Foto: Talia Cohen

Warum eine Führungskraft Angst zeigen darf

Vier ungewöhnliche Tipps für deine erste Führungsaufgabe.

 

Du bist jetzt Chefin!

Gratulation! Gerade hast du erfahren, dass du Teamleiterin eines großen neuen Projektes in deiner Firma wirst – die ersten Führungsaufgaben stehen also an. Ein wichtiger neuer Schritt auf deinem Karriereweg und viel geht dir jetzt durch den Kopf: Einerseits freust du dich natürlich wie Bolle – schließlich ist es noch nicht so lange her, dass du nach deinem Studium in dem Unternehmen angefangen hast. Doch es mischen sich unter deine Euphorie natürlich auch andere Gedanken: „Schaff ich das auch?“ oder vielleicht auch die Frage: „Führen – wie geht das eigentlich?“

Vorab: Dein Chef traut dir die Aufgabe zu; du kannst also mit Selbstbewusstsein an den neuen Job herangehen. Picke Dir aus den folgenden vier Tipps die heraus, die stimmig für dich sind. „Ich will“ statt „Ich muss“ – Führen darf Spaß machen.

1. Brenne für deine Sache!

Früher war es einfacher, seine Karriere zu planen: Wer wollte, konnte in einem krisensicheren Job, einer krisensicheren Branche bis zur Rente bleiben. Wem Geld und Prestige wichtig waren, der wurde Ärztin, Banker oder Anwalt. Es gab eindeutige Auswahlkriterien, nach denen man sich richten konnte.
Das ist heute nicht mehr so – es gibt nichts wirklich Krisenfestes mehr.

Das Einzige, was wirklich krisenfest ist und was Du selbst zu 100 Prozent in der Hand hast: Für was brennst du? Wann bist du im Flow, wann kannst du ohne Anstrengung einer Aufgabe aufgehen und jedes Gefühl für Raum und Zeit vergessen? Wenn du es schaffst, überwiegend nach diesem Kriterium deine Karriere zu planen, bist du deutlich krisenresistenter und kannst besser mit deinen Energien haushalten. Kurz gesagt: Du bist erfolgreicher!

2. Sei berechenbar!

Warum klingt das Wort „berechenbar“ immer so abfällig? In sehe es als Gegensatz zu „launisch sein“, „heute so und morgen ganz anders auftreten“ – also durchaus positiv. Eine berechenbare Vorgesetzte kommuniziert klar und eindeutig ihre Anforderungen und Wünsche und hält sich selbst daran. Überlege also: Was ist dir besonders wichtig und was geht gar nicht? Ganz konkret! Vielleicht ist es ein absolutes No-Go für dich, wenn Mitarbeiter unaufgefordert dein Büro stürmen, wenn die Tür ausnahmsweise mal geschlossen ist? Oder dir ist das gemeinsame Montagsmeeting besonders wichtig, ansonsten können aber deine Mitarbeiter durchaus frei entscheiden, wann sie was erledigen? Sage also möglichst selten heute Hü und morgen Hott. Diese Konsequenz erleichtert verlässliche Zusammenarbeit.

3. Mutig voran … und hinten anstellen!

Stelle dir vor, du kommst als neue Führungskraft von extern in ein fremdes Unternehmen. Selbstverständlich wird von dir erwartet, dass du kreative Ideen mitbringst und neue Wege vorschlägst. Du bringst schließlich eine exzellente Ausbildung und schon einige Branchenerfahrung mit – somit bist du ein wertvoller Impulsgeber. Hier kannst du also forsch vorangehen: Zeige, dass du als Führungskraft weisst, wohin du willst, stecke die anderen mit deinen Ideen an und motiviere die Mitarbeiter, dir zu folgen.

Viele junge Führungskräfte machen an dieser Stelle jedoch den Fehler, dass sie es mit ihrem Elan und dem forschen Auftreten übertreiben und so die Belegschaft verprellen, quasi „im Galopp verlieren“.

Vergiss daher bitte nie, dass die Mitarbeiter länger dabei sind als du: Die Mitarbeiter kennen die Geschichte der Firma, die Kunden und die vielen ungeschriebenen Gesetze viel besser als du – und sie waren schlichtweg zuerst da. Hier gilt es, sich geschickt und wertschätzend quasi hinten anzustellen. Mache deinen Mitarbeitern klar: „Ihr ward zuerst da, ich bin auf eure Erfahrung und euer Wissen angewiesen.“ Erst dann, wenn du dadurch das Vertrauen gewonnen hast, werden dir deine Leute auch zu neuen Ufern folgen.

4. Rede über deine Ängste!

Mein wichtigster Tipp zum Schluss: Bitte durchbrich die Reihen der ewigen „Tschakkaa-Menschen“, die alles können, alles wissen, nie Ängste oder Selbstzweifel haben und überhaupt die Größten sind. Führungskräfte sind auch Menschen und dürfen sich als solche zu erkennen geben. Sicher, du solltest in Krisen mutig vorangehen, deine Mitarbeiter motivieren und Zuversicht ausstrahlen. Das bedeutet aber nicht, dass du Mister oder Miss Robot sein musst. Wie kommt wohl ein Satz an wie: „Auch ich hab schon mal besser geschlafen – die derzeitige Lage macht mir auch Sorgen!“ Du befürchtest, dass dadurch deine Autorität ins Wanken kommt? Nein, sicher nicht – im Gegenteil: Du zeigst dich als Mensch, der eben auch mal Ängste hat. Deine Mitarbeiter werden erleichtert denken „Ok, wenn selbst der so ist, muss ich mich nicht verstecken.“ Sie werden offen reden können und dir umso vertrauensvoller folgen können.

Sprich über deine Ängste, hole diese Themen raus aus der Tabuzone!
Angst muss kein Karrierekiller sein – im Gegenteil! Angst kann ein wertvoller Ratgeber sein, wenn wir nur hinhören. Angst macht den Chef menschlich und nah. Und menschliche Chefinnen und Chef machen Karriere. 

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