen „Frauen bezirzen“. Torben, ekelerregend überzeugend gespielt von Franz Rogowski, ist nach der versuchten Vergewaltigung einer Kassiererin aus der Psychiatrie ausgebrochen und erhofft sich in Berlin „die große Fickerei“. Pornosüchtig und gewaltbereit wie er ist, wundert es nicht, dass diese ihm bisher verwehrt blieb. Seine Standard-Anmache: Frauen als Fotze bezeichnen. 

Rocky, der sich selbst als Romantiker der alten Schule ansieht, versucht derweil bei Frauen zu landen, die problemlos seine Töchter sein könnten. Die alte „Hirschkuh am Wegesrand“ interessiert ihn nicht. Warum seine Annäherungsversuche ins Leere laufen, kann er sich nicht erklären. Und so geht es den meisten Männern in Stahlbergs Komödie. Verraten von einem Feminismus, der veraltete Männlichkeitsbilder infrage stellt, werden sie zu Besessenen, deren einziges Verlangen es ist, eine Frau rumzukriegen. Beziehungen gibt es nicht, die einzige Partnerschaft, die im Film gezeigt wird, ist der Inbegriff des Spießertums: Prenzlauer Berg und jeden Abend Siedler spielen. 

Dazwischen werden immer wieder Porno-Ausschnitte gezeigt und die Abgründe der Pick-Up-Szene ausgeleuchtet. Die Lösung, die Stahlberg Rocky und Torben bei ihrer Suche nach Befriedigung anbietet: Prostitution.

Sklaven der Natur?

So kreisen Vater und Sohn um sich selbst und frönen dabei dem Alltagsalkoholismus. Die Frau muss sowohl als Lustobjekt, als auch als Feindbild herhalten: Wer die Annäherungsversuche abweist, wird beschimpft oder sogar bedroht. Schwierig wird es, wenn die versuchte Vergewaltigung am Anfang des Filmes nicht eingeordnet und dadurch mit unangenehmen Bagger-Versuchen im Club gleichgesetzt wird. In beiden Fällen sind die Männer der Meinung im Recht zu sein, die Frau würde es schließlich aus wollen. Solche Gleichmachungen sind gefährlich und führen zur Verharmlosung sexualisierter Gewalt.

Die Darstellung sämtlicher Charaktere ist dabei so überzogen, dass man „Fikkefuchs“ nur als Satire verstehen kann. Hier will jemand Grenzen austesten, dahin gehen wo es weh tut, schockieren. Bei aller Übertreibung fühlt man sich als Frau trotzdem immer wieder an Situationen erinnert, in denen man von ähnlich schmierigen Typen bedrängt und angemacht wurde, egal wie deutlich man sein Desinteresse äußerte. 

Die Ohnmacht des Mannes

Die Frauenfeindlichkeit im Film ist schwer zu tolerieren und nur dadurch im Bereich des Erträglichen, dass Jan Henrik Stahlberg seine Charaktere so armselig, so völlig verloren in ihrem Arschlochdasein zeigt. Fernab jedes Erkenntnisgewinnes ackern sich die beiden ab, immer als Sklaven ihres „Jagdtriebes“. Trotzdem fragt man sich, was Stahlberg mit seinem Film bezwecken möchte. Geht es darum, durch Grenzüberschreitungen das Publikum zum Lachen zu bringen? Das gelingt, zumindest bei der Premiere in Berlin. Es gibt sogar wiederholt Szenenapplaus. Genauso sitzt man aber auch oft fassungslos im Kinosessel und wünscht, das Ende des Filmes käme langsam in Aussicht.

Für eine Gesellschaftsstudie scheint der Film zu überzogen. Oder doch nicht? Die objektivierende, herablassende Sichtweise auf Frauen, die Rocky und Torben teilen, ist schließlich nicht völlig aus der Luft gegriffen. Jan Henrik Stahlberg stellt die Frage der Machtverhältnisse, die auch im Zuge von #metoo immer wieder laut thematisiert werden. Nur zeigt er keine Männer, die ihre Machtposition ausnutzen, sondern solche, die in ihrer Machtlosigkeit in Ohnmacht verfallen. Wer nicht gelernt hat, Frauen als Menschen zu betrachten, der wird untervögelt zu Grunde gehen – so eine mögliche Moral des Filmes. Zumindest bis Stahlberg in einer paradisischen Griechenlandkulisse sowohl Torben als auch Rocky ihr vermeintliches Happy End in den Armen einer jungen Frau gönnt. Mit Sprachbarriere klingt auch „Darf ich deine Muschi auslecken“ sympathisch.

Was bleibt?

Der Film wurde vom Feuilleton heiß diskutiert, frei nach dem Motto: Man liebt ihn oder man hasst ihn. So ganz mag man dem nicht zustimmen. „Fikkefuchs“ zeigt ein Bild der Männlichkeit, das wir in dieser Form selten, wenn nicht nie, in Film und Fernsehen antreffen. Dabei stellt er mehr Fragen, als das er Antworten liefert. Über Geschlechterrollen, Sexualität, Pornografie, Prostitution, Liebe. Was bleibt also nach knapp hundert Minuten „Fikkefuchs“? 

Vielleicht ist es vor allem das Gefühl von Ratlosigkeit und der kalter Schauer, der einem den Rücken herunterläuft. Obwohl man doch immer wieder lachen musste.

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