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Judith Behmer: „Modestudierende brauchen eine bessere Ausbildung“

Das Unternehmen Fashionsparkle hilft jungen Startups im Modebereich zum Erfolg. Was es wirklich braucht, um in der Branche richtig durchzustarten, erzählt Gründerin Judith Behmer.

 

Gründen? Nur Mut!

Kann man wirklich noch ein Startup im Modereich gründen? Ja, findet Judith Behmer, solange man eine richtig gute Idee und das nötige Handwerkszeug hat. Das fehlt Modestudentinnen und -studenten aber häufig. Sie sind zwar gut im Design ausgebildet, aber das wirtschaftliche Know-how fehlt ihnen. Genau da setzt die Geschäftsführerin an und ebnet Gründungsinteressierten den Weg zum erfolgreichen Mode-Startup. Am 26.01. spricht sie im Edition F-Webinar darüber, worauf es beim Gründen wirklich ankommt und gibt konkrete Tools an die Hand, die es braucht, um in der Modebranche durchzustarten. 

Wir haben vorab mit ihr über ihre Vision gesprochen, wieso nicht immer alles sofort glatt laufen muss und was genau uns im Webinar erwartet.

Du berätst junge Unternehmerinnen und Unternehmer im Modebereich dabei, wie sie ein Business aufbauen können.Dabei hast du täglich mit Gründerinnen zu tun. Die Frage, die uns da natürlich unter den Nägeln brennt: Gibt es langsam nicht genug Startups im Modebereich? Wann und warum sollte man dennoch gründen? Und was braucht es dafür?

„Das ist wie in vielen anderen Branchen auch: Ein eigener USP, also ein Alleinstellungsmerkmal, ist erfolgsentscheidend. Ohne den sollte man weder in der Textilbranche, noch in einer anderen Branche ein Unternehmen gründen. Das kann im Mode-Tech-Bereich sein, aber auch für Produkte wie besondere Basics, BHs für große Brüste, bei denen das Design eine große Rolle spielt, oder moderne Businesswear für Damen, die in einem guten Preis-Leistungsverhältnis steht, gibt es einen großen Bedarf auf dem Markt. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Wichtig ist, dass man sich im Anfangsstadium der Gründung unternehmerisches Handwerkszeug aneignet, Branchenerfahrungen sammelt und ganz wichtig: sich schon im Vorfeld ein branchenübergreifendes Netzwerk erarbeitet. Man sollte gründen, wenn man selber das Gefühl hat, einen Bedarf zu erkennen, den man auch anhand fremder, objektiver Meinungen mit der Unternehmensleistung decken kann.“

Du hast selbst Modedesign studiert, dich dann aber doch noch für ein BWL-Studium entschieden. Glaubst du, Modestudierende sollten in dem Bereich besser ausgebildet werden?

„Ich bin davon überzeugt, dass es großen Nachholbedarf in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung von Modedesignern gibt. Leider trifft hier fehlende Ausbildung auf fehlendes Interesse der meisten Modestudenten, weshalb sich die Entwicklung bestimmt auch nicht besonders beschleunigt. Egal, ob man im Anschluss selbstständig oder angestellt arbeitet, wenn man betriebswirtschaftliche Werkzeuge beherrscht, wird man besser bezahlt, kann seine Arbeit besser an der Zielgruppe ausrichten und versteht, welches System dahintersteckt.“

Worauf sollte bei der Ausbildung denn dringend mehr Wert gelegt werden?

„An aller erster Stelle betriebswirtschaftliches Wissen, dass den Studenten mit auf den Weg gegeben wird. Außerdem finde ich es aus meiner Erfahrung heraus sinnvoll, dass mehr über den Kollektionsaufbau vermittelt wird. Das wird häufig vernachlässigt. An der einen oder anderen Hochschule mag das anders sein, aber für die Mehrheit sollte das zutreffen.“

Du hast ein erfolgreiches Fashion-Startup gegründet und hilfst jetzt anderen ebenfalls zum Erfolg. Viele würden ihr Geheimrezept wahrscheinlich lieber für sich behalten. Wie entstand der Wunsch dein Wissen zu teilen? Und was ziehst du vielleicht selbst daraus?

„Ich empfinde mein Unternehmen noch nicht als erfolgreich. Wir stehen gerade erst am Anfang. Der Wunsch, Wissen zu teilen, entstand aus der Erfahrung, die ich schon seit bald zehn Jahren immer wieder miterleben musste: Junge Modeunternehmer, die eine gute Idee oder Produkt haben und scheitern. Häufig, weil sie keine Anlaufstelle für ihre Fragen fanden. Das fängt bei unternehmerischen Problemstellungen, zum Beispiel Kapitalbeschaffung, an und geht weiter mit der großen Frage, wie am besten das Produkt bzw. die Leistung vertrieben wird. Mich persönlich stört dieser Missstand, dass es einfach keine gute Anlaufstelle für junge Modeunternehmen gibt, so sehr, dass ich aus jeder Begleitung persönlichen Mehrwert ziehe. Einen Unternehmer dabei zu begleiten, mit seiner Idee wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist sehr befriedigend.“

Wie schaffst du es, Modelabels zum Erfolg zu bringen?

„Wir helfen Modelabels durch unsere eigenen Erfahrungen und Experten. Wir verfügen über ein hochqualitatives Netzwerk an Experten aus der Bekleidungsbranche, vom Kapitalmarkt und aus anderen Unternehmen. Wir können auf Dienstleister, zum Beispiel professionelle Fotostudios oder Presseagenturen zurückgreifen. Dabei betrachten wir immer das gesamte Unternehmen und nicht nur einen Teil. Viele Berater machen den Fehler, dass sie einfach nur Vertriebswege aufzeigen. Aber wie soll das Label auch nur ein Teil verkaufen, wenn der Preis nicht stimmt? Wir verstehen uns als eine Art Dolmetscher zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und guten, kreativen Ideen. Des Weiteren sind wir ein Team, das hinter unserer Mission steht und mit viel Leidenschaft und Verständnis für das einzelne Label handelt. Meiner Meinung nach sollte ein optimaler Support für die Labels sehr operativ sein, d.h. konkret werden und nicht nur einen guten Plan liefern.“

Was wissen die Teilnehmer nach deinem Webinar am 26.01.2017 definitiv?

„Die Teilnehmer wissen nach dem Webinar auf jeden Fall, was die ersten Schritte sind, um ein Modeunternehmen zu gründen und wo auch die Fallstricke liegen. Dabei werde ich mich nicht auf die klassische Existenzgründung beziehen, sondern konkret für ein junges Modeunternehmen sprechen. Für steuerliche bzw. rechtliche Fragen gibt es andere Dienstleister. Ich freue mich, wenn ich danach auf individuelle Fragen eingehen kann.“

Gründen braucht auch Mut: Was rätst du Menschen, die gerne ein Startup im Modebereich gründen würden, aber Angst davor haben zu scheitern?

„Jeder Mensch scheitert mehrmals in seinem Leben. Man kann auch seinen Job verlieren, seine Partnerschaft oder anderes. Ich rate diesen Menschen, sich bewusst zu machen, dass Scheitern die größten Learnings birgt. Wenn alles gut läuft, lernt man nicht so viel dazu. Wenn man Hindernisse überwindet und Probleme löst, ist das ein bestärkendes Gefühl. Es gibt für jedes Problem eine Lösung.“

– In eigener Sache – 

So gründest du erfolgreich dein eigenes Modelabel: EDITION F Webinar mit Fashionsparkle-Gründerin Judith Behmer

Im Webinar am 26. Januar 2017 erklärt euch Judith, wie ihr euch erfolgreich im Mode-Business selbstständig macht, warum ein gutes Produkt alleine nicht reicht und wie ihr eine Strategie entwickelt, die auf die Gegebenheiten des Marktes zugeschnitten ist. 

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