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Eine Frau für Trump: Warum Tricia Cunningham weiter für ihn Wahlkampf macht

Ein Video von Donald Trump löste am Wochenende einen Skandal aus. Das Video ist ein weiterer Beweis für das sexistische Weltbild des Präsidentschaftskandidaten. Trotzdem gibt es immer noch Frauen, die Trump unterstützen. Wie rechtfertigen sie ihr Engagement?

 

Die Frau hinter Trump

Tricia Cunningham kämpft in Pennsylvania als Chefin des Volunteer-Headquarters Tag und Nacht für Donald Trumps Wahlsieg. Das öffentlich gewordene Tape mit Trumps sexuellen Prahlereien ist ein Tiefpunkt für die Kampagne. „Doch wir dürfen jetzt nicht Opfer oder Jungfrau spielen”, sagt Tricia und macht weiter. Ein Interview mit einem echten Trump-Groupie.

Das war sicher ein aufregendes Wochenende für Sie…

„Oh ja, mein Telefon steht seit Tagen nicht mehr still. Die meisten Leute sind vor allem entsetzt über den Leak an sich und das Timing – so kurz vor der zweiten TV-Debatte. Etwa 150 Anrufe kamen von Frauen. Ein echtes Killer-Wochenende, es war frustrierend. Ich bin vor allem sauer auf die Medien, dass sie dieser Geschichte so viel Raum einräumen.”

Was dachten Sie persönlich, als Sie das Video sahen? 

„Wissen Sie, ich versuche, mich von den Medien und Nachrichten fernzuhalten, weil mein Blutdruck das nicht aushält. Als ich das Tape dann endlich gesehen habe, dachte ich: Was? Das soll es sein? Ich will nichts verteidigen, es war unanständig, es war geschmacklos, es war Jungs-Talk in der Umkleide. Aber ich hatte Schlimmeres erwartet, so etwas wie ,Donald Trump ist mit dem Auto in eine Gruppe Kindergartenkinder gefahren’ oder so. Aber das? Das war die ganze Aufregung doch nicht wert.”

Verletzt es Sie nicht, dass er Frauen wie lebende Barbiepuppen behandelt?

„Ich habe diesen Mann so oft getroffen in den letzten zwanzig Jahren und er hat mich nie so behandelt. Ich kann das nicht persönlich nehmen, denn ich bin keine Barbiepuppe. Ich bin eine starke Frau und niemand dürfte mich so behandeln. Wenn andere Frauen das zugelassen haben, dann wollten sie es so. Lasst uns ehrlich sein, es gibt diese Frauen, die Milliardäre jagen. Darüber müssen wir reden. Was er gesagt hat, war nicht cool. Aber es war eine private Unterhaltung zwischen zwei Männern. Ich würde zu gerne mal hören, was in einer NFL-Football-Umkleide so gesprochen wird. Sind wir ehrlich, das passiert jeden Tag, ich nehme das nicht persönlich. Weil Mr. Trump MICH nie so behandelt hat. Er hatte immer Respekt für mich.“

Wie würden Sie Donald Trumps sexuelle Prahlereien einer jungen Frau erklären – Sie haben ja selbst zwei Töchter?

„Ich würde nicht versuchen, es zu entschuldigen. Aber als jemand, der nach dem College zwölf Jahre lang in einer Bar gearbeitet hat, kann ich mit sowas umgehen. Eine meiner Töchter ist bei der Marine, wissen Sie, wir sind keine Frauen, die Opfer oder Jungfrau spielen. Wir haben so viele starke Frauen in diesem Land, die genau wie ich wissen, dass das, was Donald Trump vor elf Jahren gesagt hat, sie heute nicht betrifft.”

Die Wahlkampfhelferin und ihr Präsidentschaftskandidat. (Quelle: Tricia Cunningham)

Wie zufrieden waren Sie mit Trump im zweiten Duell?

„Das war wieder der Mann, der im Juni 2015 seinen Hut in den Ring geworfen hat. Ein starker Leader, der eine Botschaft hat: Make America great again. Den schmutzigen Rest erledigt er auf Twitter und Facebook: Bill Clinton ist ein Monster. Hillary Clinton unterstützt ihn. Mehr muss man dazu nicht sagen. Er war ein Präsident unter Anklage. Mehrere Frauen haben ihn in seiner Karriere des Missbrauchs und der Belästigung beschuldigt. Für uns ist das nichts Neues, für die jüngere Generation wahrscheinlich schon.”

Viele Republikaner, darunter mächtige Frauen wie die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice, rufen Trump zum Rückzug auf. Beunruhigt Sie das nicht?

„Absolut nicht. Rice gehört zur Bush-Seite, das ist keine Überraschung. ich verstehe jeden, der sich von diesen Aussagen distanziert. Trotzdem: Das ist elf Jahre her! Als Donald Trump letztes Jahr in den Wahlkampf zog, war er doch längst ein anderer Mann, eine gewachsene Persönlichkeit. Wir lieben und unterstützen ihn für das, was er heute ist.”

Noch mal: Sie betrachten seine Worte nicht als sexuellen Übergriff?

„Absolut nicht. Und ich fühle mich sogar von jenen beleidigt, die das als sexuelle Gewalt hinstellen. Wir sind doch alle erwachsen. Es war nicht richtig und es war nicht cool. Aber es ist nichts, weswegen Amerika den Rest seiner Zukunft aufs Spiel setzen sollte.”

Danke für das Gespräch!

„You have a ‚trumptastic‘ day!”

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