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Nebenwirkungen bei hormoneller Verhütung für Männer: Welcome to our world!

Derzeit macht eine Studie zur hormonellen Verhütung für Männer von sich reden, die aufgrund der Vielzahl an Nebenwirkungen abgebrochen wurde. Eine gute Entscheidung! Und doch kann man als Frau nur bitter lachen.

Verhütung mit Nebenwirkungen: nur was für echte Frauen

Hormonelle Verhütung – was für uns Frauen seit Jahrzehnten die Nummer eins in Sachen Schwangerschaftsverhinderung ist, nicht unwesentlich deshalb, weil das von der Industrie und den Ärzten bis zum Abwinken gepusht wurde, ist für Männer noch echtes Neuland. Tests dazu laufen natürlich schon länger, doch eine neue Studie der Universität Edinburgh , die kürzlich im „Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism“ veröffentlicht worden ist, schien nun einem wirklichen Durchbruch nahe – denn der geteste Hormon-Shot zeigte eine Erfolgsrate von 96 Prozent und kommt damit an die Sicherheit der Pille ran.

Getestet wurden 320 Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren, die in einer monogamen Beziehung leben und über einen Zeitraum von insgesamt 56 Wochen alle acht Wochen eine Injektion erhielten. Diese bestanden aus den Hormonen Gestagen und Androgen, welche die Spermienzahl verringerten. Leider aber auch das Wohlgefühl und die (mentale) Gesundheit einiger Studienteilnehmer beeinträchtigten, was letztlich zum vorzeitigen Abbruch der Studie durch die Forscher führte. Insgesamt wurden 1.491 unterschiedliche Nebenwirkungen protokolliert.

Diese Meldung zog natürlich viel Häme nach sich – denn mal ehrlich, als Frau bleibt einem dabei im ersten Moment schon ein wenig die Spucke weg. Warum? Weil Männer solche Sissis sind? Nein, hier geht es um etwas ganz anderes.

Ist die Gesundheit von Frauen weniger wert als die der Männer?

Es ist absolut legitim und verantwortungsvoll, eine Studie zu hormoneller Verhütung abzubrechen, wenn Nebenwirkungen auftreten, die die Gesundheit maßgeblich beeinträchtigen – aber wieso bleibt das ein Privileg für Männer? Wieso waren Tests an Frauen in Puerto Rico in den 60er Jahren in Ordnung, bei denen die Studie trotz Nebenwirkungen (Erbrechen, Depressionen, erhöhte Thrombose-Gefahr, Migräne, Gewichtszunahme – you name it) weitergeführt wurde? Tests, bei denen die Frauen nicht aufgeklärt wurden, wie experimentell das Medikament (noch)  ist – und dabei sollte man bedenken, dass die Pille früher ein noch stärkerer Hormon-Cocktail war als jener, den wir heute kennen.

Wieso kommt erst in diesem Jahr eine Studie dazu raus, die deutlich macht, dass es tatsächlich Zusammenhänge zwischen Depressionen und der Pille gibt, obwohl Frauen seit Jahrzehnten über genau diese Nebenwirkung klagen? Klagen, auf die Ärzte in der Regel folgende probate Antwort hatte: „Ach, das kommt schon mal vor, darüber berichten auch viele Frauen. Probier doch einfach eine andere Pille aus.“ Vielen Dank für nichts.

Ich meine: Wow. Hormonelle Verhütung bleibt anscheinend so lange Frauensache wie die weibliche Gesundheit einen geringeren Stellenwert hat als die männliche. Und das ist wohl das trostloseste Fazit, das man aus dieser Studie ziehen kann. Doch am Ende braucht es sowieso eines: Mehr Verantwortung durch Seiten der Medizin und mehr Aufklärung für Frauen und Männer, welche Nebenwirkungen sie sich mit der hormonellen Verhütung zumuten. Denn dann kann jede und jeder frei entscheiden, ob das wirklich der richtige Weg zur Verhinderung einer Schwangerschaft sein kann.

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