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Michelle Obama: „Lass dich nicht von den Narben auf deiner Seele beherrschen“

Michelle Obama spricht in einem Interview offen über die Wunden, die ihre Zeit als First Lady hinterlassen hat und begeistert uns mit ihrer Ehrlichkeit.

 

Michelle Obama zeigt, wie stark es sein kann, Schwäche zu zeigen

Leistungsdruck, Selbstoptimierung, Durchsetzungskraft – wo diese Werte großgeschrieben werden, werden schwache Momente schnell negativ belegt und totgeschwiegen. Wer als stark gelten möchte, darf sich keine Schwäche leisten, schon gar nicht als Person der Öffentlichkeit. Die Problematik solcher Denkmuster thematisiert Michelle Obama nun in einem Interview und erklärt, warum man innere und äußere Narben nicht verstecken muss.

Zum 30-jährigen Bestehen der Women’s Foundation of Colorado sprachen
Präsidentin sowie CEO Lauren Casteel und Michelle Obama unter anderem über Bildung, Ernährung und Empowerment. Neben ihrem Engagement drehte sich ein großer Teil des Gespräches auch um die ehemalige First Lady selbst und um Schwierigkeiten, die sie während der Amtszeit von Barack Obama zu bewältigen hatte. Michelle Obama sprach offen darüber, wie es sich anfühlte, immer
wieder öffentlich mit Verleumdung, Beschimpfungen und Rassismus konfrontiert zu werden. So wurde sie unter anderem als Affe in Highheels bezeichnet, Opfer von Bodyshaming und Objektivierung. Natürlich hinterlasse das Wunden, sagte sie.

 „Als Frauen müssen wir Verletzungen so vieler Art ertragen, dass wir gar nicht mehr bemerken, wenn man uns verletzt.“

Trotzdem oder grade deshalb sei es wichtig, offen mit diesen Verletzungen umzugehen und nicht die Angst davor siegen zu lassen, man könne schwach erscheinen. Alles andere wäre wie ein Freifahrtschein für die Menschen, die andere bewusst verletzen. Dabei sei es gerade als Frau wichtig, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren, um ein Vorbild für andere zu sein. „Als Frauen müssen wir Verletzungen so vieler Art ertragen, dass wir gar nicht mehr merken, wenn man uns verletzt.” Durch den Mut, sich zu diesen Verletzungen zu bekennen, könne man den Teufelskreis durchbrechen. Für sie persönlich sei es vor allem schmerzhaft „zu wissen, dass es immer noch Menschen gibt, die auch nach acht Jahren harter Arbeit für dieses Land, aufgrund meiner Hautfarbe nicht bereit dazu sind, mich anzuerkennen.” Rassismus sei ihr in vielen Formen entgegengeschlagen, trotzdem sei es wichtig, sich nicht unterkriegen zu lassen und den Feindseligkeiten entgegenzutreten. Nur so könne man verdeutlichen, was verbale Verletzungen und digitaler Hass anrichten können und den Tätern die Auswirkungen ihres Handelns zeigen.

„Nutze deine Kraft und gibt nicht nach!“

Trotz des schwierigen Themas hatte Michelle Obama immer wieder bestärkende Worte für das Publikum übrig. Wichtig sei es, die USA trotz der Regentschaft Donald Trumps nicht aufzugeben: „Habt keine Angst vor dem Land, in dem ihr lebt. Die Menschen hier sind gut.“ Eine wichtige Aussage, verdeutlicht sie doch, dass Verallgemeinerungen nie der Realität entsprechen und man nicht die Ansichten Donald Trumps und seiner Anhänger mit
denen der amerikanischen Bevölkerung gleichsetzen darf. Auch das Thema
Gleichberechtigung kam immer wieder auf. Michelle Obama ermutigte Frauen dazu, täglich Verantwortung zu übernehmen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Jede Einzelne solle ihre Kraft nutzen und nicht nachgeben, sagte sie. Außerdem appellierte sie an die anwesenden Männer, Frauen zuzuhören und ihnen ihre Wertschätzung offen zu zeigen.

„Lass dich nicht von deinen Narben beherrschen.“

Der Auftritt beweist, wie viel Stärke man dadurch zeigen kann, auch verletzliche Momente mit der Öffentlichkeit zu teilen. Der Applaus und die Standing Ovations, die das Gespräch begleiteten, zeigen deutlich, wie wichtig es ist bestehende Tabus zu brechen und sich nicht durch Verletzungen kleinkriegen zu lassen. „Own your scars”, gab Michelle Obama dem Publikum als Rat mit auf den Weg. So würde man nicht nur sich selbst entlasten, sondern auch Menschen in ähnlichen Situationen zeigen, dass sie nicht allein sind. Gerade um der heranwachsenden Generation ein Vorbild zu sein, ist es wichtig, die bestehenden Regeln umzuschreiben und für sich selber einzustehen.

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