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Das Model Hanne Gaby Odiele spricht über ihre Intersexualität – und will damit Mut machen

Intersexualität ist für viele immer noch ein Begriff, mit dem sie nichts anfangen können. Umso toller, dass das international bekannte Model Hanne Gaby Odiele nun beschlossen hat, über ihre eigene Intersexualität zu sprechen – auch, weil sie anderen Mut machen will.

 

„Ich bin stolz, intersexuell zu sein“

Das Model Hanne Gaby Odiele fällt auf. Sie fällt auf, weil sie eine wunderbar rotzige Attitüde an den Tag legt, irgendwas zwischen glamourös, arty und dem Mädchen von nebenan. Geht man etwa auf ihren Instagram–Account, dann verliert man sich schnell – jedoch nicht zwischen Smoothie- und Urlaubsbildern, sondern eher zwischen Kunst und gesellschaftspolitischen Statements. Nun hat die 29-jährige Belgierin über etwas gesprochen, was nicht auffällt, was man ihr nicht ansehen kann, aber etwas ist, das sie ausmacht und geprägt hat. Hanne ist intersexuell und – wie sie nun in einem Interview mit USA Today sagt, in dem sie erstmals darüber gesprochen hat – sie ist stolz darauf, sie will mit ihrer Offenheit anderen Mut machen und gegen Vorurteile angehen. „Mir ist es sehr wichtig, jetzt mit diesem Tabu zu brechen.“ Warum? Weil sie sich eben genau jetzt bereit dafür fühlt.

Was genau beschreibt der Begriff der Intersexualität? Ganz allgemein beschreibt es, dass jemand genetisch und/oder anatomisch sowie hormonell nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden kann. Wie viele Menschen das weltweit betrifft, dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen, aber man geht davon aus, dass etwa eines von 4.500 Kindern ohne eindeutiges Geschlecht zur Welt kommt. In Hannes Fall ist es so, dass sie mit innenliegenden Hoden, ohne Gebärmutter und ohne Eierstöcke geboren wurde, auch wurden bei ihr XY-Chromosomen festgestellt.

Was machte die Diagnose mit ihr?

Das Model selbst hat kein Problem mit ihrer Intersexualität. Was sie aber ärgert und auch traumatisierte ist, dass sie als Kind diverse Operationen über sich ergehen lassen musste, weil die Ärzte ihren Eltern sagten, dass sie sonst Krebs bekommen könnte und sich nicht als „normales Mädchen“ entwickeln würde – also wurden ihr die innenliegenden Hoden entfernt. Doch gerade die OPs lösten in ihr das Gefühl aus, dass etwas falsch mit ihr sei. Im Alter von 18 Jahren begannen dann die Operationen, mit denen ihre Vagina rekonstruiert wurde. Aber was ihr wirklich geholfen hätte, um sich mit ihrem Körper wohlzufühlen, bis sie entscheidet, was und ob sie etwas an ihm verändern will, wäre gewesen, dass man einfach offen mit ihr gesprochen, statt für sie entschieden hätte.

Hanne ist damit eine wichtige und mutige Stimme für alle, die ebenfalls ohne eindeutiges Geschlecht geboren werden. Gerade Kindern tut es gut zu wissen: da draußen gibt es noch mehr Menschen, die so sind wie ich. Und daran ist nichts falsch. Wir bewundern diesen Mut!

Artikelbild: Ed Kavishe | fashionwirepress.com | Wikimedia | CC by 1.0

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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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