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#SPDerneuern. Liebe SPD: Wo ist deine Vision von einer modernen Sozialdemokratie?!

Die SPD muss sich neu (er)finden, zukunftsfähig werden. Aber wie? Mir fallen dazu spontan 8 Schritte ein…

 

Gerade wollte ich meine eigenen Gedanken zur Zukunft der SPD formulieren, da stieß ich auf einen wunderbaren Beitrag der Zeit (unbedingt lesen!). Ein junger Genosse klagt hier über seinen Frust mit der SPD und fordert: Die SPD muss sich auflösen und neu erfinden. 

„In Zeiten der Ängstlichkeit, in der immer mehr Typen an der Bar hocken und jammern, in der alte Männer mit Hundekrawatte am Rad der Zeit drehen, und zwar in die falsche Richtung, muss die SPD radikal positiv werden, radikal zukünftig.“ (nach Dachsel 2017)

Müssen wir damit auch den Traum der Sozialdemokratie aufgeben? Der Schauspieler Leonard Lansik sagte eimal in einer Talkshow: 

„Ich höre doch nicht gleich auf Sozialdemokrat zu sein, nur weil meine Partei gerade scheiße ist“.  

Wir dürfen uns also nicht von der Sozialdemokratie trennen, sondern von dem Konstrukt in dem sie eingehüllt ist, der Partei. Nie haben wir die Sozialdemokratie mehr gebraucht, als jetzt, in einer zunehmend digitalisierten Welt. 

Wir müssen das Menschsein wieder in den Mittelpunkt rücken, drumherum ein Netzwerk bauen aus sozialem Zusammenhalt, globalem Denken und lokalem Handeln. 

Aktuell ist das Netz voll von Forderungen, die SPD zu erneuern, zukunftsfähiger zu machen. Vor allem jünger muss sie werden.  Aber reicht das aus? Nach zwei Jahren als Mitglied und einem desaströsen Wahlergebnis meine ich das wahre Problem inzwischen entdeckt zu haben:

Liebe SPD: 

Wann verstehst du endlich, dass du eine neue Zielgruppe brauchst und noch viel wichtiger eine mitreißende Vision einer modernen Sozialdemokratie?

Bevor du, liebe SPD,  meine Ideen liest, möchte ich dich daran erinnern worum es beim Politik machen eigentlich geht: Politik machen heißt nicht einer alten Problemmaterie hinterherzurennen, sondern aktiv zu gestalten: 

  • Weniger Politikwissenschaft, mehr Realität.
  • Weniger elitäres Geschwafel, mehr Klartext.
  • Weniger gegen etwas, mehr für eine Sache.
  • Weniger mit den Finger auf die anderen zeigen, mehr selbst machen.
  • Weniger zögerlich, mehr progressiv. 
  • Weniger kompliziert und komplex, mehr Demokratie.
  • Weniger alt, mehr jung.
  • Weniger akademisch oder aus gutem Hause, mehr wie du und ich.
  • Weniger Person, mehr Thema. 
  • Mehr frische, mutige, authentische, bunte MacherInnen aus allen Ecken des Landes. 
  • Mehr mitreißende, klare, fortschrittliche Inhalte. 

Poltik ist ein Spiel, das uns die Möglichkeit gibt, unsere soziale Umwelt so zu gestalten wie wir es wollen. Dabei sollte jeder einzelne Mensch die Möglichkeit bekommen mitzuspielen.

1. Entwickle endlich eine moderne Vision der Sozialdemokratie! 

Warum treten junge Menschen in die SPD ein? Der junge Genosse formuliert das sehr schön:

 „Wir waren mit Anfang zwanzig auf der Suche nach einer progressiven Partei, die links ist, aber nicht doof, pragmatisch, aber mit Herz.“. (nach Dachsel 2017) 

Das schlechte Wahlergebnis aber zeigt, es krankt und progressiv ist diese Partei schon lange nicht mehr. Zukunftsfähig sein bedeutet vor allem eine Vision zu haben. Eine Vision ist ein Lichtblick am Ende des Tunnels, ein Stern am Horizont, ein Anker im Wasser, etwas woran wir uns gesellschaftlich festhalten und orientieren können. Damit meine ich keine zwanghafte Leitkultur, sondern eine Vision einer Welt, in der wir uns alle unabhängig von der eigenen Kultur wiederfinden können. Oder überhaupt mal einen Diskurs über Zukünfte. Und ja, vielleicht läuft es am Ende auf eine Utopie hinaus (nicht erreichbar, fiktiv), aber „Utopien [dienen] als moralischer Kompass“ und scheinen wie die Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen zeigt aktuell notwendiger denn je. Warum aber wurde diesem Thema im Wahlkampf von dir lieber SPD keine Aufmerksamkeit geschenkt? Und ist das bedingungslose Grundeinkommen nicht sogar ein klassisches sozialdemokratisches Thema? Egal, ob man dafür oder dagegen ist, du hättest dich hier besser positionieren müssen. Das BGE spiegelt am Ende doch nur eins wieder: Das menschliche Paradoxon aus sozialer Sicherheit und Freiheit. Bastle daraus eine Vision, die Menschen mitreißt und nein, „Zeit für Gerechtigkeit“ ist keine Vision! Eine Vision braucht einen klaren Zukunftsbezug und flexible Ziele wie man dort hinkommt. 

2. Hör auf immer gegen alles zu sein und sei endlich mal wieder für etwas!


„Noch heute definiert sie ihre Programmatik meistens ex negativo: gegen Befristungen, gegen Leiharbeit, gegen hohe Managerboni, gegen Lohndumping. Sie kämpft im Detail. Über das große Bild, die Zukunft der Arbeit, spricht sie kaum.“ (nach Dachsel 2017). 

Statt immer nur hinterher zu rennen und mit dem Finger auf andere zu zeigen, musst du selbst gestalten. Wie wäre es mal mit: Für ein Deutschland, in dem es keine Kinderarmut gibt, für ein Deutschland, in dem Mut belohnt wird und wir unkompliziert Gründerstipendien ausgeben? Für ein Deutschland, in dem wir junge Menschen in Ausbildung, egal ob Azubi oder Student mehr entlasten und bezuschussen? Konzentriere dich doch mal auf ein Thema, und mach das richtig gut. Gerade die Arbeitswelt steht aktuell unter einem starken Veränderungsdruck und es braucht hier viele neue Lösungen in den kommenden Jahren. Nutze doch die 4 Jahre und entwickle politische Lösungen, wir wir alle in der Gesellschaft mitnehmen können. Der Mindestlohn war gut, aber haben wir klar gemacht, dass das ein SPD Thema war oder ist das in der GroKo untergegangen? Das Chancenkonto ist übrigens mal ein richtig gutes zukunftsorientiertes, sozialdemokratisches Thema und Arbeit ja schließlich das Herz der Sozialdemokratie. Doch bevor du dich daran setzt, musst du das hier noch lernen:  

3. Streiche den Begriff Arbeiter und Arbeitskraft aus deinem Wortschatz! 


“2012: 3x mehr Kinder aus Akademiker Haushalten gehen studieren, als aus Arbeiter Familien“. Ein Satz, den man gern von GenossenInnen hört. Allerdings: Was für ein Bullshit Bingo 2017. Ich verstehe ja die Idee hinter der Aussage, aber warum differenzieren wir immer noch so streng zwischen Arbeiter und Akademiker, damit kippt man doch erst recht Öl ins Feuer oder nicht ? Wir müssen uns also mal von zwei Dingen hier lösen: 



1. Den klassischen Arbeiter gibt es nicht mehr, wir haben 2017 erreicht und leben in einer Wissensgesellschaft. Das produzierende Gewerbe wird nach und nach von der Digitalisierung transformiert und das ist auch gut so, denn Menschen sollen menschlichen Tätigkeiten nachgehen. Tätigkeiten, bei denen sie ihr Talent, ihren Kopf, ihre Erfahrung, ihr Wissen, ihr Handwerk, ihr Geschick nutzen und einbringen können und keinen Job verrichten, der sie nur als menschliche Maschine missbraucht und Arbeitskraft sieht. 



“[Alt eingesessen Sozialdemokratien] sehen den Menschen nur in seiner Lohnabhängigkeit. Die SPD hängt an einem zweidimensionalen Arbeitsbegriff, der nicht in die Gegenwart passt und schon gar nicht in die Zukunft.“ (nach Dachsel 2017)

 

2. Die sogenannten Akademiker sind in 80% der Fälle sicher keine Akademiker im strengen Sinne, denn das würde bedeuten, dass sie noch in der Forschung und Lehre aktiv sind. Dank unseres Akademisierungswahns aber (empfehle hier das gleichnamige Buch), haben wir Weiterbildung und Theorie mit Studium und Forschung gleichgesetzt was zu Unmut auf allen Seiten führt. Wenn wir wollen, dass Studium und berufliche Bildung in unserer Gesellschaft die gleiche Akzeptanz findet, dann sollten wir uns von der Differenzierung endlich mal lösen. 

In Zukunft wird beides wichtig sein und das eine bedingt das andere. Beispiel: Jemand, der eine Ausbildung zum Bäcker macht, einen großartigen Geschmackssinn hat und schon bald die leckersten Brötchen der Stadt backt, kann parallel einen Onlinekurs belegen und sich in Marketing und E-Commerce schulen und schon bald seine Brötchen in ganz Deutschland vertreiben. Jemand, der Maschinenbau studiert und gelangweilt ist von der Theorie zieht es schon bald in die Werkstatt, um dort zum Tüftler zu werden und meldet ein Jahr später ein erfolgreiches Patent an. 

Wer also ist hier der Akademiker und wer der Arbeiter? 

Liebe SPD, wir sollten in Zukunft nicht mehr von Arbeitern und Akademikern sprechen und eine Zweiklassengesellschaft vorantreiben, sondern von Menschen, von Talenten und Machern, um Deutschlands Wirtschaftskraft zu stärken, das „Land der Tüftler und Denker“. 

4. Löse dich von der „Politik für den kleinen Mann“ und mach mehr für unsere Kids!

Damit der Wandel der Arbeitswelt in der Öffentlichkeit also eine positive Konnotation erhält und eine „gesunde und gerechte“ Wissensgesellschaft aktiv gestaltet werden kann, muss die Entwicklung einer Gesellschaft vorangetrieben werden, in der sich jeder Mensch seiner Einflussmöglichkeiten und seines Gestaltungspotenzials sowohl des eigenen Lebens als auch in der Gesellschaft bewusst ist und mit den entsprechenden Fähigkeiten und Tools ausgestattet ist, dies zu nutzen. Deutschland brüstet sich damit, dass wir wenig Arbeitslose und die letzten Jahre viele neu Jobs geschafft haben. Schaut man sich das genauer an, sieht man aber, dass die meisten Jobs im Niedriglohnsektor entstanden sind. Menschen gehts also trotz mehr Arbeit finanziell und seelisch nicht besser, ihr eigentliches Potential wird nicht genutzt und letztlich müssen sie mehr als einen Job ausführen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Statt sich mit Zahlen zu schmücken, liebe SPD sprich mal mit den Menschen.

„Sprache ist aus Realität gemacht. Aber Realität ist auch aus Sprache gemacht. Je länger man Menschen sagt, sie seien einfach und klein, was eine gängige Rhetorik ist unter deutschen Sozialdemokraten, desto mehr fühlen sie sich auch so, desto machtloser werden sie, desto ängstlicher, desto pessimistischer, desto weniger glauben sie an ihre Kraft.“ (nach Dachsel 2017)



Politik hat sich entfremdet, ist elitär und verkorkst geworden, das wissen wir mittlerweile. Der Mensch distanziert sich immer mehr. Anstatt allgemein vom kleinen Mann zu reden liebe SPD, versuche die Menschen persönlich anzusprechen und mache auf die Wichtigkeit und Wertigkeit jeden Einzelnen aufmerksam! In Berlin Pankow, wo die AFD teils 23% erreicht haben, geht es den Menschen gut, sie haben ein Eigentum und eine gute Rente und trotzdem wählen sie AFD. Ich habe mich mal umgehört und wollte Gründe wissen. Heraus kam, dass viele von ihnen aus Protest wählten und nicht mal weil es ihnen schlecht geht, sondern weil sie sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen. Sie verstehen nicht, warum man mit einer Ausbildung heutzutage nichts mehr erreicht, warum das eigene Kind kein Bafög bekommt oder mit 25 das dritte unbezahlte Praktikum machen muss… . 

Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg. Bildung muss daher das Nummer 1 Thema der SPD werden. In den Worten des Rappers Xatar ausgedrückt „Bildung war schon immer die Währung.“ (Brandeins 2017) 
 

Richtig gut fand ich auch Martin Schulz im Sommer:

„Schulen müssen die Zukunftswerkstätten Deutschlands werden!“

Ich rate dir also, kümmere dich um Bildung, Bildung, Bildung. 

5. Geh auf Zielgruppensuche!


Ich sage nicht, dass es einfach wird eine neue Zielgruppe zu finden nachdem man jahrelang auf eine sehr klare und wohl definierte Zielgruppe zurückgreifen konntest, aber es führt kein Weg daran vorbei. 

Hier ein paar Inspirationen für wen die SPD Politik machen sollte…

  • Für Menschen.
  • Für Menschen, die Kraft in der Gemeinschaft sehen. 
  • Für Menschen, die Bock auf andere Menschen haben und nicht egozentrisch unterwegs sind. 
  • Für Menschen, die sich eine Gesellschaft wünschen, die so gestaltet ist, dass jeder daran teilnehmen kann.
  • Für Menschen, die sich eine Gesellschaft wünschen, in der Politik die Balance aus Sicherheit und Freiheit schafft. 
  • Für Menschen, die sich eine Gesellschaft wünschen, die so lebt, dass auch noch unsere Kinder eine schöne Welt haben (und die Tiere).
  • Für Menschen mit sicherheitsorientierten Lebensläufen.
  • Für Menschen mit sprunghaften und Lücken in ihren Lebensläufen. 
  • Für Menschen mit traditionellen Berufen.
  • Für Menschen mit praktischen Berufen.
  • Für Menschen mit kreativen Berufen.
  • Für Menschen mit handwerklichen Berufen.
  • Für Menschen, die mit ihrer Arbeit ihren Lebenstraum verwirklichen.
  • Für Menschen, die ihre Arbeit aus Gründen des Geldverdienens machen, weil sie für die Familie leben. 
  • Für Menschen mit hohem Einkommen, die aber gerne Teil einer solidarischen Gesellschaft sind und was zurückgeben wollen. 
  • Für Menschen mit niedrigem Einkommen, und die das nicht stört, weil Materialismus nicht alles ist. 
  • Für Menschen, die keinen Bock mehr auf Ausbeuter Kapitalismus haben, aber was von Wirtshaft verstehen.
  • Für Menschen, die die Idee von Mix und Match Kapitalismus und Sozialismus im Kopf haben.
  • Für Menschen in klassischen Arbeitsverhältnissen.
  • Für Menschen, die Solo-Selbstständig, Gründer, Freelancer, Freiberufler etc. sind.
  • Für Menschen, die mit Digitalisierung nicht nur Böses, sondern Empowernment verbinden.
 
  • Für Menschen, die nicht Digital, First Bedenken second sind, sondern sinnstiftend an Digitalisierung rangehen.
  • Für Menschen, die global denken und lokal handeln wollen. 
  • Für Menschen, die gern in der Stadt leben.
  • Für Menschen, die Ruhe auf dem Land schätzen.
  • Für Menschen, die ihr Auto brauchen.
  • Für Menschen, die das Sharing in Sharing Economy betonen.
  • Für Menschen, die dafür kämpfen das eigene Leben nicht als Mikrokosmos zu sehen. 
  • Für Menschen, die früher alles besser fanden, leider aber im Jetzt leben.
  • Für Menschen, die mit Tradition nicht nur Nostalgie, sondern eben Heimat verbinden.
  • Für Menschen, die Wirtschaft als Motor sehen mit dem Menschen im Mittelpunkt.
  • Für junge Leute, die Bock haben in einer solidarischen Gesellschaft zu leben und dafür aktiv werden wollen. 
  • Für Menschen mittleren Alters, die aufgewachsen sind in Zeiten, wo unser Land aus zwei konträren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen bestand und die nun Angst vor Wandel haben und sich Kontinuität wünschen. 
  • Für Menschen, die keinen Bock auf Politik haben, weil sich die Politik von ihnen entfernt hat, sie zu oft verarscht wurden oder einfach nicht um den Wert der Demokratie wissen. 
  • Für ältere Menschen, die sich gern auf das Einfache zurückbesinnen, weil sie auch mit dem Einfachen groß geworden sind.
    Die für Ihre Enkel das beste wollen. 
  • Für Menschen, die gern Freitagabend zusammen sitzen mit anderen Menschen, über das Leben philosophieren, über alte Geschichten lachen, neue Pläne schmieden und gelangweilt wären, müssten sie den Rest ihres Lebens allein verbringen.

6. Öffne dich und nutze die Kraft deiner Basis  

Nachdem du eine Vision geschaffen und Ziele formuliert hast, brauchen wir einen Aktionsplan. Dieser gibt deiner Basis Orientierung und motiviert sie mehr eigene Projekte anzustoßen. Dabei muss klar und direkt auf die Probleme der Bürger/Betroffenen vor Ort und auf unterster Ebene eingegangen werden. Debatten müssen außerhalb der Partei stattfinden, denn Ideen und Wissen kommt meist von den Betroffenen selbst. Dafür musst du neue Formate entwickeln, wie wir einen offeneren Dialog mit allen hinbekommen und nicht nur parteiintern z.B. in Form von offenen Kiez-Bürgerversammlungen.

„Macron, das hat er vielen Sozialdemokraten voraus, leitet seine Ideen aus der Wirklichkeit ab. Nicht die Wirklichkeit aus seinen Ideen.“ (nach Dachsel 2017)

Lediglich der Prozess der Abstimmung über konkrete Anträge ist dann noch parteiintern zu klären. Gib deiner Basis dafür bessere Werkzeuge. In der modernen Welt spricht man von Apps, die ihnen helfen können sich zu organisieren. Vergiss nicht, die Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit!  

Kurz: Der Vorstand stellt die Infrastruktur und Strategie, die Basis macht die Politik und die Repräsentanten müssen diese verteidigen und darum kämpfen. 


7. Bau’ eine Community und keine Posten!


Nach 2 Jahren SPD ist mein Eindruck, dass man in die höheren Positionen nicht unbedingt durch Expertise oder Engagement kommt, sondern oft durch interne Absprachen, passende Verbindungen oder die Anzahl der Jahre die man dabei ist. Und ganz ehrlich, wer hat so viel Freizeit, dass man es immer zu allen physischen Treffen schaffen soll, um wirklich was voranzubringen? Ich will hier keinen der vielen tollende engagierten Menschen angreifen, die sich regelmäßig am Samstag in 8 Stunden Sitzungen treffen und nach der Arbeit noch 19 Uhr zur Abteilungssitzung gehen. Aber, wenn ich mir einige Gremien anschaue, dann stellen diese leider nur selten ein Abbild der SPD Basis und noch weniger der Gesellschaft dar. Mit SPD++ trauen sich nun einige GenossInnen den ersten Schritt zu gehen, sich von alten Strukturen zu lösen, Digitalisierung als Empowernment zu sehen und neue Formate für zeitgemäße Dialoge zu entwicklen. 
Liebe SPD, bitte höre ihnen zu und nutze die Expertise der eigenen Mitglieder und Kraft der Community besser. Parallel zur Ortsarbeit müssen auf digitalen Plattformen themenspezifische Dialoge stattfinden!

8. Orientiere dich an Werten und nicht an Farben


Eine Berliner Schulleiterin erzählte kürzlich von einem Kind und seiner Mama, die auf dem Weg zur Schule durch eine Straße voller Wahlplakate ging. An jedem blieb das Kind stehen, erst rot: 

 „Frieden für alle“ – „Aber Mama, wollen wir das nicht alle?“, danach ein Schwarzes mit „gut leben“, „Aber Mama, wollen wir das nicht alle?“ … 

So ging es wohl nicht nur dem kleinen Jungen während der Wahl. Also liebe SPD, ich rate dir, dich vom historisch begründeten Denken in politischen Denken in Farben zu lösen und konkreter, mutiger und kreativer in deinen Forderungen zu werden. Orientiere dich lieber an Werten für die wir stehen, als an Farben. Ein Beispiel: Die SPD steht für Gerechtigkeit? Dann liebe SPD werde doch dort kreativ, wo der  Mensch z.B. finanzielle Ungerechtigkeit am ehesten zu spüren bekommt: Beim Geldbeutel. Den Geldbeutel füllen also Gesetze für Einkommensteuer und Löhne sind die eine Seite, mehr Politik machen für Verbraucherthemen also z.B. Ausgaben für notwendige Dinge wie Windeln, Tampons etc. sind die andere Seite des Geldbeutels. Verstehe mich nicht falsch, ich zahle gerne Steuern, denn meine Steuern dienen dazu die Welt um mich herum schöner zu machen. Es gibt aber auch eindeutig ein paar klare Fails. Warum zum Beispiel zahle ich auf die eben genannten notwendigen Dinge mehr Steuern als auf Luxus Delikatessen oder Blumen? Eventuell ist dir gar nicht bewusst, dass es über solche Themen eine allgemeine Empörung gibt? Nun ja, man kann ja nicht erwarten, dass es alle Themen bei den Männer im Bundestag auf die Agenda schaffen… #Ironie. Ach ja, und ist das nun eigentlich ein rotes, grünes oder schwarzes Thema? Du verstehst worauf ich hinaus will oder? 😉 

Sei mal mutig!

Zum Nachlesen:

Großen Dank übrigens an Menschen wie Verena Hubertz, Henning Tilmann und Yannick Hahn, die mutig sind und viel Einsatz zeigen die SPD mit SPD++ neu zu machen! 

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