Foto: CNN | Youtube

„An alle Politiker, die Geld von der Waffenlobby nehmen: Schämt euch!“

Was kann verhindern, dass noch weitere Jugendliche in den USA bei Amokläufen an Schulen getötet werden? Es sind keine Worte des Bedauerns, wie die mutige Emma Gonzalez in einer bewegenden und wichtigen Rede einmal mehr deutlich macht.

 

„Wir sind die Kinder, über die ihr in Geschichtsbüchern lesen werdet“

Am vergangenen Mittwoch erschoss ein 19-Jähriger Ex-Schüler an einer Schule in Parkland, in Florida, 17 Menschen, darunter 14 Schüler und drei Lehrer. Es ist das 18. „School-Shooting“ in den USA in 2018. Das sind 18 Amokläufe an amerikanischen Schulen in sieben Wochen – und es sind 18 zu viel. Eine der Überlebenden ist die 17-jährige Emma Gonzales, und sie hat sich nun mit einer extrem starken und auch bewegenden Rede an die Regierung und letztlich an ein ganzes Land gewendet. 

Sie sagt ganz deutlich, was schon so lange diskutiert wird, aber nie ausreichend Gehör fand, um wirklich eine Änderung der Waffengesetze einzuleiten: Es reicht nicht mehr, nur seine Trauer zu bekunden und Gedanken an die Opfer und ihre Angehörigen zu schicken, ganz besonders nicht, wenn die National Rifle Association (NRA) die Waffenlobby der USA, Wahlkämpfe von Politikern, wie auch die von Trump, mit Millionen von Dollar unterstützte. Jetzt könnte sich das ändern. Denn, so ihre Hoffnung: „Wir sind die Kinder, über die ihr in den Geschichtsbüchern lesen werdet. Nicht weil wir wieder in einer Statistik zu Massenschießereien in den USA auftauchen, sondern weil wir die letzten sein werden, die eine Massenschießerei erleben.“

Für die Jugendlichen nach Colombine, gehört der Gedanke an Amokläufe an Schulen zum Leben dazu

Emma Gonzalez sagt, sie und viele andere Überlebende von Parkland können vor allem deshalb nicht einfach still trauern, weil sie nicht länger akzeptieren können, dass die Möglichkeit einer Massenschießerei an Schulen mittlerweile zum Alltag für Kinder, Lehrer und Eltern geworden ist. Möglich machen das die Waffengesetze der USA. In Florida selbst könnte es etwa nicht einfacher sein, an eine Waffe zu kommen, wie sie erklärt: „Um in Florida eine Waffe zu kaufen, braucht es keine Erlaubnis und keinen Waffenschein – und wenn du eine Waffe gekauft hast, musst du sie nicht einmal registrieren. (…) Du kannst dir so viele Waffen wie du willst kaufen und das jederzeit.“ Und sie erzählt von einem Statement eines Lehrers zur Schießerei, das sie sehr bewegt hat, weil es die Perversion des Themas mit dem Nagel auf den Kopf trifft:

 „Wenn Erwachsene mir erzählen, dass sie das Recht haben, eine Waffe zu besitzen, dann ist alles, was ich hören kann folgendes: Mein Recht eine Waffe zu besitzen überwiegt gegenüber dem Recht der Schüler, zu leben.“

Für viele Amerikaner ist der Besitz von Waffen ein Grundrecht, ein Freiheitsrecht, das sie nicht aufgeben wollen – auch nicht angesichts der schrecklichen Statistiken. Zudem ist die NRA, eine der mächtigsten Lobbys der USA – ihre Gelder entscheiden nicht selten über politische Schicksale und Massenschießereien werden eher für Öffentlichkeitsarbeit genutzt, als dass es sie schwächen könnte. Nach dem Motto: Jetzt muss man sich erst Recht verteidigen können. 

Die bisherigen Debatten darüber im Kongress, im Übrigen viel zu wenige angesichts des Themas, haben nichts erreicht. Doch jetzt, so hofft Emma Gonzales, sprechen endlich in einer sehr großen Zahl jene, die von dem Gesetz in vollem Ausmaß betroffen sind, Menschen mit Gesichtern, mit Namen sowie Erfahrungen und Gefühlen statt trockene Zahlen – und das könnte endlich etwas ändern. Durch sie könnte die USA zu einem Land werden, in dem das Risiko, dass Kinder an Schulen sich nicht mehr selbstverständlich mit der Bedrohung durch Amokläufer auseinandersetzen müssen, gesenkt werden. Und dazu wollen jetzt jene Jugendlichen beitragen, die bislang von derlei Gesprächen ausgeschlossen waren:

„(…) vielleicht haben sich die Erwachsenen daran gewöhnt, zu sagen, „Es ist, was es ist.“, aber wenn wir Schüler etwas gelernt haben, dann ist es, dass wenn wir nicht lernen, dann werden wir scheitern. Und wenn wir in diesem Fall weiter aktiv nichts machen, dann werden immer mehr Menschen getötet – und genau deshalb müssen wir einfach etwas tun.

Wir sind die Kinder, über die ihr in den Geschichtsbüchern lesen werdet. Nicht weil wir wieder in einer Statistik zu Massenschießereien in den USA auftauchen, sondern weil wir die letzten sein werden, die eine Massenschießerei erleben. (…) Wir werden das Gesetz ändern und das werden wir durch den unermüdlichen Einsatz der Schulbehörde, der Lehrer, der angehörigen Familien und vor allem den Schülern. Den Schülern die tot sind, den Schülern, die noch im Krankenhaus liegen, den Schülern, die nun an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden, den Schülern die aufgrund der Polizeihubschrauber, die 24 Stunden am Tag über die Schule fliegen, Panikattacken während der Mahnwache bekommen.“

„(…) vielleicht haben sich die Erwachsenen daran gewöhnt, zu sagen, „Es ist, was es ist.“, aber wenn wir Schüler etwas gelernt haben, dann ist es, dass wenn wir nicht lernen, dann werden wir scheitern. Und wenn wir in diesem Fall weiter aktiv nichts machen, dann werden immer mehr Menschen getötet – und genau deshalb müssen wir einfach etwas tun.

Und sie richtet sich noch einmal an Donald Trump direkt: 

„Wenn der Präsident mir ins Gesicht sagen will, dass es eine schreckliche Tragödie ist und dass das alles nie hätte passieren dürfen und trotzdem nichts dagegen unternommen wird, würde ich ihn sehr gerne fragen, wie viel Geld er von der NRA bekommen hat. Aber wisst ihr was, es ist egal, denn ich weiß es schon. 30 Millionen Dollar. (…) An alle Politiker, die Geld von der NRA nehmen: Schämt euch.“

Quelle: CNN | Youtube

Ein Transkript der ganzen, wirklich beeindruckenden Rede, könnt ihr hier nachlesen.

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